{"id":1637,"date":"2021-04-18T13:09:49","date_gmt":"2021-04-18T11:09:49","guid":{"rendered":"https:\/\/rotes-nowawes.de\/?page_id=1637"},"modified":"2021-04-20T06:42:13","modified_gmt":"2021-04-20T04:42:13","slug":"das-fruehjahr-1921-geburtsstunde-der-roten-hilfe","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/rotes-nowawes.de\/?page_id=1637","title":{"rendered":"Das Fr\u00fchjahr 1921: Geburtsstunde der Roten Hilfe"},"content":{"rendered":"\n<p>Im April 1921 entstanden als Folge der politischen Repression nach den M\u00e4rzk\u00e4mpfen in Mitteldeutschland auf Beschluss der KPD die sogeannten Rote-Hilfe-Komitees. Ende des Jahres entstand in Berlin ein Zentralkomitee. Generell gab es bereits vorher die \u00dcberlegungen, ein proletarisches Rotes Kreuz zu schaffen. Das KPD-Verbot im November 1923 beinhaltete auch das Verbot der Roten Hilfe. Im Oktober 1924 gr\u00fcndete sich dann die \u201eRote Hilfe Deutschlands\u201c (RHD) als unabh\u00e4ngige und \u00fcbergreifende Solidarit\u00e4tsorganisation, ihre erste Reichstagung fand im Mai 1925 statt. Hier wurde unter anderem das Statut abgesegent. Ab 1925 erschien \u201eDer Rote Helfer\u201c, 1929 durch die Zeitung Tribunal abgel\u00f6st, als \u00fcberregionales Blatt. In den Bl\u00e4ttern gab es Nachrichten \u00fcber die Organisation, Themen der internationalen Solidarit\u00e4t, Kampagnen und Informationen aus den Bezirken bestimmten den Inhalt.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Folgenden werden wir etwas \u00fcber den organisatorischen Aufbau und die T\u00e4tigkeiten erfahren, die sowohl im \u201eRoten Helfer\u201c als auch im regionalen Mitteilungsblatt \u201eKlassenjustiz\u201c abgedruckt worden sind und die einen kleinen Ausschnitt aus dem politischen Leben Mitte bis Ende der 1920 Jahre in Berlin-Brandenburg und Nowawes bieten. Erw\u00e4hnt sei noch die kleine und auf Schreibmaschine herausgebrachte Zeitschrift der KPD Nowawes mit dem Namen \u201eRoter Pionier\u201c, die in ihren Ausgaben Anfang der 1930er Jahre regelm\u00e4\u00dfig Werbung f\u00fcr die Rote Hilfe abdruckte und unter anderem Dampferfahrten im Rahmen eines Solidarit\u00e4tstages der Roten Hilfe zu den G\u00f6tzer Bergen bewarb. Aus den bereits erw\u00e4hnten Quellen versuchen wir ein Bild der Roten Hilfe Deutschland und seiner Ortsgruppe Nowawes zu zeichnen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Zwar wurde die lokale Arbeit der Roten Hilfe sehr gesch\u00e4tzt und es gab bemerkenswerte Geldsammlungen in den armen proletarischen Kreisen, doch im ersten Mitteilungsblatt \u201eKlassenjustiz\u201c der Roten Hilfe f\u00fcr Berlin-Brandenburg wurde der schleppende organisatorische Aufbau kritisiert. Demzufolge ver\u00f6ffentlichte man einen Aufruf und eine Organisationsstruktur. \u00dcbergeordnet war der Aufbau der Ortsgruppen der Roten Hilfe durch regionale Gliederungen, den Bezirken. Festgehalten wurde dies auf dem Reichskongress der Roten Hilfe Deutschland. F\u00fcr Berlin und Brandenburg gab es den gleichnamigen Rote Hilfe Bezirk Berlin-Brandenburg mit einem eigenen Bezirksvorstand. Eine erste Bezirkskonferenz fand am 20. September 1925 in Berlin statt. Ortsgruppen mit bis zu 100 Mitgliedern konnten einen Delegierten abstellen. Mit der \u201eKlassenjustiz\u201c erschien mehrmals im Jahr ein vierseitiger Rundbrief.