{"id":148,"date":"2019-07-23T00:45:46","date_gmt":"2019-07-22T22:45:46","guid":{"rendered":"http:\/\/rotes-nowawes.de\/?page_id=148"},"modified":"2020-01-08T18:38:47","modified_gmt":"2020-01-08T16:38:47","slug":"novemberrevolution-1918-19","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/rotes-nowawes.de\/?page_id=148","title":{"rendered":"Novemberrevolution 1918"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Jahre von 1918 bis 1923 waren in Deutschland die Zeit\nder revolution\u00e4ren K\u00e4mpfe. Der H\u00f6hepunkt war zweifelsohne die\nNovemberrevolution 1918\/1919. Urs\u00e4chlich f\u00fcr den Ausbruch der\nNovemberrevolution waren die Erlebnisse des Ersten Weltkrieges und die daraus\nresultierende soziale und politische Misslage im Land sowie in Europa. Wenn sie\ndoch auch scheiterte, erreichte sie Gro\u00dfes. Sie brachte den Frieden, beendete\ndie Monarchie und schuf die Demokratie, konnte zeitweise den deutschen\nMilitarismus bes\u00e4nftigen und sorgte vor allem f\u00fcr soziale Rechte f\u00fcr eine\nMehrheit der Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch in Nowawes hatte der Erste Weltkrieg katastrophale Folgen f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung und die Gemeinde Nowawes. Innerhalb dieser vier Jahre starben 783 M\u00e4nner auf den Schlachtfeldern. \u201eW\u00e4hrend in Firmen, wie Orenstein &amp; Koppel (O&amp;K) und Wollmersh\u00e4user &amp; Gurth, die R\u00fcstungsg\u00fcter produzierten, die Produktion florierte, kam es in den Webereien, die vor allem \u00fcberseeische Rohstoffe verarbeiteten, zu Massenentlassungen.\u201c (1) Einige Fabriken h\u00f6rten ganz auf zu produzieren, andere verringerten drastisch ihre Mitarbeiter*innen. Die soziale Lage war dramatisch, es herrschten Armut und Hunger im Jahr 1918.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend des Krieges, besonders jedoch in den letzten beiden Kriegsjahren, kam es zu stetigen Protesten und Demonstrationen, so auch in den gro\u00dfen Nowaweser Fabriken. Erw\u00e4hnt seien hier die Aprilstreiks des Jahres 1917, vor allem bei Orenstein &amp; Koppel, in der Schuhfabrik Haase und Ru\u00df, bei der Deutschen Jutespinnerei und in der Norddeutschen Kammgarnspinnerei. Am 16.04.1917 zogen 1000 Personen durch die Nowaweser Stra\u00dfen. Im Zuge der Oktoberrevolution nahmen die politischen Proteste noch einmal an Fahrt auf und im Dezember 1917 sowie im Januar 1918 gab es weitere vielf\u00e4ltige Aktionen, Demonstrationen und Streiks. Aufgrund der prek\u00e4ren wirtschaftlichen, politischen und sozialen Lage war der N\u00e4hrboden f\u00fcr die Novemberrevolution 1918 vielerorts geschaffen. Die Forderungen waren nun von politischer Natur. (2)<\/p>\n\n\n\n<p>Ein erstes Heranf\u00fchren an die revolution\u00e4re Programmatik\nerf\u00fcllte der Spartakusbund, dessen in Berlin produzierte Schriften und Texte\nauch in den Fabriken von Nowawes verteilt wurden. Der innerdeutsche Bruch der\nSozialdemokratie, gerade wegen der Unterst\u00fctzung der SPD f\u00fcr den Krieg, sorgte\nauch f\u00fcr die Gr\u00fcndung einer USPD-Gruppe in Nowawes. In ihr fanden sich vor\nallem Kriegsgegner und jene Personen, die nichts mit der \u201ealten\nSozialdemokratie\u201c am Hut haben wollten. In Nowawes war dies sogar die Mehrheit\nder Sozialdemokraten. Trotzdem sei darauf hingewiesen, dass auch die USPD sehr\ndifferenziert zu betrachten war. Zwar schloss sich die oppositionelle\nSpartakus-Gruppe