{"id":2660,"date":"2023-01-12T10:48:31","date_gmt":"2023-01-12T08:48:31","guid":{"rendered":"https:\/\/rotes-nowawes.de\/?page_id=2660"},"modified":"2023-01-17T14:28:20","modified_gmt":"2023-01-17T12:28:20","slug":"karl-liebknecht-in-potsdam-und-nowawes","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/rotes-nowawes.de\/?page_id=2660","title":{"rendered":"Karl Liebknecht in Potsdam und Nowawes"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Einf\u00fchrung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Geschichte Karl Liebknechts, einem der wohl bedeutendsten Pers\u00f6nlichkeiten der deutschen und internationalen Arbeiter:innenbewegung, ist eng mit Potsdam und auch Nowawes verkn\u00fcpft. Zwar ist der Wahlkreis und das politische Wirken von Karl Liebknecht auf der anderen Havelseite zu verorten, also in Potsdam, nichts desto trotz hat er auch seine Spuren im \u201eRoten Nowawes\u201c hinterlassen und mehrere anstehende Jahrestage veranlassen uns als Geschichtswerkstatt dazu, ihn entsprechend zu w\u00fcrdigen und im Kontext der lokalen Arbeiter:innenbewegung zu sehen.<br>Als Sohn des Mitbegr\u00fcnders der deutschen Sozialdemokratie, Wilhelm Liebknecht, machte der junge Berliner Rechtsanwalt Karl Liebknecht am 25. Januar 1912 Furore, als er den sogenannten \u201eKaiserwahlkreis\u201c (1) Potsdam-Spandau-Osthavelland gewann. Sein Ruf drang aber auch \u00fcber die Havel r\u00fcber und die Nowaweser Arbeiter:innenschaft feierte seinen Sieg, als w\u00e4re es ihr eigener gewesen. Grund genug hatten sie auch doppelt. Denn auch ihr eigener Arbeiterkandidat f\u00fcr den Wahlkreis Teltow-Beeskow, Fritz Zubeil, gesellte sich als Sieger zu Liebknecht &amp; Genossen.<br>Wenig bekannt ist, dass Karl Liebknecht im Februar 1910 eine Veranstaltung im damals gr\u00f6\u00dften Lokal der Nowaweser Arbeiter:innenbewegung , dem \u201eVolksgarten\u201c des sozialdemokratischen Gastwirtes Max Singer in der damaligen Priesterstra\u00dfe, abhielt. Nach der Befreiung vom Nationalsozialismus schlugen Kommunisten und Sozialdemokraten gemeinsam vor, der Priesterstra\u00dfe den ehrenvollen Namen Karl Liebknechts zu geben, den sie auch noch heute tr\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<p><br>In den Tagen der deutschen Novemberrevolution rief, nur wenige Stunden sp\u00e4ter und nach dem Mehrheitssozialdemokraten Philipp Scheidemann, der politische F\u00fchrer und USPD-Mitglied Karl Liebknecht vom Portal des Kaiserschlosses die \u201edeutsche sozialistische Republik\u201c aus. Das dieser Traum nicht Wirklichkeit werden konnte, war unter anderem auch dem Pakt der neuen alten Sozialdemokratie unter Friedrich Ebert und der alten Milit\u00e4relite des Kaiserreiches zu verdanken. Aber auch eine gewisse Konzeptionslosigkeit und eine mangelhafte Bindung an die revolution\u00e4ren Massen der Berliner Arbeiter:innenbewegung, lie\u00dfen den Traum scheitern.<br>Die Gr\u00fcndung einer Kommunistischen Partei um die Jahreswende 1918\/1919 im Haus des preu\u00dfischen Landtages in Berlin, mit Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg als F\u00fchrungspersonen, schien ein letzter Versuch der Linken zu sein, der Revolution eine F\u00fchrung zu geben. Aber die Gegenreaktion hatte die blutige Niederschlagung der Revolution\u00e4re schon l\u00e4ngst zur Tagesaufgabe erkl\u00e4rt, so dass am 15. Januar 1919 rechtsextreme Freikorps-Soldaten die beiden in Berlin ermordeten.