<\/p>\n\n\n\n<p>In der \u201eKlassenjustiz\u201c Nummer 1 des 1. Jahrgangs aus dem Jahr 1925, also dem allerersten Exemplar des Mitteilungsblattes der Roten Hilfe Berlin-Brandenburg, wurde folgende Organisation der Roten Hilfe auf lokaler Ebene angeregt:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e1. Die Rote-Hilfe-Mitglieder schlie\u00dfen sich in ihren Arbeitsst\u00e4tten, Gewerkschaften, Vereinen oder Wohnbezirken zu Rote-Hilfe-Zellen zusammen, um die Aufgaben der RH gemeinsam zu propagieren und durchzuf\u00fchren, sowie st\u00e4ndig neue Mitglieder zu werben. Jede Zelle w\u00e4hlt in einer Zellenversammlung einen Zellenobmann oder einen Zellenvorstand. Obm\u00e4nner und Vorstandsmitglieder k\u00f6nnen durch Mehrheitsbeschluss der Zellenversammlung jederzeit zur\u00fcckgerufen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>2. Die Zellenobm\u00e4nner und Zellenvorst\u00e4nde eines Ortes und in Berlin eines Verwaltungsbezirkes bilden zusammen den \u00f6rtlichen Funktion\u00e4rsk\u00f6rper der Roten Hilfe.<\/p>\n\n\n\n<p>3. Die Mitglieder aller Zellen eines Ortes und in Berlin eines Verwaltungsbezirkes bilden zusammen die Ortsgruppe der Roten Hilfe Deutschlands und w\u00e4hlen in einer allgemeinen Mitgliederversammlung den Ortsvorstand und die Revisionskommission.<\/p>\n\n\n\n<p>(\u2026)<\/p>\n\n\n\n<p>5. Der Ortsvorstand setzt sich aus drei bis sieben Mitgliedern zusammen und f\u00fchrt unter sich eine Arbeitsteilung nach folgenden Grunds\u00e4tzen:<\/p>\n\n\n\n<p>a) Leitung,<\/p>\n\n\n\n<p>b) Kasse,<\/p>\n\n\n\n<p>c) Literatur und Presse,<\/p>\n\n\n\n<p>d) Rechtsschutz,<\/p>\n\n\n\n<p>e) Gefangenenf\u00fcrsorge,<\/p>\n\n\n\n<p>f) Frauen- und Kinderf\u00fcrsorge,<\/p>\n\n\n\n<p>g) Archiv.<\/p>\n\n\n\n<p>(\u2026)\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Auszug zeigt exemplarisch die Organisationsstruktur und Aufgabenfelder der Roten Hilfe, die zu jener Zeit nicht nur in der klassischen Rechtsschutz- und Gefangenenbetreuung lagen, sondern durchaus einen sozialen Charakter hatten. Weiterhin waren die Arbeit und das Leben der Roten Hilfe gepr\u00e4gt durch Solidarit\u00e4t, vor allem auch mit dem europ\u00e4ischen Ausland. Die Revisionskommission war das Kontrollorgan der Ortsgruppe und pr\u00fcfte die Kassen, Einnahmen und Ausgaben und musste auf den Monatsversammlungen Bericht erstatten. Einen Schwerpunkt bildeten Kampagnen zu Amnestie, Repression und den politischen Gefangenen. Auch die Familienmitglieder von inhaftierten Genossen wurden betreut und finanziell unterst\u00fctzt. Dies waren vor allem Nahrungsmittellieferungen (zum Beispiel Kartoffeln oder R\u00fcben) und die Versorgung mit Heizmaterial wie Kohlen. Hinzu kamen spezielle Weihnachts- und Winterhilfen sowie Kleiderspenden.