{"id":1552,"date":"2020-12-02T09:35:34","date_gmt":"2020-12-02T07:35:34","guid":{"rendered":"http:\/\/rotes-nowawes.de\/?page_id=1552"},"modified":"2020-12-02T09:37:53","modified_gmt":"2020-12-02T07:37:53","slug":"die-bildung-einer-organisierten-arbeiterinnenklasse-in-nowawes","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/rotes-nowawes.de\/?page_id=1552","title":{"rendered":"Die Bildung einer organisierten Arbeiter*innenklasse in Nowawes"},"content":{"rendered":"\n<p>Bereits am Vorabend der M\u00e4rzrevolution von 1848\/49 bildeten sich im Zuge der Industrialisierung und der zunehmenden Verelendung der Nowaweser Weber*innen aufgrund des langsamen Voranschreitens der Krise in der Weberei \u2013 hunderte von Webst\u00fchlen waren bereits stillgelegt \u2013 erste Zirkel und Vereine der Arbeiter*innenklasse. Damit ging die Arbeiter*innenbewegung weit \u00fcber ihre ersten spontanen Erhebungen hinaus in Richtung auf eine organisierte Bewegung. <\/p>\n\n\n\n<p>Wie prek\u00e4r die soziale Situation in Nowawes war, zeigten die Notstandsarbeiten des preu\u00dfischen Staates im Jahr 1847 f\u00fcr die arbeitslosen Weber*innen, die beim Wegebau an den neuen Uferstra\u00dfen zwischen Baumgartenbr\u00fcck und Caputh, wo sie einen Tagelohn von 9 Groschen und eine warme Mahlzeit erhielten, eingesetzt wurden. (vgl. Potsdam \u2013 Geschichte der Stadt in Wort und Bild, S. 72). Doch auch diese Arbeiten endeten bald und die Nowaweser*innen zogen bettelnd durch die anliegenden D\u00f6rfer. Im Fr\u00fchjahr 1848 ereigneten sich sogar mehrere Aufz\u00fcge von Kindern aus Nowawes, die mit Schippe und Spaten vor dem Geb\u00e4ude der Potsdamer Regierung Arbeit forderten (vgl. Zur Geschichte der Stadt Potsdam von 1789 bis 1871, S. 38). Eine erste Suppenk\u00fcche richtete man in Nowawes ein, in der sich 80% der Einwohner*innen anmeldeten. (PNN <a href=\"https:\/\/www.pnn.de\/potsdam\/schwarz-rot-gold-ueber-schloss-sanssouci\/21600522.html\">https:\/\/www.pnn.de\/potsdam\/schwarz-rot-gold-ueber-schloss-sanssouci\/21600522.html<\/a>) <\/p>\n\n\n\n<p>Nowawes als Unruheherd war in den Fokus der Polizeibeh\u00f6rden geraten. Es gab sogar Vorschl\u00e4ge, die Nowaweser Bev\u00f6lkerung getrennt in anderen Orten anzusiedeln und den Zuzug zu verbieten. Das Problem der Arbeitslosigkeit und prek\u00e4ren sozialen Situation wurde f\u00fcr die Regierung so wichtig, dass sie im Juni 1848 einen Beamten bestimmten, der in Verhandlung mit Nowaweser Fabrikanten und potentiellen Abnehmern, zum Beispiel in Berlin, verhandelte. Dies gestaltete sich jedoch mehr als schwierig, so dass die Nowaweser*innen wieder f\u00fcr den Stra\u00dfenbau nach Rehbr\u00fccke, Drewitz und Gro\u00dfbeeren sowie f\u00fcr Streckenbauten der anstehenden Ostbahn in der Provinz Posen eingesetzt wurden. (vgl. Zur Geschichte der Stadt Potsdam von 1789 bis 1871, S. 42) <\/p>\n\n\n\n<p>Doch die fr\u00fchb\u00fcrgerliche Revolution war weder national noch lokal aufzuhalten. Trotz der Militarisierung von Potsdam, immerhin war Potsdam als Residenzstadt strategisch wichtig, bildeten sich die ersten Zusammenschl\u00fcsse von Gewerbetreibenden und Arbeiter*innen, in denen es unter anderem um die Vertretungsk\u00f6rperschaft f\u00fcr die Frankfurter Nationalversammlung ging. Im Zuge dessen entstand der \u201ePolitische Verein\u201c unter der F\u00fchrung von Max Dortu, der \u00fcber Potsdam auch auf die Umgebung hinaus strahlte. Deutschlandweit wurden in der Revolution erste Erfolge erzielt, wie beispielsweise die Aufhebung der Pressezensur oder die Befreiung der Bauern. Ab Mitte 1848 errangen zunehmend die reaktion\u00e4ren Kr\u00e4fte um K\u00f6nig Wilhelm IV. \u2013 bekannt auch durch seinen Ausspruch \u201eGegen Demokraten helfen nur Soldaten!