der USPD an, behielt aber ihre Autonomie und trat 1918 wieder\naus. (2) Aus ihr sollte schlie\u00dflich die zuk\u00fcnftige Kommunistische Partei\nentstehen. F\u00fcr Nowawes ist allerdings nicht ganz klar, wann eine Gruppe des\nSpartakusbundes gegr\u00fcndet wurde. Hierzu gibt es unterschiedliche Angaben (eine Gruppe\ndes Spartakusbundes bestand wohl schon seit 1917 bei O&amp;K unter F\u00fchrung von\nAlbert Richter, Christian Seidel, Hermann Dummer und Hans Wittke). (3)<\/p>\n\n\n\n<p>Ebenfalls nicht ganz eindeutig sind die Ereignisse in der\nNacht vom 09.11.1918 zum 10.11.1918. Hier gibt es unterschiedliche Quellen zur\nBildung eines Arbeiter- und Soldatenrates. Geschah dies schon am Abend des\n09.11., wie in einigen Quellen nachzulesen ist, oder erfolgte die\nKonstituierung im Rathaus Nowawes, nach dem am Abend die Besetzung und das\nHissen der roten Fahne erfolgte, erst am Folgetag? Klar scheint, dass bei\nOrenstein &amp; Koppel am dem Vormittag des 09.11.1918 gestreikt wurde, dort\nbereits revolution\u00e4re Arbeiteraussch\u00fcsse gebildet wurden und dass sich\nschlie\u00dflich am Nachmittag die USPD-Genossen in ihrem damaligen Lokal Hiemke\ntrafen, um die Meldungen aus Berlin abzuwarten. Am Abend trafen dann einige\nPersonen aus Berlin wieder in Nowawes ein. Wie der unten angef\u00fcgten Chronik zu\nentnehmen ist, bildete sich ein Demonstrationszug, besetzte man daraus das\nRathaus, wurde die Gemeindekasse bewacht und in der Nacht Streifen gelaufen.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 10.11.1918 konstituierte sich dann der Arbeiter- und Soldatenrat, der aus folgenden Personen bestand: Paul und Arno Neumann, Karl D\u00fcrre, Franz G\u00fcth, Josef Chzelig, Paul Wolter, Emil Treptow (alle USPD) und Max Singer sowie Wilhelm Schulz (SPD). In den Soldatenrat wurde laut Robert Jahn unter anderem ein Wachtmeister der Gelben Ulanen aus Potsdam gew\u00e4hlt, die den Nowaweser Revolution\u00e4ren milit\u00e4rische Unterst\u00fctzung geben sollten. W\u00e4hrend die Streifen in jener Nacht noch je aus vier sozialdemokratischen Genossen und einem Soldaten bestanden, war der Nowaweser Rat mehrheitlich von Arbeitern gepr\u00e4gt, in der auch der F\u00fchrungsanspruch der USPD zur Geltung kam. Besonders besch\u00e4ftigte sich der Nowaweser Arbeiter- und Soldatenrat mit der sozialen Frage, der B\u00fcrgermeister Winkelmann wurde abgesetzt und eine rote Sicherheitswehr aufgestellt.<\/p>\n\n\n\n<p>(1) P\u00fcschel, Almuth: Neuendorf-Nowawes-Babelsberg, 2000, S. 66<\/p>\n\n\n\n<p>(2) G\u00f6tzmann, Jutta, Nitz, Wenke: Umk\u00e4mpfte Wege der Moderne, 2019, S. 51<\/p>\n\n\n\n<p>(3) Krause, Hartfried: USPD \u2013 Zur Geschichte der USPD, 1975, S. 112<\/p>\n\n\n\n<p>  <\/p>\n\n\n<p><!--EndFragment--><strong>Chronik:<\/strong> <\/p>\n\n\n<p><strong>09.11.1918<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\">8 Uhr: <em>12 Genossen verteilen ab 8 Uhr Flugbl\u00e4tter bei Orenstein &amp; Koppel, die Flugbl\u00e4tter informieren \u00fcber die revolution\u00e4ren Ereignisse in Kiel, Hamburg und anderen St\u00e4dten<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Vormittag: <em>Diskussionen ob es zum Streik kommen soll, eine Reihe von SPD-F\u00fchrern sprachen sich gegen jede revolution\u00e4re Handlung aus, \u201eRuhe bewahren, keine revolution\u00e4ren Handlungen gegen die Regierung, in der SPD-F\u00fchrer sitzen\u201c, au\u00dferdem revolution\u00e4re Obleute bei Orenstein &amp; Koppel anstatt der alten Arbeiteraussch\u00fcsse<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>11 Uhr: <em>Streik bei Orenstein &amp; Koppel, \u00fcberwiegende Mehrheit verl\u00e4sst den Betrieb, die anderen m\u00fcssen sich dem Schicksal beugen<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Unentschlossenheit am Nachmittag, was nun geschehen soll, viele Arbeiter*innen fahren nach Berlin, dem Aufruf folgend dort die revolution\u00e4ren Ereignisse zu unterst\u00fctzen und Direktiven der Parteif\u00fchrung zu holen<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Nachmittag: <em>USPD-Genossen treffen sich im Lokal Hiemke<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>20 Uhr: <em>Funktion\u00e4re der Partei, darunter die Genossen Karl D\u00fcrre, Paul und Arno Neumann, Emil Treptow, Oskar Reipert, Franz G\u00fcth u.a. kommen aus Berlin zur\u00fcck, es wird beschlossen das Rathaus zu besetzen, Kontakt zum bereits in Potsdam am Nachmittag gebildeten Arbeiter- und Soldatenrat, es wird milit\u00e4rische Unterst\u00fctzung angefordert<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4ter am Abend: <em>Von Potsdam kommt eine Gruppe der Gelben Garde-Ulanen unter F\u00fchrung eines Wachtmeisters aus Nowawes, die Gruppe wird von den Nowaweser Genossen (rund 15 Leute) am Bahnhof abgeholt, Marsch zum Rathaus Nowawes unter Mitnahme des alten Parteibanners und roter Fahnen, es beteiligen sich 50 bis 70 Demonstranten, Gendarmerie wird gegen\u00fcber des Rathauses Nowawes festgesetzt, sie ergriffen die Flucht als revolution\u00e4re Soldaten ihre Waffen klar machten, Besetzung des Rathauses, alle T\u00fcren waren auf und nur der Pf\u00f6rtner war anwesend, Bewachung der Gemeindekasse und Hissen der roten Fahne<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Nacht: <em>Durch gebildete Streifen (vier Genossen und ein Soldat) herrscht Ruhe in den Stra\u00dfen<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>10.11.1918<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>7 Uhr: <em>gegen\u00fcber dem Rathaus kommt es zum einzigen Vorfall w\u00e4hrend der revolution\u00e4ren Ereignisse, ein junger Leutnant in voller Uniform und mit Kriegsschmuck wird von Arbeitern angehalten und umringt, Beruhigung der Situation nachdem von ihm verlangt wird, dass Rangabzeichen und Orden entfernt<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Morgen: <em>Gendarmerie gegen\u00fcber des Rathauses \u00fcbergibt Waffen<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Im Laufe des Tages: <em>Bildung des Arbeiterrates in Nowawes im gro\u00dfen Saal der Gemeindevertretung&nbsp; im Rathaus<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Alle Daten zur Chronik wurden hieraus entnommen:<\/p>\n\n\n\n<p>Potsdamer Arbeiter erz\u00e4hlen 1918\/1919, SED Stadtleitung\nPotsdam, 1959<\/p>\n\n\n\n<p>Potsdam w\u00e4hrend der Novemberrevolution, SED Bezirksleitung Potsdam, 1973<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Jahre von 1918 bis 1923 waren in Deutschland die Zeit der revolution\u00e4ren K\u00e4mpfe. Der H\u00f6hepunkt war zweifelsohne die Novemberrevolution 1918\/1919. Urs\u00e4chlich f\u00fcr den Ausbruch der Novemberrevolution waren die Erlebnisse des Ersten Weltkrieges und die daraus resultierende soziale und politische Misslage im Land sowie in Europa. Wenn sie doch auch scheiterte, erreichte sie Gro\u00dfes. 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