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einer Aufstellung der Roten Hilfe gab es im Mai 1925 in der Region 291 Genossen und Genossinnen, die aus politischen Gr\u00fcnden angeklagt wurden. Zahlreiche Haussuchungen und Verhaftungen folgten. In den Berlin-Brandenburger Gef\u00e4ngnissen und Zuchth\u00e4usern sa\u00dfen im Mai in neun, wo eine Aufstellung vorhanden war, 336 Gefangene ein. Insgesamt m\u00fcssen es also rund 500 bis 600 gewesen sein, so die Vermutung der Roten Hilfe. Ihre Unterst\u00fctzung bzw. Freilassung war eine der Hauptaufgaben der Roten Hilfe, die ihren Feind in der Klassenjustiz sahen. Weiter wurden Unterschriften gesammelt, Betriebsdelegationen politisiert, Kundgebungen und Demonstrationen veranstaltet.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Oktober 1926, also ein Jahr nach den Anstrengungen des Aufbaus im RH Bezirk Berlin-Brandenburg und im Aufruf der ersten Ausgabe der \u201eKlassenjustiz\u201c erfolgte in der Nummer 1 des 3. Jahrgangs (Januar 1927) eine Aufstellung des Mitgliederbestandes und der Einnahmen der Ortsgruppen. <strong>F\u00fcr Nowawes wurde die Mitgliederzahl von 239 angegeben.<\/strong> Ein beachtlicher und der h\u00f6chste Wert im Vergleich zu den anderen, wenn auch l\u00e4ndlich gepr\u00e4gten Orten, in der Region. Nicht unerw\u00e4hnt bleiben sollen die 23 Mitglieder in Alt-Drewitz sein. An finanziellen Ressourcen wurden 1,40 Mark an Eintrittsgeld aufgeschl\u00fcsselt, 89,90 Mark an Beitragsmarken sowie 16,10 Mark an Literatur. Sammlungen hat es scheinbar nicht gegeben, erst einen Monat sp\u00e4ter wird in der Abrechnung eine Summe von 13,31 Mark f\u00fcr Sammlungen beziffert. Im Vergleich dazu hatte Potsdam 115 Mitglieder mit einem Kassenbestand von insgesamt 73,50 Mark.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die 3. Bezirkskonferenz der Roten Hilfe Berlin-Brandenburg-Lausitz, wie sich der Bezirksvorstand mittlerweile nannte und die am 24. April 1927 stattfinden sollte, schrammte <strong>Nowawes mit 248 Mitgliedern<\/strong> knapp an der m\u00f6glichen Entsendung von drei Delegierten vorbei, f\u00fcr die 251 notwendig gewesen w\u00e4ren. Trotzdem wurde der organisatorische Aufbau der lokalen Strukturen gelobt: \u201eDie 3. Bezirkskonferenz der RHD (Berlin-Brandenburg-Lausitz) stellt mit Befriedigung fest, dass die Organisation im letzten Jahre in organisatorischer und politischer Beziehung unzweifelhafte Erfolge erzielt hat. Die RHD hat in breiten Schichten des Proletariats Anerkennung als \u00fcberparteiliche, proletarische Klassenorganisation gefunden. Die starke Mitgliederzunahme, vor allem aus Schichten der parteilosen sowie sozialdemokratischer und republikanischer Arbeiter, sind ein Beweis daf\u00fcr.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Und tats\u00e4chlich wurde nicht nur lokal und regional die Struktur der Roten Hilfe ausgebaut, sondern auch der 2. Reichskongress im Mai 1927 formulierte diesen Aufschwung seit dem 1. Reichskongress, der 2 1\/2 Jahre zuvor stattfand.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Zuge des 2. Reichskongresses wurde innerhalb der Roten Hilfe Deutschlands zu einer Werbewoche vom 22. Mai bis zum 29. Mai 1927 aufgerufen. \u201eEs hei\u00dft daher f\u00fcr alle Roten Helferinnen und Roten Helfer: 1. In den Betrieben: Heran an die sozialdemokratischen Kollegen und Kolleginnen! (\u2026) 2. In den Wohnbezirken m\u00fcssen all diese und \u00e4hnliche Aufgaben durch unerm\u00fcdliche Hausagitation erf\u00fcllt werden. Dabei vergesse man nicht den eifrigen Vertrieb der RH-Brosch\u00fcren. Der \u201eRote Helfer\u201c geh\u00f6rt in jede Arbeiterwohnung. 