{"id":100,"date":"2019-07-16T11:21:20","date_gmt":"2019-07-16T09:21:20","guid":{"rendered":"http:\/\/rotes-nowawes.de\/?page_id=100"},"modified":"2019-07-23T13:29:33","modified_gmt":"2019-07-23T11:29:33","slug":"spanienkaempfer","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/rotes-nowawes.de\/?page_id=100","title":{"rendered":"Spanienk\u00e4mpfer"},"content":{"rendered":"\n<p>Der Spanische B\u00fcrgerkrieg von 1936 \u2013 1939 war eine der\nersten Epochen, in der es eine gro\u00dfe internationale Unterst\u00fctzung f\u00fcr den Kampf\ngegen den europ\u00e4ischen Faschismus und f\u00fcr eine gew\u00e4hlte demokratische Regierung\ngab. Spanien war in den Zeiten des aufkommenden Faschismus eine entscheidende\nFront. Dem Kampf gegen Franco, Hitler und Mussolini schlossen sich Tausende\nFreiwillige aus 54 L\u00e4ndern an. Im Februar 1936 war in Spanien eine\ndemokratische und sozialistische Regierung durch Wahlen an die Macht gekommen.\nDie eingeleiteten fortschrittlichen Ver\u00e4nderungen, um vor allem die soziale\nLage der einfachen Bev\u00f6lkerungsschichten zu verbessern, stie\u00df aber auf gro\u00dfe\nGegenwehr der Kirche und der Rechten. So unternahm General Franco im Juli 1936\nmit Hilfe von Deutschland und Italien einen Milit\u00e4rputsch, der zum Krieg\nf\u00fchrte. Der Krieg des spanischen Volkes wurde in jener Zeit zur Hauptfront&nbsp; des Kampfes um Demokratie und Fortschritt\nsowie gegen die faschistische Gefahr.<\/p>\n\n\n\n<p>Unter den Tausenden Demokraten und Antifaschisten, die sich\nden Internationalen Brigaden im Kampf gegen den Faschismus anschlossen, waren\nauch Nowaweser Genossen. Die vier Nowaweser Antifaschisten, welche in Spanien\nf\u00fcr die Freiheit gek\u00e4mpft haben, sind in der \u00d6ffentlichkeit heute kaum noch\nbekannt. Walter Junker z\u00e4hlt in der \u00d6ffentlichkeit noch zu den bekannteren\nPersonen, w\u00e4hrend Kurt Vogel, Paul K\u00fchne und Kurt Laube kaum eine Rolle in der\n\u00f6ffentlichen Wahrnehmung spielen. Mit dem Ende der DDR verschwand nicht nur das\nstaatlich verordnete Gedenken an sie, sondern auch f\u00fcr sie geschaffene\nDenkm\u00e4ler wurden geschliffen, nach ihnen benannte Stra\u00dfen und Kulturh\u00e4user\numbenannt und generell fand ein Erinnern und Gedenken an internationale\nAntifaschisten und Spanienk\u00e4mpfer ein j\u00e4hes Ende.<\/p>\n\n\n\n<p>Alle vollziehen ihren Dienst in der XI. Internationalen\nBrigade, Paul K\u00fchne wegen seiner englischen Sprachkenntnisse sogar zeitweise in\nder XV. Internationalen Briade. In ihr sind zumeist deutschsprachige K\u00e4mpfer\nzusammengefasst. Walter Junker kommt aus dem Spanischen Krieg nicht mehr\nzur\u00fcck, er f\u00e4llt w\u00e4hrend der Ebroschlacht im Jahr 1938. Doch auch zu Hause, in\nNowawes, spielt der Krieg eine Rolle und n\u00e4hrt er die Hoffnung auf einen Sieg gegen\nden europ\u00e4ischen Faschismus. Die Ereignisse in Spanien mobilisieren die bereits\nim Untergrund wirkenden Antifaschisten. So wurden auch unter F\u00fchrung der\nillegalen Ortsgruppe der KPD Potsdam-Babelsberg im Jahr 1936 37 gr\u00f6\u00dfere\nSolidarit\u00e4tsaktionen u.a. Geldsammlungen, Verteilung von Flugbl\u00e4ttern usw.\ndurchgef\u00fchrt. (1)<\/p>\n\n\n\n<p>Wir als Geschichtswerkstatt Rotes Nowawes wollen uns wieder\nf\u00fcr ein w\u00fcrdiges Erinnern und Gedenken an die Nowaweser Spanienk\u00e4mpfer\neinsetzen, die nicht nur in Spanien, sondern auch hier in Nowawes wirkten.