<br>Kaum bekannt ist ebenso, dass sein Bruder Otto Liebknecht, eine Zeit lang in der Neubabelsberger Domstra\u00dfe 4 lebte. Er war zwar nicht parteipolitisch aktiv, aber viele Jahre SPD-Mitglied. Doch auch er setzte sich f\u00fcr die Arbeiterbewegung auf betrieblicher Basis ein. Er zog im Jahr 1925 nach Neubabelsberg in eine Villa, weil er in Berlin als Chemiker arbeitete und zudem zwischen 1931 und 1935 an der sp\u00e4teren Humboldt-Universit\u00e4t Berlin lehrte.<br>Auch war der Vater des Nowaweser Kommunisten Albert Klink, ein Schmied aus Spandau, ein Weggef\u00e4hrte Karl Liebknechts. Albert Klink selbst wurde am 3. M\u00e4rz 1911 in Tiefwerder\/Spandau geboren, also im damaligen Wahlkreis von Karl Liebknecht.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"750\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/rotes-nowawes.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/karl-liebknecht-um-1912.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2661\" srcset=\"https:\/\/rotes-nowawes.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/karl-liebknecht-um-1912.jpg 750w, https:\/\/rotes-nowawes.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/karl-liebknecht-um-1912-220x300.jpg 220w\" sizes=\"auto, (max-width: 706px) 89vw, (max-width: 767px) 82vw, 740px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Karl Liebknecht um 1912<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Karl Liebknechts Wirken in Potsdam und Nowawes<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eine besondere Situation war in Nowawes gegeben, einem industriell gepr\u00e4gten Ort mit seinen Textil-, Schuh- und Netzfabriken, dem Lokomotivbau und der entstehenden metallurgischen und chemischen Industrie, mit dem preu\u00dfisch-b\u00fcrgerlichen Potsdam auf der einen und der Reichshauptstadt Berlin auf der anderen Seite. Der Kampf um das t\u00e4gliche St\u00fcck Brot und gegen die Ausbeutung in den zahlreichen Fabriken sowie die soziale Lage sorgten f\u00fcr einen hohen Organisierungsgrad und machten die Arbeiter:innenbewegung gro\u00df, und damit auch die Sozialdemokratie und Gewerkschaftsbewegung. Dies geschah an einem Ort, in welchem in unmittelbarer Nachbarschaft am 21. Oktober 1878 im Schloss Babelsberg das sogenannte Sozialistengesetz unterzeichnet wurde, das Vereine, Versammlungen und Schriften der Sozialdemokratie verbot.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit 1901 trat Karl Liebknecht regelm\u00e4\u00dfig in Potsdam auf. 23 Veranstaltungen mit ihm sind nachgewiesen. Am 23. Februar 1910 dann auch das erste und einzige Mal im \u201eRoten Nowawes\u201c, dass vielleicht aufgrund der Reputation und der starken Arbeiter:innenbewegung ausgew\u00e4hlt wurde. Seinen Wahlkreis hatte Karl Liebknecht auf dieser Seite der Havel nicht, sondern der Sozialdemokrat Fritz Zubeil (2). Trotzdem sollten Potsdam und Nowawes nicht losgel\u00f6st voneinander betrachtet werden, denn seit jeher gab es einen engen Austausch in der Arbeiter:innenbewegung und gegenseitige Unterst\u00fctzung, besonders durch die Nowaweser Genoss:innen in Potsdam. Scharf angegriffen wurden in jener Zeit die soziale und politische Lage der Bev\u00f6lkerung sowie das sogenannte Dreiklassenwahlrecht (3). Dies spiegelte sich in der Rede Karl Liebknechts in Singers Volksgarten (4) in der damaligen Nowaweser Priesterstra\u00dfe wieder.<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u201eBrandenburger Zeitung\u201c nannte die Versammlung in Nowawes eine \u201eeindrucksvolle Kundgebung gegen die preu\u00dfische Reaktion\u201c. Lange vor Beginn der Versammlung war der Raum \u00fcberf\u00fcllt. 