3. Eifriger als bisher m\u00fcssen unsere Genossinnen und Genossen in den Arbeiterorganisationen (Gewerkschaften, Freidenker, Arbeitersport- und Gesang- und sonstigen Vereinen) daf\u00fcr sorgen, dass ihre Organisation der Roten Hilfe als Kollektivmitglied beitritt. Daneben darf in diesen Organisationen das Werben von Einzelmitgliedern nicht vergessen werden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Gab es im <strong>Januar 1927 in Nowawes 261 registrierte Mitglieder<\/strong>, so erscheinen in der Statistik jedoch f\u00fcr das II. Quartal 1927 nur noch 255 Mitglieder f\u00fcr Nowawes, in Potsdam jedoch erh\u00f6hte sich die Zahl der Mitglieder um 10 auf 132. Warum es in Nowawes kein Wachstum gab, kann nur spekuliert werden. Politische Grabenk\u00e4mpfe spielten auch in der Roten Hilfe (trotz der scheinbaren \u00dcberparteilichkeit) eine gro\u00dfe Rolle und in Nowawes gab es starke radikale Kr\u00e4fte, zum Beispiel aus dem anarchistischen Spektrum. Fakt ist, Wittenberge hatte Nowawes nun mit 272 zahlenden Personen in der Mitgliederzahl \u00fcberholt. Es folgten Pi\u0142a (Schneidem\u00fchl) mit 183, Brandenburg\/Havel mit 172 und Luckenwalde sowie Eberswalde mit je 162 Mitgliedern. Insgesamt bewegte sich die Mitgliederzahl der Roten Hilfe Deutschland bei 527.222 Mitgliedern, die in \u00fcber 1700 Ortsgruppen gef\u00fchrt wurden. Mit 78.315 Mitgliedern war der Bezirk Berlin-Brandenburg der weitaus gr\u00f6\u00dfte Bezirk, gefolgt vom Ruhrgebiet mit 41.642.<\/p>\n\n\n\n<p>Beispielhaft f\u00fcr die Aktivit\u00e4ten, die die Ortsgruppen der Roten Hilfe im Bezirk Berlin-Brandenburg vor allem im Bereich der Wohlfahrt organisierten, waren zum Beispiel die Aufrufe f\u00fcr Weihnachtshilfe bzw. Weihnachtsfeiern, die \u00e4hnlich wie Sonnenwendfeiern und andere Feste, einen antikapitalistischen bzw. klassenk\u00e4mpferischen Charakter haben sollten und nicht die kleinb\u00fcrgerliche Sentimentalit\u00e4t und keine spie\u00dferhafte Liedertafel widerspiegeln sollten. So wurde es nicht nur im \u201eRoten Helfer\u201c vom Dezember 1927 formuliert, sondern auch in der \u201eKlassenjustiz\u201c vom November 1927 gab es einen Aufruf zur Weihnachtshilfe unter dem Motto \u201eHelft den Nichtamnestierten! \u2013 Heraus zur Solidarit\u00e4tsarbeit\u201c. Der \u201eRote Helfer\u201c trug auch gleich ein Programm-Vorschlag f\u00fcr Weihnachtsfeiern vor:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e1. Rote Hilfe-Marsch.<\/p>\n\n\n\n<p>2. Wir klagen an! (Kindersprechchor.)<\/p>\n\n\n\n<p>3. Ansprache.<\/p>\n\n\n\n<p>4. Ansprache durch die Frau eines politischen Gefangenen.<\/p>\n\n\n\n<p>5. Lichtbildervortrag \u00fcber das Kinderheim.<\/p>\n\n\n\n<p>6. Bescherung.<\/p>\n\n\n\n<p>7. Gemeinsamer Gesang: Br\u00fcder zur Sonne, zur Freiheit.<\/p>\n\n\n\n<p>8. Kameradschaftliches Beisammensein.