<\/p>\n\n\n\n<p>(1) Solidaridad Pasaremos, Komitee d. Antifaschistischen\nWiderstandsk\u00e4mpfer d. DDR, Bezirkskomitee, 1981, S. 14<\/p>\n\n\n\n<p><em>Folgender Artikel entstammt dem Blog eines Mitglieds der Geschichtswerkstatt Rotes Nowawes (<\/em><a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Potsdamer AntifaschistInnen im spanischen B\u00fcrgerkrieg 1936-1939 (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"http:\/\/spanienkrieg.blogsport.de\" target=\"_blank\"><em>Potsdamer AntifaschistInnen im spanischen B\u00fcrgerkrieg 1936-1939<\/em><\/a><em>) <\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die vier Nowaweser Antifaschisten, welche in Spanien f\u00fcr die \nFreiheit gek\u00e4mpft haben, sind in der \u00d6ffentlichkeit heute kaum noch \nbekannt. Walter Junker wurde bereits schon ausf\u00fchrlich vorgestellt, auch\n Kurt Vogel fand in einem biografischen Abriss eine Kurzvorstellung. Nun\n folgt aber noch einmal ein \u00dcberblick \u00fcber das Nowaweser Vierergespann. <\/p>\n\n\n\n<p>Walter Junker wurde am 27. November 1910 in Berlin-Wannsee als \nviertes Kind einer Arbeiterfamilie geboren. Seit dem Jahr 1928 war er \nMitglied im Kommunistischen Jugendverband und dessen Vorsitzender in der\n Ortsgruppe Nowawes bei Potsdam. Der Werkzeugmacher war ab 1931 \nPolitischer Leiter der KPD in Nowawes und leitete ab dem Jahr 1932 die \nHerausgabe der illegal vertriebenen Zeitung \u201cJunger Pionier\u201d.<br>\nIm M\u00e4rz 1933 wurde er kurzzeitig verhaftet und emigrierte im Mai \ndesselben Jahres nach Prag in die \u010cSR. Durch seine fortgesetzte \npolitische T\u00e4tigkeit vor Ort war er stets von der Ausweisung bedroht, \nkurzzeitig lebte er auch in der Schweiz. Im Jahr 1938 ging Walter Junker\n nach Spanien und wurde Soldat der XI. Internationalen Brigade. Er wird \nMG-F\u00fchrer einer Maschinengewehrkompanie im Bataillon \u201e12. Februar\u201c. Am \n28.07.1938 fiel er in der N\u00e4he der Stadt Gandesa bei Corbera d\u00b4Ebre an \nder Ebro-Front. Walter Junker w\u00e4re dieses Jahr 100 Jahre alt geworden.<br>\nIn der DDR wurden eine Stra\u00dfe und ein Klubhaus nach ihm benannt, \nau\u00dferdem wurde im Jahr 1976 ein Denkmal am Bahnhof Griebnitzsee \nerrichtet. <\/p>\n\n\n\n<p>Auch Paul K\u00fchne k\u00e4mpft als Potsdamer bzw. korrekterweise als \nNowaweser in Spanien. Geboren wird er am 16. September 1908 in Nowawes \nund nach der Schulzeit in der Volksschule macht er im Werk von Orenstein\n und Koppel eine Ausbildung. Er tritt der \u201eRoten Jungfront\u201c und im Jahr \n1929 schlie\u00dflich der KPD bei. Milit\u00e4rische Erfahrungen sammelt er im \nRoten Frontk\u00e4mpferbund (RFB) als Zugf\u00fchrer und nach deren Verbot bei den\n n\u00e4chtlichen \u00dcbungen in den Ravensbergen. Paul K\u00fchne geh\u00f6rt zu den \nersten Personen, die von den Nazis 1933 verhaftet werden. Erst im \nGef\u00e4ngnis und sp\u00e4ter in den Emslandlagern inhaftiert wird er erst wieder\n 1935 entlassen. Als Taxifahrer hat er eine wichtige Funktion bei \nillegalen Treffen in Potsdam und Umgebung. Um seiner Verhaftung zu \nentgehen flieht er wie andere Antifaschist_innen in die \u010cSR, um von dort\n mit falschem Pass \u00fcber \u00d6sterreich, die Schweiz und Frankreich nach \nSpanien zu gehen. Hier wird er unter anderem als Fahrer eines \nPanzersp\u00e4hwagens in der XV. Internationalen Brigade und sp\u00e4ter als Chef \neiner Sanit\u00e4tskraftwagenkolonne eingesetzt. Unmittelbar nach dem Krieg \nist er in Frankreich interniert und wird 1941 an die Gestapo \nausgeliefert. Nach einer Haftzeit erh\u00e4lt Paul K\u00fchne den Befehl zum \nDienst in der sogenannten \u201eBew\u00e4hrungseinheit\u201c 999. An der Ostfront fehlt\n seit dem Januar 1945 jegliche Nachricht von ihm, vermutlich wird er \nbeim \u00dcberlaufen zur Roten Armee erschossen.