\u201c \u2013 die Oberhand, die Revolution kam zum Stilstand. <\/p>\n\n\n\n<p>Wie widerspr\u00fcchlich die Situation trotzdem war, illustriert eine Zeichnung des Neuruppiner Bilderbogen Nr. 2068, in der \u00fcber die R\u00fcckkehr des nach London geflohenen Prinz von Preu\u00dfen berichtet wird. Dieser war wegen seiner Auffassung zur milit\u00e4rischen L\u00f6sung der Lage zwar gef\u00fcrchtet und bei Teilen der Bev\u00f6lkerung verhasst, doch zugleich findet sich der nachfolgende Bericht \u00fcber seinen Empfang in Nowawes: \u201eDer Empfang Sr. K. Hoheit des Prinzen von Preu\u00dfen hier in Nowawes bei Potsdam war eben so feierlich, wie herzlich. Troz [Wort im Original] des Sturmes der fr\u00fcheren Tage waren Ehrenpforten in gro\u00dfer Zahl gebaut, an deren erstere, die mit der deutschen und preu\u00dfischen Fahne und vielen Blumen geziert, der gr\u00f6\u00dfte Theil der Einwohnerschaft versammelt war. In geordneten Reihen stand die Schuljugend zu beiden Seiten des Weges, voran die wei\u00df gekleideten M\u00e4dchen mit vielen Kr\u00e4nzen, Str\u00e4u\u00dfen und Guirlanden. [&#8230;] Schon seit zwei Tagen wurde der Prinz von Preu\u00dfen erwartet. Auch hatte sich das Musikchor des ersten Garderegiments nach dem prinzlichen Schlosse auf den Babelsberg begeben, von dessen Zinnen herab die deutsche und die preu\u00dfische Flagge vereinigt wehten.\u201c&nbsp;(<a href=\"https:\/\/www.deutschlandundeuropa.de\/35_97\/revolut.pdf\">https:\/\/www.deutschlandundeuropa.de\/35_97\/revolut.pdf<\/a>)&nbsp;Auch wenn dieser Empfang und sicher auch der Bericht dar\u00fcber von Milit\u00e4r und Offizierskorps gesteuert war, zeigt sich hieran deutlich das Auf und Ab zwischen Revolution und Konterrevolution. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/rotes-nowawes.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Die-Organisierung-der-Arbeiterklasse-in-Nowawes.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1553\" width=\"394\" height=\"333\" srcset=\"https:\/\/rotes-nowawes.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Die-Organisierung-der-Arbeiterklasse-in-Nowawes.jpg 394w, https:\/\/rotes-nowawes.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Die-Organisierung-der-Arbeiterklasse-in-Nowawes-300x254.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 394px) 100vw, 394px\" \/><figcaption>Quelle: Heft, S. 30 Neuruppiner Bilderbogen Nr. 2068&nbsp;sowie Berlin, Landesarchiv 1184a, \u00a9 Bildarchiv preu\u00dfischer Kulturbesitz 1997<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Ein letztes Aufb\u00e4umen in Potsdam und Nowawes gab es am 12. November 1848, als mutige Demokrat*innen unter der F\u00fchrung von Max Dortu die Eisenbahnschienen zwischen Potsdam und Nowawes aufrissen und Telegraphenverbindungen zerst\u00f6rten. Damit sollten eine weitere Truppenverlegung von Potsdam in das aufr\u00fchrerische Berlin und die Kommunikation zwischen beiden St\u00e4dten werden. Dortu floh, Repression herrschte und die Revolution war zwar gescheitert, doch der Boden f\u00fcr eine weitere Politisierung der Bev\u00f6lkerung geschaffen. