{"id":1378,"date":"2020-08-18T20:50:04","date_gmt":"2020-08-18T18:50:04","guid":{"rendered":"http:\/\/rotes-nowawes.de\/?page_id=1378"},"modified":"2020-08-28T08:07:11","modified_gmt":"2020-08-28T06:07:11","slug":"max-graupner-vorsitzender-des-asv-concordia-06-nowawes","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/rotes-nowawes.de\/?page_id=1378","title":{"rendered":"Max Graupner \u2013 Vorsitzender des ASV Concordia 06 Nowawes"},"content":{"rendered":"\n<p>Der gelernte Schmied und Arbeitersportler Max Graupner wird am 19.08.1890 in Nowawes in der Mittelstr. 12 (heute Wichgrafstr.) geboren. Sein Vater ist der Webermeister Hermann Graupner, seine Mutter Marie Graupner, geb. Thelitz. Nach dem Besuch der Gemeindeschule beginnt er eine Lehre als Schmied in der Lokomotivfabrik von Orenstein &amp; Koppel und tritt 1908 in den Deutschen Metallarbeiter Verband ein. Von 1910 bis 1912 dient er beim Milit\u00e4r. Er wird gleich zu Beginn des 1. Weltkrieges am 1.8.1914 eingezogen und ger\u00e4t im Februar 1915 in russische Gefangenschaft. In den Wirren der russischen Revolution kehrt er auf eigene Faust nach Nowawes zur\u00fcck und arbeitet wieder bei Orenstein &amp; Koppel. 1929 wird er in den Betriebsrat der Lokfabrik gew\u00e4hlt und arbeitet sp\u00e4ter als Werkmeister.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit 17 Jahren spielt er seit 1907 beim Nowaweser Fu\u00dfballverein \u201eConcordia Nowawes 06\u201c. Nach dem verheerenden 1. Weltkrieg engagiert er sich beim Wiederaufbau des Arbeitersportes in Nowawes und nimmt 1919 als 29j\u00e4hriger Verbindungen zum Arbeiterturnverein \u201eFreiheit\u201c auf. Concordia und Freiheit verschmelzen dann im Mai 1919 zur \u201eFreien Turn- und Sport Vereinigung Nowawes 1894\u201c, die Mitglied der \u201eM\u00e4rkischen Spielvereinigung\u201c und damit auch des Arbeiter-Turn und Sportbundes wird. Auf einem Mannschaftsfoto (s. Concordia) von 1927 wird Max Graupner \u2013 hier schon 37 Jahre alt \u2013 als Mannschaftsleiter mit Anzug und Krawatte ausgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als ein Ergebnis der heftigen Auseinandersetzungen zwischen sozialdemokratischen und kommunistischen Vereinnahmungsbem\u00fchungen kaum es auch in der Endzeit zur Spaltung der Arbeitersportbewegung, von der die Arbeitersportler der \u201eFTSVgg Nowawes 1894\u201c nicht unber\u00fchrt bleiben. Auf dem 16. Bundestag des ATSB im Juni 1928 in Leipzig kommt es zum Eklat. Der ATSB-Vorstand wirft kommunistischen Delegierten vom TSV Fichte Berlin organisationssch\u00e4digendes Verhalten vor.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Versammlung entzieht ihnen nach Abstimmung die Mandate. Mit 163 zu 66 Stimmen wird beschlossen:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eDa alle bisher ausgesprochenen Mahnungen und Verwarnungen des Bundes bisher erfolglos geblieben sind, erkl\u00e4rt der 16. Bundestag, dass der ATSB zu der KPD und ihren Einrichtungen keinerlei Beziehungen mehr aufrechterh\u00e4lt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Mit einer Stimmenmehrheit von 210 zu 22 Stimmen beschlie\u00dft der ATSB-Bundestag:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eGegen Teile der Organisation oder Mitglieder des Bundes, die in Gemeinschaft oder im Auftrag der KPD oder deren Einrichtungen gegen den Bund arbeiten, soll der Bund mit allen statuarischen Mitteln vorgehen, um den organisationssch\u00e4digen Treiben gegen unseren Bund und seinen Einrichtungen endlich ein Ende zu machen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die Spannungen zwischen der sozialdemokratischen ATSB-F\u00fchrung und der kommunistischen Mehrheit in Berlin und Umgebung f\u00fchren im Folgenden zum Ausschluss des dortigen Arbeitersportkartells aus dem Bund.<\/p>\n\n\n\n<p>Max Graupner \u2013 der selbst nicht KPD-Mitglied ist \u2013 kritisiert die Entscheidungen des 16. Bundestages. Die Mehrzahl der Fu\u00dfballer der \u201eFTSVgg Nowawes 1894\u201c wird ausgeschlossen und bildet unter Leitung von Max Graupner 1928 den nun wieder selbstst\u00e4ndigen Arbeiterfu\u00dfballverein \u201eASV Concordia 06 Nowawes\u201c, der in der \u201eM\u00e4rkischen Spielvereinigung\u201c verbleibt. Nur wenige Fu\u00dfballer bleiben bei der ATSB-konformen FTSVgg Nowawes 94, k\u00f6nnen aber nicht mehr an die Erfolge des Vorg\u00e4ngervereins ankn\u00fcpfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach der Macht\u00fcbernahme der Nazis wird Max Graupner noch im M\u00e4rz 1933 als Vorsitzender des Arbeitersportvereins verhaftet und 2 Tage lang geschlagen. Mitstreiter verr\u00e4t er dennoch nicht. Am 21.4.1933, einen Tag nach Hitlers Geburtstag, wird er erneut wegen \u201estaatsfeindlicher \u00c4u\u00dferungen\u201c verhaftet. 