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Anbei berichten wir \u00fcber zwei Bespiele mit lokalem Bezug.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Beispiel aus der Zeitschrift Roter Helfer 4. Jahrgang, Nr. 4 April 1928:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIn Nowawes wurde eine Frau, die auf dem Wochenmarkt unsere Zeitung `Der Rote Helfer\u00b4 verkaufte, von der Polizei verhaftet und mit zur Wache genommen. Die Frau musste mehrere Stunden auf der Wache sitzen und nach Feststellung der Personalien und Beschlagnahme der noch in ihrem Besitz befindlichen 42 Zeitungen, wurde sie entlassen. Der Vorsitzende und Kassierer unserer Ortsgruppe gingen darauf am n\u00e4chsten Tage zur Polizeiwache, beschwerten sich \u00fcber die Verhaftung der Genossin und verlangten die sofortige Herausgabe der 42 `Roten Helfer\u00b4. Der Polizei-Kommissar gab sie dann auch heraus, erkl\u00e4rte aber unseren Genossen, dass der \u00f6ffentliche Verkauf der Zeitungen ohne Gewerbeschein verboten ist. (Dies ist falsch. Im Jahrgang 1927, Nr. 11 S. 12 und Nr. 2, S. 10 haben wir zwei gerichtliche Entscheidungen ver\u00f6ffentlicht, aus denen hervorgeht, dass zum Vertrieb der `Rote Helfer\u00b4 kein Gewerbeschein notwendig ist. Wir weisen bei dieser Gelegenheit nochmals unsere Kolporteure und \u201eRoten Helfer\u201d auf diese Artikel hin, die gr\u00fcndlich informieren. Die Schriftleitung.)<\/p>\n\n\n\n<p>Im Laufe des Gespr\u00e4chs sagte er auch, dass der Verkauf dieser Nummer des `Roten Helfers\u00b4 (Nr. 2 v. Februar) \u00fcberhaupt ohne polizeiliche Genehmigung eigentlich nicht stattfinden d\u00fcrfe, da in der Zeitung ein Preisausschreiben ver\u00f6ffentlicht ist. Jede Zeitung ist daher als Los f\u00fcr 10 Pfg. zu betrachten und solch eine Lotterie bedarf einer besonderen Genehmigung. Unsere Genossen lachten ihm darauf hin aus, und der Kommissar erkl\u00e4rte, dass sie noch weiteres dar\u00fcber h\u00f6ren werden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Beispiel aus Roter Helfer, 4. Jahrgang, Nr. 5 Mai 1928:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEine merkw\u00fcrdige Amnestie-Kundgebung. Am Sonnabend, den 31.M\u00e4rz 1928 hatte die Rote Hilfe in Rehbr\u00fccke eine Amnestie-Kundgebung einberufen, die im Saalbau am Bahnhof Rehbr\u00fccke stattfinden sollte; es war ein Lichtbild- Vortrag vorgesehen. In letzter Stunde verweigerte der Wirt jedoch den Saal, so dass die Sache zu scheitern drohte. Der RFB Nowawes, der inzwischen mit Kapelle anger\u00fcckt war, durchzog mit Musik die Stra\u00dfen von Rehbr\u00fccke und Bergfelde, wobei von den Genossen an die Einwohner flei\u00dfig Literatur und `Rote Helfer\u2018 vertrieben wurden. In Bergfelde vor einem kleinen Lokal, in dem unsere Genossen ihre Sitzungen abhalten, wurde Rast gemacht. Viele Einwohner waren gefolgt und standen nun dicht gedr\u00e4ngt vor dem viel zu kleinen Lokal, um alle fassen zu k\u00f6nnen. Flugs wurde aus dem Lokal ein Tisch geholt, der Apparat aufgestellt und an 2 Telegraphenmasten die Leinewand befestigt. Immer mehr Neugierige kamen, um dem sonderbaren Treiben zuzuschauen. Nachdem die