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Gr\u00fcndung von politischen Vereinen mit sozialpolitischen Zielsetzungen, manchmal gepr\u00e4gt durch die jeweiligen Berufsst\u00e4nde in den Arbeitervereinen, durchlief eine Neukonstituierung in den fr\u00fchen 1860er Jahren. \u201eUnter Einbeziehung der Kaderorganisation des Bundes der Kommunisten kann man daher von einer zweifachen doppelpoligen Konstituierung sprechen: 1847\/48-1862\/63 bzw. BdK\/AdAV Allgemeiner Deutscher Arbeiterverein (= ADAV\/Vereinstag deutscher Arbeitervereine (= VDAV).\u201c (vgl. Die regionale Ausbreitung der fr\u00fchen deutschen Arbeiterbewegung 1848\/49-1860\/64, S. 418) Eine Ortsgruppe des 1863 in Leipzig unter ma\u00dfgeblichem Einfluss des Schriftstellers und Politikers Ferdinand Lassalle gegr\u00fcndeten ADAV bildete sich in Nowawes im September 1869. Auf der Gr\u00fcndungsversammlung, an der vor allem Textilarbeiter*innen und Hausweber*innen teilnahmen, wurden Versuche, die gem\u00e4\u00dfigt-liberalen Auffassungen von Franz Hermann Schulze-Delitzsch (Begr\u00fcnder des deutschen Genossenschaftswesens) und der Hirsch-Dunckerschen Gewerksvereine (Vertretung fast ausschlie\u00dflich \u00f6konomischer Interessen der Arbeiter) zu verbreiten und die Anwesenden vom Eintritt in den ADAV abzuhalten, abgewehrt. (vgl. 1000 Jahre Potsdam Teil II, S. 121) <\/p>\n\n\n\n<p>In Potsdam erfolgte die Bildung einer ADAV-Ortsgruppe erst Ende des Jahres 1872. Zu diesem Zeitpunkt jedoch hatte sich die Nowaweser Organisation allerdings wegen latenter innerer Zwistigkeiten und wegen des Drucks der reaktion\u00e4r-konservativen preu\u00dfischen Staatsorgane wieder aufgel\u00f6st. (vgl. 1000 Jahre Potsdam Teil II, S. 121) Es ist davon auszugehen, dass sich bei der Aufl\u00f6sung der Konflikt in der zentralen Leitung des ADAV widerspiegelte. Fortschrittliche Kr\u00e4fte der Arbeiter*innenorganisierung gr\u00fcndeten Anfang August 1869 in Eisenach unter der anerkannten F\u00fchrung von August Bebel und Wilhelm Liebknecht die von Karl Marx und Friedrich Engels beeinflusste \u201eSozialdemokratische Arbeiterpartei\u201c (SDAP). Sie entstand damit als Gegenorganisation zum ADAV. 1871 entstand in Nowawes ein Ortsverein der SDAP, sein Vorsitzender war ein gewisser F. L. Resch. (vgl. 1000 Jahre Potsdam Teil II, S. 123) <\/p>\n\n\n\n<p>Seit den 1860er und 1870er Jahren entstanden in Nowawes gro\u00dfe Manufakturen und damit bildete sich eine Arbeiter*innenklasse heraus, die sich wesentlich von den Weber*innen der Hauswebst\u00fchle unterschied. M\u00f6glich wurden der Zuzug und die weitere industrielle Entwicklung durch die Aufhebung des Verbotes zum Errichten von mehrst\u00f6ckigen Wohnh\u00e4usern und Fabriken (vgl. Potsdam \u2013 Geschichte der Stadt in Wort und Bild, S. 79). Nach einigen Auseinandersetzungen, ADAV-Mitglieder aus Potsdam hatten am 11. Oktober 1873 sogar versucht, eine Versammlung der Nowaweser SDAP-Ortsgruppe zu sprengen, kam es wieder zu Ann\u00e4herungen beider Organisationen. \u201eAuf einer gemeinsamen Versammlung der Lassalleaner und Eisenacher am 14. Februar 1875 in Nowawes beschlossen die Anwesenden, alle 14 Tage eine gemeinsame Veranstaltung abzuhalten. Fritz Haburg begr\u00fcndete das u.a. damit, dass ja alle Anwesenden Sozialisten w\u00e4ren, gleich welcher Arbeiterpartei sie angeh\u00f6ren w\u00fcrden.