8 Wochen muss er im Untersuchungsgef\u00e4ngnis in der Potsdamer Lindenstra\u00dfe Schl\u00e4ge und Fu\u00dftritte \u00fcber sich ergehen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sein Arbeitersportverein wird als \u201eEintracht Nowawes 06\u201c gleichgeschaltet und Max Graupner nach seiner Freilassung aus dem Gef\u00e4ngnis untersagt, im Verein leitend t\u00e4tig zu sein. Seinen Sportfreuden von Concordia bleibt er dennoch verbunden, was dem Nowaweser \u201eObernazi\u201c Dr. phil. Eduard Vortisch, Oberstudienrat a.D. und Vorsitzender der gleichgeschalteten \u201eTurnerschaft Nowawes 1862\u201c, nicht verborgen bleibt. Dieser setzt das Kesseltreiben gegen Max Graupner und \u201eEintracht 06\u201c unvermindert fort. Dennoch gelingt es Max Graupner und Sportkameraden den ehemaligen Arbeitersportverein vor den Zugriff der Nazis und die drohende Verschmelzung mit Nowawes 03 (sp\u00e4ter SV Babelsberg 03 bzw. Sportvereinigung Potsdam 03) zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Beginn des 2. Weltkrieges reist auch gro\u00dfe L\u00fccken in die Reihen der Eintracht-Mannschaft. 1943 treten die verbliebenen Mitglieder des \u00c4ltestenrates von Concordia\/Eintracht an Max Graupner heran, er m\u00f6ge die F\u00fchrung des Vereins \u00fcbernehmen, um die immerw\u00e4hrenden Angriffe von Dr. Vortisch abzuwehren. Damit verbunden w\u00e4re aber der Eintritt in die NSDAP. Mit gro\u00dfen Gewissenskonflikten und ohne Besch\u00f6nigungen \u2013 wie Max Graupner nach der Befreiung zu Protokoll gibt \u2013 gibt er dem Dr\u00e4ngen des \u00c4ltestenrates nach. Er selbst sagt von sich: \u201eIch wurde Pg. [Pg = Parteigenosse] nicht um Nazi zu werden, sondern wegen meiner ideellen Einstellung zum Arbeitersport. Oft habe ich diesen Schritt auch verflucht\u201c. Nach der Befreiung b\u00fcrgten f\u00fcr Max Graupner die Kommunisten Max Bolz und Richard Schneemann sowie die Betriebsr\u00e4te von Orenstein &amp; Koppel (Karl-Marx-Werk) Paul Schmiedicke, Otto Ullrich, Paul Paulick und Bruno Lahs und au\u00dferdem die Sportgenossen von \u201eEintracht 06\u201c Fritz Schulze, Bruno Lahs und Hans Schmidt.<\/p>\n\n\n\n<p>Max Graupner wohnte von 1890\u00a0bis 1905 in der Mittelstr. 14, 1914\u00a0&#8211; 1919 in der Mittelstr. 24, 1927 in der Grenzstr. 13 im kommunistischen Arbeitermilieu und schlie\u00dflich von 1934 &#8211; 1938 im Hause der Sportlerkneipe von Gebauer\/Robe in der Wallstr. 62 (Karl-Gruhl-Str.). F\u00fcr 1949 ist sein Wohnsitz im Nebenhaus der Karl-Gruhl-Str. 63 vermerkt. Er verstirbt am 06.04.1977 in Potsdam.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Quellen: BLHA, 161 NS-Archiv Obj. 04 ZA 1851; Klaus Gallinat, Die Geschichte des SV Babelsberg 03: Fu\u00dfball in Nowawes und Babelsberg seit 1903; http:\/\/www.concordia-nowawes.de\/verein\/geschichte<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"490\" src=\"https:\/\/rotes-nowawes.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/concordia_1927.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1379\" srcset=\"https:\/\/rotes-nowawes.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/concordia_1927.jpg 800w, https:\/\/rotes-nowawes.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/concordia_1927-300x184.jpg 300w, https:\/\/rotes-nowawes.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/concordia_1927-768x470.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption>Concordia Nowawes, 1927; Blick Richtung Priesterstra\u00dfe (heute Karl-Liebknecht-Str.). Aufstellung: K. Zilias, Schulz, K. M\u00fcller, W. Mioske, W. Knauft, W. H\u00e4nsel, H. L\u00fcdicke, F. Rankow, W. Fischer, E. Grasse, E. Robe, G. Thomas, M. Graupner<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der gelernte Schmied und Arbeitersportler Max Graupner wird am 19.08.1890 in Nowawes in der Mittelstr. 12 (heute Wichgrafstr.) geboren. Sein Vater ist der Webermeister Hermann Graupner, seine Mutter Marie Graupner, geb. Thelitz. 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