<\/p>\n\n\n\n<p>Kurt Laube ist eine weitere Person, die in Spanien auf Seiten der \nRepublik k\u00e4mpft. 1905 in Rathenow geboren zieht er nach Nowawes und \ntritt zuerst dem KJVD (Kommunistische Jugendverband Deutschlands) und im\n Jahr 1930 der KPD bei. Als Mitglied im RFB organisiert er mit der \nMacht\u00fcbernahme der Nazis 1933 Arbeiterdemonstrationen und arbeitet \nschlie\u00dflich politisch in Nowawes und Berlin illegal weiter. Nach der \nEmigration in die \u010cSR meldet er sich freiwillig, um in Spanien gegen die\n Faschisten zu k\u00e4mpfen. Eingesetzt wird er als Kommissar der 2. Kompanie\n in einer Batterie im Bataillon \u201eEdgar Andr\u00e9\u201c, welches der XI. \nInternationalen Brigade zugeordnet ist. Am Ebro trifft er auch auf seine\n Nowaweser Genossen Walter Junker und Kurt Vogel. Auch Kurt Laube wird \nnach dem Ende des Krieges unter anderem in Gurs (Frankreich) interniert \nund durch die Vichy-Regierung an Nazi-Deutschland \u00fcberstellt. In Potsdam\n wird er zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt, die er im Zuchthaus in \nBrandenburg zubringt. Obwohl er in ein Strafbataillon der Wehrmacht \nzwangsrekrutiert wird, gelingt ihm die Flucht zur amerikanischen Armee. \nNach der Befreiung im Jahr 1945 \u00fcbernimmt er politische Funktionen in \nder KPD, sp\u00e4ter in der SED und in der VVN (Vereinigung der Verfolgten \ndes Naziregimes) und arbeitet als Redakteur der DEFA-Betriebszeitung. \n1987 stribt Kurt Laube in Potsdam.<\/p>\n\n\n\n<p>Vierte Person im Bunde der Nowaweser Spanienk\u00e4mpfer ist Kurt Vogel. \nGeboren wird er am 03. Februar 1910 in Potsdam. In den Waffenwerken \nSpandau lernt er den Beruf des Rohrschlosser. Er tritt 1926 dem KJVD und\n 1928 der KPD und dem RFB bei, au\u00dferdem ist er Vorsitzender der Roten \nHilfe in Nowawes. Schon 1932 wird er wegen der RFB-T\u00e4tigkeit verhaftet \n(der RFB ist seit 1929 verboten) und wird im Jahr 1933 von den Nazis im \nKZ Lichtenburg in \u201eSchutzhaft\u201c genommen. 1936 fl\u00fcchtet er in die \u010cSR und\n folgt dem antifaschistischen Kampf im November 1936 nach Spanien. Kurt \nVogel, auch bekannt unter dem Namen \u201eRoter Waffenmeister\u201c, vollzieht \nseinen Dienst in der XI. Internationalen Brigade als Kapit\u00e4n und \nOperationschef in verschiedenen Bataillonen (unter anderem \u201eTh\u00e4lmann\u201c, \n\u201eEdgar Andr\u00e9\u201c und \u201e12. Februar\u201c). Bei seinen Diensten an den \nunterschiedlichen Fronten wird er mehrmals verwundet. 1939 kommt er in \nmehrere Internierungslager, wird 1941 an Deutschland ausgeliefert und zu\n einer Haftzeit im Zuchthaus Brandenburg verurteilt. 1943 wird Kurt \nVogel in das KZ Buchenwald \u00fcberstellt, wo er am bewaffneten Aufstand \nteilnimmt. Nach 1945 wird er Polizeipr\u00e4sident, Mitglied der SED, \nstudiert in der UDSSR und wird Oberst bei der NVA.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Spanische B\u00fcrgerkrieg von 1936 \u2013 1939 war eine der ersten Epochen, in der es eine gro\u00dfe internationale Unterst\u00fctzung f\u00fcr den Kampf gegen den europ\u00e4ischen Faschismus und f\u00fcr eine gew\u00e4hlte demokratische Regierung gab. Spanien war in den Zeiten des aufkommenden Faschismus eine entscheidende Front. 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