\u201c (vgl. 1000 Jahre Potsdam Teil II, S. 131) <\/p>\n\n\n\n<p>Als sich SDAP und ADAV im Mai 1875 in Gotha zur \u201eSozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands\u201c (SAPD) vereinigte, wurde die Nowaweser SDAP-Gruppe, die 30 Mitglieder z\u00e4hlte, durch Karl Finn aus Berlin vertreten. (vgl. 1000 Jahre Potsdam Teil II, S. 132) Der zunehmenden Organisierung der Arbeiter*innenbewegung wusste sich die herrschende Politik nur durchzunehmende Verbote zu wehren. Bereits am 29. Mai 1874 war der Arbeiterverein aus Nowawes verboten worden. (vgl. Potsdam \u2013 Geschichte der Stadt in Wort und Bild, S. 86) Im M\u00e4rz 1875 wurde in Preu\u00dfen der ADAV und im M\u00e4rz 1876 die SDAP verboten. Initiiert wurde dieses scharfe Vorgehen gegen Sozialdemokraten und Gewerkschafter durch den Berliner Staatsanwalt Hermann Tessendorf. Diese nach 1874 einsetzende Verfolgungswelle wird zudem als \u00c4ra Tessendorf bezeichnet. Fabrikanten mussten politisch t\u00e4tige Arbeiter*innen entlassen und Gastwirte mussten sich verpflichten, keine Versammlungen der Sozialdemokratie durchzuf\u00fchren oder sozialdemokratische Borsch\u00fcren oder Zeitungen auszulegen. <\/p>\n\n\n\n<p>Nach zweij\u00e4hriger illegaler Arbeit gr\u00fcndeten Sozialdemokraten am 16. Februar 1878 im Reichstagswahlkreis Teltow-Beeskow-Storkow-Charlottenburg, zu dem auch Nowawes geh\u00f6rte, einen \u201eAgitationsverein\u201c. In ihm arbeitete federf\u00fchrend auch der Nowaweser Tapezierer Broseit mit. (vgl. 1000 Jahre Potsdam Teil II, S. 133) Noch konnten einige Versammlungen durchgef\u00fchrt werden, doch im Herbst 1878 trat das Bismarcksche Sozialistengesetz in Kraft, welches ma\u00dfgeblich im Schloss Babelsberg entstand und bis 1890 galt. Im Paragraf 1 dieses Gesetzes hie\u00df es \u201eVereine, welche durch sozialdemokratische, sozialistische oder kommunistische Bestrebungen den Umsturz der bestehenden Staats- oder Gesellschaftsordnung bezwecken, sind zu verbieten\u201c. Alle politischen Organisationen der Arbeiter*innenbewegung sowie ihre Presse wurden verboten. <\/p>\n\n\n\n<p>Doch die Welle der Organisierung der Arbeiter*innen konnte nicht mehr r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht werden. Man organisierte sich zunehmend vom Untergrund aus. Die arbeitenden und politisch t\u00e4tigen Nowaweser*innen beispielsweise boykottierten die Lokale, in denen die Gastwirte ihnen ihre Bet\u00e4tigung verweigert hatten. Die im Exil erscheinende Zeitung \u201eDer Socialdemokrat\u201c, Hauptorgan der Sozialdemokratie w\u00e4hrend des Sozialistengesetzes, wurde in Nowawes verteilt, zwischen 67 und 100 Exemplare erhielt die illegale Nowaweser SAPD-Organisation durch Paketsendungen, die schlie\u00dflich auch in Potsdam verteilt wurden. (vgl. Potsdam \u2013 Geschichte der Stadt in Wort und Bild, S. 87) Auch in Potsdam und in Nowawes entstanden Tarnorganisationen, wie es zu dieser Zeit \u00fcblich war. Sie organisierten sich in Raucherclubs, Lesevereinen oder bei den Naturfreunden. <\/p>\n\n\n\n<p>Nach der Maifeier im Jahr 1890, wenige Monate vor dem Fall des Sozialistengesetzes, bildete sich im Lokal der Witwe Simon der erste Arbeiterchor, der sich \u201eArbeiter-Maibund\u201c nannte. Er war einer jener illegal politisch t\u00e4tigen Vereine. Die Polizei bekam Wind von dem Verein, versucht die Proben zu \u00fcberwachen und die Wirte erhielten Strafmandate bei der Bereitstellung von R\u00e4umlichkeiten. Karl Gruhl stellte daraufhin als Dirigent seine Wohnung f\u00fcr die Proben zur Verf\u00fcgung. Doch dies ging auch nicht lange gut und sie kehrten wieder in ein Lokal zur\u00fcck, wo sie schlie\u00dflich unter Anwesenheit eines Polizisten proben mussten. Unbemerkt von dem Polizisten verteilten die Arbeiterfrauen heimlich Flugbl\u00e4tter an die G\u00e4ste des Lokals, w\u00e4hrend die M\u00e4nner sangen. (vgl. BNN vom 29.04.1983) <\/p>\n\n\n\n<p>Da