2000 M\u00e4nner und Frauen hatten sich eingefunden. Sie unterbrachen Liebknechts Ausf\u00fchrungen oft durch lebhaften Beifall. Aus seiner Rede zu \u201ePreu\u00dfen-Deutschlands politische Lage\u201c sind folgende S\u00e4tze zitiert worden: \u201eWenn die Regierung auf ihrem reaktion\u00e4ren Standpunkt beharrt, so wird das Proletariat in den politischen Massenstreik hineingetrieben. Das Proletariat wird nicht eher ruhen, als bis die preu\u00dfische Junkerfeste sowie das elendeste aller Wahlsysteme beseitigt und das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht erobert ist.\u201c Auf den preu\u00dfischen Wahlrechtskampf eingehend, k\u00fcndigte Karl Liebknecht an: \u201eDer Kampf des Proletariats um das freie Wahlrecht hat erst begonnen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die Sozialdemokratie war mittlerweile auch im \u201eKaiserwahlkreis\u201c die st\u00e4rkste Partei geworden. Jedoch zeigte sich, wenn die Arbeiter:innenklasse als ernstzunehmende politische Kraft auftrat, sah sie sich einer konservativen Koalition gegen\u00fcber. So hatte sich in den Reichstagswahlen von 1903 und 1907 der b\u00fcrgerlich-konservative Kandidat durchgesetzt. Karl Liebknecht war f\u00fcr sie der \u201eRoteste der Roten\u201c, und so drohte die Potsdamer Tageszeitung: \u201eWer in Potsdam, fast im Angesicht unseres geliebten Kaiserpaares \u2026 einem Sozen seine Stimme gibt \u2026 hat das Recht verwirkt, sich noch ein guter Deutscher zu nennen \u2026\u201c. Doch in der Stichwahl eroberte Karl Liebknecht am 25. Januar 1912 gegen den konservativen Kandidaten, den Potsdamer Oberb\u00fcrgermeister Dr. Kurt Vosberg, den Kaiserwahlkreis mit recht deutlichem Vorsprung auch mit Unterst\u00fctzung der \u201eFortschrittlichen Volkpartei\u201c. In Nowawes setzte sich ebenfalls der Kandidat der Arbeiter:innenklasse durch, n\u00e4mlich Fritz Zubeil.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch auch innerhalb der Sozialdemokratie gab es K\u00e4mpfe. Einigen, damals noch wenigen Personen, war die Politik der SPD unter dem Kaiser nicht revolution\u00e4r genug, sie wollten mit dem Opportunismus und einer kaiserfreundlichen Politik nichts gemein haben. Ver\u00e4chtlich betitelte man einen Teil der SPD als \u201eKaisersozialisten\u201c. Die beiden Abgeordneten der SPD-Fraktion im Reichstag von 1912, Hugo Haase und Karl Liebknecht, waren bereits vor dem Ersten Weltkrieg als Kriegsgegner und Kritiker der Sozialdemokratie in Erscheinung getreten. Bereits 1907 ver\u00f6ffentlichte Karl Liebknecht das Werk \u201eMilitarismus und Antimilitarismus\u201c, woraufhin er wegen Hochverrats angeklagt und zu einer Haftstrafe von eineinhalb Jahren verurteilt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges versch\u00e4rften sich die Klassenauseinandersetzungen. Im November 1914 beauftragen die Potsdamer Arbeiter:innen Karl Liebknecht im Potsdamer Gewerkschaftshaus gegen die Kriegskredite im Reichstag zu stimmen. Offen lehnte er die Kriegskredite im Reichstag am 2. Dezember 1914 ab. Die parteiinternen Auseinandersetzungen der SPD um Krieg, Kriegskredite und Burgfriedenpolitik (5) sowie die prek\u00e4re Lage der Bev\u00f6lkerung und die ersten gro\u00dfen Streiks und die Kriegsm\u00fcdigkeit f\u00fchrten zur Gr\u00fcndung der Unabh\u00e4ngigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD). Diese linke Abspaltung von der SPD hatte in ihrer Nowaweser Ortsgruppe im Jahr 1917 bereits 700 Mitglieder und war damit st\u00e4rker als die Ortsgruppe der SPD. Besonders stark war die Gruppe der USPD im Nowaweser Betrieb von Orenstein &amp; Koppel (O&amp;K), damals schon ein kriegswichtiger Betrieb f\u00fcr die kaiserliche Armee. Kein Wunder also, dass sich hier im Jahr 1917 um die Kesselschmiede herum eine Spartakusgruppe