Stromleitung zum Apparat verbunden war, leuchtete in riesigen Lettern in das Dunkel der Nacht der Titel des Lichtbildervortrages: \u201eZaristische Kerkergreuel\u201c. Nachdem ein Genosse der Kommunistischen Partei auf die Wichtigkeit der kommenden Wahlen hingewiesen und mit dem Appell, zum 20. Mai nur der Kommunistischen Partei die Stimme zu geben, geschlossen hatte, ergriff der Referent der Roten Hilfe das Wort. Mit Spannung verfolgten die Anwesenden den vor\u00fcberziehenden Bildern und die Ausf\u00fchrungen des Redners. Auch das herbeigeeilte Landj\u00e4gerkorps, das mit sehr gemischten Gef\u00fchlen dem sonderbaren auf der Stra\u00dfe zugeschaut hatte, reckte die H\u00e4lse, um sich auch ja kein Bild oder Wort entgehen zu lassen. (\u2026)\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Folgende Nowaweser Arbeiterinnen und Arbeiter sind uns bisher als Mitglieder der Roten Hilfe bekannt:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Walter Apelt<\/p>\n\n\n\n<p>Arthur Berkholz<\/p>\n\n\n\n<p>Friedrich Bosse<\/p>\n\n\n\n<p>Heinrich Byl<\/p>\n\n\n\n<p>Otto Deinert<\/p>\n\n\n\n<p>Georg D\u00fcrre<\/p>\n\n\n\n<p>Franz Guggenberger<\/p>\n\n\n\n<p>Walter Hartung<\/p>\n\n\n\n<p>Walter Klausch<\/p>\n\n\n\n<p>Alfred Kuhlow<\/p>\n\n\n\n<p>Walter Hafrung<\/p>\n\n\n\n<p>Alfred Lehnert<\/p>\n\n\n\n<p>Wally Lehnert<\/p>\n\n\n\n<p>Walter Lehnert<\/p>\n\n\n\n<p>Ernst L\u00fcdicke<\/p>\n\n\n\n<p>Walter Markwardt<\/p>\n\n\n\n<p>Anna M\u00fcller<\/p>\n\n\n\n<p>Gertrud M\u00fcller<\/p>\n\n\n\n<p>Ludwig Rott<\/p>\n\n\n\n<p>Elfriede Schneemann<\/p>\n\n\n\n<p>Alfred Schneider<\/p>\n\n\n\n<p>Erna Schuster<\/p>\n\n\n\n<p>Karl Seebergen<\/p>\n\n\n\n<p>Otto Thiele<\/p>\n\n\n\n<p>Kurt Vogel \u2013 Vorsitzender der Roten Hilfe Nowawes<\/p>\n\n\n\n<p>Hermann Waldhelm<\/p>\n\n\n\n<p>Gregor Westphal<\/p>\n\n\n\n<p>Heinz Wuttke<\/p>\n\n\n\n<p>Willy Zinnemann<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Quellen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Hans Litten Archiv<\/p>\n\n\n\n<p>Roter Pionier<\/p>\n\n\n\n<p>Schafft Rote Hilfe! \u2013 Geschichte und Aktivit\u00e4ten der proletarischen Hilfsorganisation f\u00fcr politische Gefangene in Deutschland (1919-1938), Bonn, 2003<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"777\" src=\"https:\/\/rotes-nowawes.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/RH-Nowawes-1024x777.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1641\" srcset=\"https:\/\/rotes-nowawes.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/RH-Nowawes-1024x777.jpg 1024w, https:\/\/rotes-nowawes.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/RH-Nowawes-300x228.jpg 300w, https:\/\/rotes-nowawes.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/RH-Nowawes-768x582.jpg 768w, https:\/\/rotes-nowawes.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/RH-Nowawes.jpg 1109w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im April 1921 entstanden als Folge der politischen Repression nach den M\u00e4rzk\u00e4mpfen in Mitteldeutschland auf Beschluss der KPD die sogeannten Rote-Hilfe-Komitees. 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