in den deutschen Reichstag damals nicht Parteien, sondern Personen gew\u00e4hlt wurden, verblieb der Sozialdemokratie als einzig legale Arbeitsm\u00f6glichkeit das Parlament. In den Reichstagswahlen von 1881 gingen linksliberalen Parteien als die gr\u00f6\u00dften Gewinner hervor. Aber trotz erheblicher Behinderungen durch die Sozialistengesetze errangen Sozialdemokraten Mandatsgewinne und verbesserten in den folgenden Reichstagswahlen ihre Stimmenanteile (1871 im Wahlkreis Teltow-Beeskow-Storkow nicht angetreten, 1874: 1453 Stimmen f\u00fcr Sozialdemokratie und 13% Stimmanteil insgesamt, 1877: 2608 Stimmen mit Anteil von 16.17%, 1878: 4763 Stimmen mit 19,57% Gesamtanteil, 1881: 1265 Stimmen mit 4,55% Gesamtanteil, 1884: 4543 Stimmen mit 14,96% Gesamtanteil, 1887: 8668 Stimmen mit 20,64% Gesamtanteil sowie 1890 in der Stichwahl 22.839 Stimmen mit 44,10% Gesamtanteil). (vgl. Die sozialen und politischen Verh\u00e4ltnisse in der Provinz Brandenburg von 1871 \u2013 1917, S. 66ff.) <\/p>\n\n\n\n<p>Zwar versuchte der deutsche Reichskanzler Otto von Bismarck mit Blick auf die Not der Arbeiter*innen und der politischen Sprengkraft der sozialen Gegens\u00e4tze mittels einer fortschrittlichen Sozialgesetzgebung der sozialistischen Bewegung den N\u00e4hrboden zu entziehen, doch deren Organisierung war so weit fortgeschritten, dass die Sozialdemokraten reichsweit bei den Wahlen im Jahr 1890 die st\u00e4rkste Partei wurden. Bei den Reichstagswahlen im Jahr 1893, die der Sozialdemokrat Fritz Zubeil im Wahlkreis Teltow-Beeskow-Storkow-Charlottenburg in der Stichwahl erstmals gewinnen konnte, waren die Nowaweser stark daran beteiligt. Hier stimmten \u00fcber 73 Prozent f\u00fcr den Sozialdemokraten. (vgl. Potsdam \u2013 Geschichte der Stadt in Wort und Bild, S. 89) In der Folge entstanden immer mehr Vereine der Arbeiter*innenhilfe und Arbeiter*innenorganisation und bildeten somit den Grundstein f\u00fcr das Rote Nowawes. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Quellen: <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>B\u00fccher<\/em>:<\/p>\n\n\n\n<p>Potsdam \u2013 Geschichte der Stadt in Wort und Bild, Berlin 1986 <\/p>\n\n\n\n<p>Zur Geschichte der Stadt Potsdam von 1789 bis 1871, Potsdam 1968 <\/p>\n\n\n\n<p>Die regionale Ausbreitung der fr\u00fchen deutschen Arbeiterbewegung 1848\/49-1860\/64, In: Geschichte und Gesellschaft 13, 1987 G\u00f6ttingen <\/p>\n\n\n\n<p>1000 Jahre Potsdam, Bl\u00e4tter aus der Stadtgeschichte Teil II, Potsdam 1989 <\/p>\n\n\n\n<p>Die sozialen und politischen Verh\u00e4ltnisse in der Provinz Brandenburg von 1871 \u2013 1917, Beiheft, Potsdam 1968 <\/p>\n\n\n\n<p><em>Zeitungsartikel: <\/em><\/p>\n\n\n\n<p>BNN vom 29.04.1983, H. Wisanowsky, Aus der Stadtgeschichte: \u201eMaibund\u201c \u2013 Ein Arbeiterchor <\/p>\n\n\n\n<p>PNN https:\/\/www.pnn.de\/potsdam\/schwarz-rot-gold-ueber-schloss-sanssouci\/21600522.html <\/p>\n\n\n\n<p><em>Heft:<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Deutschland und Europa Nr. 35, 1997: https:\/\/www.deutschlandundeuropa.de\/35_97\/revolut.pdf<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bereits am Vorabend der M\u00e4rzrevolution von 1848\/49 bildeten sich im Zuge der Industrialisierung und der zunehmenden Verelendung der Nowaweser Weber*innen aufgrund des langsamen Voranschreitens der Krise in der Weberei \u2013 hunderte von Webst\u00fchlen waren bereits stillgelegt \u2013 erste Zirkel und Vereine der Arbeiter*innenklasse. 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