zusammenfand und erste Streiks organisiert wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>1915 wurde aus Protest gegen die Zustimmung der SPD zum Krieg unter anderem auf Initiative von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht die \u201eGruppe Internationale\u201c gegr\u00fcndet, ein innerparteilicher Kern Oppositioneller in der SPD. Sie bekannte sich zum sozialistischen Internationalismus und forderte die sofortige Einstellung aller Kriegshandlungen. Seit 1916 propagierte die Gruppe ihre politischen Ziele in den illegalen Spartakusbriefen. Ihre F\u00fchrungspersonen, so auch Karl Liebknecht, wurden systematisch verfolgt und eingekerkert. Die nun aufgrund ihrer verfassten Briefe genannte Gruppe Spartakus schloss sich 1917 trotz politischer Zerw\u00fcrfnisse der USPD an und formierte schlie\u00dflich sp\u00e4ter zur neu gegr\u00fcndeten KPD. Das Wirken Karl Liebknechts f\u00e4rbte so auf die Arbeiter:innen in Potsdam und Nowawes ab, so wurde zum Beispiel die \u201eJunius-Borsch\u00fcre\u201c, eine Schrift von Rosa Luxemburg zur Krise der Sozialdemokratie, sowie die Spartakusbriefe, in den Betrieben, vor allem bei O&amp;K, verteilt.<\/p>\n\n\n\n<p>In Potsdam stach besonders Albert Heese als Organisator hervor. Er war langj\u00e4hriges Mitglied der SPD und ab 1917 der USPD. Er kehrte im November 1918 von seinem Hamburger Arbeitsort wieder in seine Potsdamer Heimatstadt zur\u00fcck und brachte die revolution\u00e4ren Erfahrungen aus dem Matrosenaufstand von der K\u00fcste mit. Im Reichsbahnausbesserungswerk (RAW) fand er Arbeit und organisierte hier die Spartakusgruppe, denn bereits in Hamburg war er Teil des Spartakusbundes. In Potsdam stellte er Kontakte zu den Arbeiter:innen vom Kaiserreich am Golmer Reiherberg errichteten Flugzeugwerk her, wo er auf andere USPD-Genossen traf. Auch nach Nowawes gab es nun Verbindungen, die ihrerseits Kontakte zur Spartakuszentrale nach Berlin hatten. So gab es eine fruchtbare Zusammenarbeit zwischen den Spartakusgruppen im RAW, bei O&amp;K, im sich in Demontage befindlichen Flugzeugwerk in Golm und auch in der Jute-Spinnerei Nowawes. Es wird sogar von einer gemeinsamen Potsdam-Nowaweser Spartakusgruppe berichtet. Als Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg und Hunderte Arbeiter:innen in Berlin die KPD gr\u00fcndeten, war der Grundstein f\u00fcr die KPD-Ortsgruppen in Potsdam und Nowawes gelegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 3. Januar 1919 gr\u00fcndeten sich in Nowawes zwei Ortsgruppen der KPD, die am Tag noch nichts von einer jeweiligen Gr\u00fcndung der anderen wussten. Die eine wurde ma\u00dfgeblich von Arbeiter:innen von O&amp;K im Lokal Hiemke gegr\u00fcndet, die andere von Arbeiter:innen aus dem RAW im Lokal Pelz in der Nowaweser M\u00fchlenstra\u00dfe. In Potsdam wurde eine Ortsgruppe der KPD im M\u00e4rz 1919 geschaffen. Schon im Fr\u00fchjahr 1919 gab es die erste Gro\u00dfveranstaltung in Nowawes im Lokal Turnhalle in der heutigen Tuchmacherstra\u00dfe. Es sprach dort der Genosse Fritz Heckert vom Zentralkomitee der KPD zum Thema der Auslieferung des nach Holland gefl\u00fcchteten Kaisers Wilhelm II. Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg waren zwar bereits am 15.01.1919 durch rechtsextreme Freikorps-Soldaten ermordet worden, doch der Geist der beiden lebte (und lebt) in den Arbeiter:innen von Potsdam und Nowawes weiter. Eine wirkliche Massenwirksamkeit im Sinne von Liebknecht und Luxemburg konnte die KPD aber erst nach Ausschluss ihres linksradikalen Fl\u00fcgels (sp\u00e4ter: Kommunistische Arbeiterpartei Deutschlands) und ihrer Vereinigung mit dem linken Fl\u00fcgel der weitaus gr\u00f6\u00dferen und bedeutenderen revolution\u00e4ren Massenpartei, der USPD, im Herbst 1920 in Halle erlangen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"530\" src=\"https:\/\/rotes-nowawes.