{"id":22,"date":"2019-05-07T16:07:32","date_gmt":"2019-05-07T16:07:32","guid":{"rendered":"http:\/\/rotes-nowawes.de\/?page_id=22"},"modified":"2020-08-19T20:17:33","modified_gmt":"2020-08-19T18:17:33","slug":"blog","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/rotes-nowawes.de\/","title":{"rendered":"Das Rote Nowawes"},"content":{"rendered":"\n<p>Der Ort Nowawes steht f\u00fcr eine Mitte des 18. Jahrhunderts gegr\u00fcndete Weberkolonie, in dem der preu\u00dfische K\u00f6nig Friedrich der II. b\u00f6hmische Weberfamilien in der N\u00e4he Potsdams f\u00fcr die Seidenherstellung und Textilindustrie ansiedeln wollte. Der Name \u201eNowawes\u201c ist daher slawischen Ursprungs f\u00fcr \u201eNov\u00e1 Ves\u201c und bedeutet zu Deutsch \u201eNeues Dorf\u201c. <\/p>\n\n\n\n<p>Schon zu den Zeiten der Weber*innen waren die Arbeits- und Lebensbedingungen schlecht und die Familien von sozialen Problemen wie Armut betroffen. Immer wieder kam es zu Weberaufst\u00e4nden. Mit der Industrialisierung entstanden gro\u00dfe Fabriken der Textilindustrie, die nach und nach die Hauswebst\u00fchle in den typischen Weberh\u00e4usern ersetzten. Der Begriff \u201eRotes Nowawes\u201c tauchte erstmals in der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts wegen der Aufm\u00fcpfigkeit seiner Bewohner*innen auf.  <\/p>\n\n\n\n<p>Der Niedergang der Textilindustrie in Nowawes sorgte f\u00fcr eine Transformation der Industrie, so dass sich ab 1899 vor allem der Maschinenbau mit der Lokomotivfabrik Orenstein &amp; Koppel als Zugpferd sowie die Metallindustrie, aber auch die chemische Industrie und Filmindustrie durchsetzen. Nowawes und Neuendorf, ein Angerdorf s\u00fcdlich von Nowawes, wuchsen stark, doch die sozialen Problemlagen versch\u00e4rften sich durch Wohnungsnot, Arbeitslosigkeit und fehlende soziale Infrastruktur. <\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem Entstehen der Fabriken in Nowawes und entlang der Gro\u00dfbeerenstra\u00dfe in Neuendorf bildete sich eine Arbeiter*innenklasse heraus und mit ihr eine starke politische Organisierung. Im Zuge des Ersten Weltkrieges, der Wirtschaftskrisen, der polarisierenden politischen Lage der Weimarer Republik sowie der N\u00e4he zur v\u00f6llig gegens\u00e4tzlichen ehemaligen preu\u00dfischen Garnison- und Residenzstadt Potsdam, waren politische und soziale K\u00e4mpfe nun an der Tagesordnung. <\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend Potsdam f\u00fcr eine traditionelle Beamten- und Soldatenkultur stand, gepr\u00e4gt durch das k\u00f6nigliche und militaristische Preu\u00dfen, entwickelte sich auf der anderen Seite der Havel eine starke Arbeiter*innenbewegung heraus, die parteipolitisch vor allem in der SPD, USPD und sp\u00e4ter in der KPD sowie in einer Vielzahl von Kultur-, Sport- und Wohlfahrtsvereinen organisiert war. Das \u201eRote Nowawes\u201c machte seinem Namen alle Ehre. Sich hier zu den Nationalsozialisten zu bekennen, konnte durchaus gef\u00e4hrlich f\u00fcr das leibliche Wohl sein. <\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahr 1907 vereinigten sich Neuendorf und Nowawes, welches im Jahr 1924 Stadtrecht erhielt. Die Stadt Nowawes wuchs 1938 mit der Villenkolonie Neubabelsberg weiter, doch der alte Name verschwand, einerseits aufgrund seines slawischen Ursprungs, der den Nationalsozialisten ein Dorn im Auge war, andererseits aufgrund der Reputation als Rotes Nowawes durch die starke Arbeiter*innenbewegung. Die Stadt erhielt den Namen Babelsberg. Sie war die gr\u00f6\u00dfte Stadt im Landkreis Teltow, bis sie am 1. April 1939 in die kreisfreie Stadt Potsdam eingegliedert wurde. <\/p>\n\n\n\n<p>Heute erinnert kaum noch etwas an das Rote Nowawes, eine politische Bezeichnung und auch W\u00fcrdigung, mit der neben dem \u201eRoten Wedding\u201c im nahen Berlin nur ganz wenige Orte aufwarten k\u00f6nnen. Lange erinnerten lediglich die Stra\u00dfe \u201eAlt Nowawes\u201c und sp\u00e4ter der im Jahr 2006 neugegr\u00fcndete Fu\u00dfballverein Concordia Nowawes an den urspr\u00fcnglichen Namen und an die Tradition des Arbeiter*innensports. Die Geschichtswerkstatt Rotes Nowawes will die Historie neu beleben und erfahrbar machen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Ort Nowawes steht f\u00fcr eine Mitte des 18. Jahrhunderts gegr\u00fcndete Weberkolonie, in dem der preu\u00dfische K\u00f6nig Friedrich der II. b\u00f6hmische Weberfamilien in der N\u00e4he Potsdams f\u00fcr die Seidenherstellung und Textilindustrie ansiedeln wollte. Der Name \u201eNowawes\u201c ist daher slawischen Ursprungs f\u00fcr \u201eNov\u00e1 Ves\u201c und bedeutet zu Deutsch \u201eNeues Dorf\u201c. 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