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/hiemke-1024x530.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2662\" srcset=\"https:\/\/rotes-nowawes.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/hiemke-1024x530.jpg 1024w, https:\/\/rotes-nowawes.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/hiemke-300x155.jpg 300w, https:\/\/rotes-nowawes.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/hiemke-768x397.jpg 768w, https:\/\/rotes-nowawes.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/hiemke-1536x795.jpg 1536w, https:\/\/rotes-nowawes.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/hiemke-2048x1060.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Restaurant Hiemke<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Chronologie Karl Liebknechts in Potsdam und Umgebung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>15. Mai 1901<\/p>\n\n\n\n<p>Karl Liebknecht tritt zum ersten Mal In Potsdam auf. Er spricht vor etwa 400 Personen, sein Thema ist \u201eDie Sozialdemokratie und die b\u00fcrgerlichen Parteien\u201d.<\/p>\n\n\n\n<p>21. Januar 1906<\/p>\n\n\n\n<p>Auftreten auf Volksversammlungen anl\u00e4sslich des Jahrestages des Petersburger Blutsonntags, die unter der Losung: \u201eGegen Volksentrechtung und Volksknechtung!\u201d stattfanden. Karl Liebknecht sprach um 14:00 Uhr in Spandau, danach in Potsdam und ab 19:15 Uhr in Eiche. In Potsdam nehmen \u00fcber 1200 Personen an der Versammlung im Viktoria-Garten (6) teil.<\/p>\n\n\n\n<p>1. September 1909<\/p>\n\n\n\n<p>Vor \u00fcber 800 Versammlungsteilnehmern in Potsdam rechnet Karl Liebknecht mit der reaktion\u00e4ren Innen- und Au\u00dfenpolitik der kaiserlichen Regierung und des Reichstages ab.<\/p>\n\n\n\n<p>23. Februar 1910<\/p>\n\n\n\n<p>Rede vor 2000 Teilnehmern einer Volksversammlung in Nowawes \u00fcber das Thema: \u201ePreu\u00dfen-Deutschland und die politische Lage\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>31. Juli 1910<\/p>\n\n\n\n<p>Referat vor den Werkt\u00e4tigen von Eiche und Golm \u00fcber den Kampf gegen das preu\u00dfische Dreiklassenwahlrecht.<\/p>\n\n\n\n<p>20. Januar 1911<\/p>\n\n\n\n<p>Rede in einer \u00fcberf\u00fcllten Volksversammlung im Viktoria-Garten in Potsdam \u00fcber die preu\u00dfisch-deutsche Reaktion und die Sozialdemokratie.<\/p>\n\n\n\n<p>3. Dezember 1911<\/p>\n\n\n\n<p>Auftreten auf Reichstagsw\u00e4hlerversammlung in Potsdam unter freiem Himmel vor \u00fcber 2150 Personen, nachdem die Reaktion den Genossen in Potsdam den Viktoria-Garten entzogen hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>17. Januar und 21. Januar 1912<\/p>\n\n\n\n<p>Nochmaliges Auftreten auf Wahlversammlungen in Potsdam, da in der Hauptwahl am 12. Januar 1912 keiner der Kandidaten des Wahlkreises die absolute Mehrheit errungen hatte und eine Stichwahl am 25. Januar 1912 durchgef\u00fchrt werden sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>25. Januar 1912<\/p>\n\n\n\n<p>Karl Liebknecht erringt in der Stichwahl einen gro\u00dfen Sieg und erobert den \u201eKaiserwahlkreis\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>28. Januar 1912<\/p>\n\n\n\n<p>Auftreten in Potsdam auf einer Versammlung unter freiem Himmel vor etwa 3500 Personen, in der Liebknecht den W\u00e4hlern f\u00fcr das Vertrauen dankt.<\/p>\n\n\n\n<p>November 1914<\/p>\n\n\n\n<p>Im Potsdamer Gewerkschaftshaus (7) beauftragen Potsdamer Genossen Karl Liebknecht, gegen die Kriegskredite im Reichstag zu stimmen.<\/p>\n\n\n\n<p>2. Dezember 1914<\/p>\n\n\n\n<p>Offene Ablehnung weiterer Kriegskredite durch Karl Liebknecht im Reichstag.<\/p>\n\n\n\n<p>7. Februar 1915<\/p>\n\n\n\n<p>Karl Liebknecht wird als Armierungssoldat eingezogen und den Milit\u00e4rgesetzen unterworfen.<\/p>\n\n\n\n<p>1. Mai 1916<\/p>\n\n\n\n<p>Antikriegsdemonstration in Berlin, organisiert durch die Spartakusgruppe. Karl Liebknecht ruft auf dem Potsdamer Platz: \u201eNieder mit dem Krieg! Nieder mit der Regierung!\u201d Liebknecht wird verhaftet.<\/p>\n\n\n\n<p>1. Mai 1916 bis 23. Oktober 1918<\/p>\n\n\n\n<p>Inhaftiert im Zuchthaus Luckau; freigelassen durch erzwungene Amnestie.<\/p>\n\n\n\n<p>11. November 1917<\/p>\n\n\n\n<p>Aus einem Brief Karl Liebknechts aus dem Zuchthaus Luckau: Der ungeheure Prozess der sozialen und wirtschaftlichen Revolutionierung Russlands vom Bodensatz bis zum Schaum, dessen Ausdruck nur die politische \u2014 die Verfassungs- und Verwaltungsrevolutionierung ist, steht nicht am Abschluss, sondern im Beginn, vor unbegrenzten M\u00f6glichkeiten \u2014 weit gr\u00f6\u00dfer als die Gro\u00dfe Franz\u00f6sische Revolution.<\/p>\n\n\n\n<p>9. November 1918<\/p>\n\n\n\n<p>Von einem Balkon des Berliner Schlosses ruft Karl Liebknecht unter der begeisterten Zustimmung der Massen die sozialistische Republik Deutschland aus. Demonstrationen, Streiks und Bildung von Arbeiter- und Soldatenr\u00e4ten auch in Potsdam und Nowawes.<\/p>\n\n\n\n<p>30. Dezember 1918 bis 1. Januar 1919<\/p>\n\n\n\n<p>Gr\u00fcndungsparteitag der KPD. Karl Liebknecht wird gemeinsam mit Rosa Luxemburg in die F\u00fchrung der KPD gew\u00e4hlt.<\/p>\n\n\n\n<p>3. Januar 1919<\/p>\n\n\n\n<p>Gr\u00fcndung der KPD-Ortsgruppe in Nowawes.<\/p>\n\n\n\n<p>15. Januar 1919<\/p>\n\n\n\n<p>Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg ermordet.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Erkl\u00e4rungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>(1) Kaiserwahlkreis<br>Als Kaiserwahlkreis wird der Wahlkreis Potsdam-Spandau-Osthavelland genannt, in dem der Kaiser in Potsdam lebte. In den Jahren 1903 und 1907 hatte Liebknecht dort kandidiert, seinen Wahlkampf begann er schon 1901. Karl Liebknecht konnte den Kaiserwahlkreis bei der Reichstagswahl 1912 \u00fcberraschend gewinnen.<\/p>\n\n\n\n<p>(2) Fritz Zubeil<br>Fritz Zubeil war Mitglied der SPD und sp\u00e4ter ab 1917 der USPD sowie Mitglied des Deutschen Reichstages. Er lebte in Berlin und zog erstmals 1893 f\u00fcr die SPD in den Reichstag ein. Er betrieb unter anderem eine Gastwirtschaft und arbeitete f\u00fcr den Vorw\u00e4rts, dem Zentralorgan der SPD. Bis zu seinem Tod im Jahr 1926 war er Mitglied des Reichstages f\u00fcr die SPD, zu der er 1922 zur\u00fcckkehrte.<\/p>\n\n\n\n<p>(3) Dreiklassenwahlrecht<br>Das Dreiklassenwahlrecht ist ein historisches Wahlrecht und -system, welches in der deutschen Geschichte vor allem die Situation im K\u00f6nigreich Preu\u00dfen beeinflusste. Die Abgeordneten des Abgeordnetenhauses wurden bis Ende der Monarchie 1918 nach dem Dreiklassenwahlrecht gew\u00e4hlt, das Abgeordnetenhaus selbst war die zweite Kammer des Preu\u00dfischen Landtages. Die Einteilung geschah folgenderma\u00dfen: Diejenigen Wahlberechtigten, die die meisten Steuern zahlten, w\u00e4hlten in der 1. Abteilung. Es wurden so viele Wahlberechtigte in diese erste Abteilung eingeteilt, bis ein Drittel des Steueraufkommens erreicht war. In die 2. Abteilung wurden diejenigen eingeteilt, die unter den verbleibenden Wahlberechtigten die gr\u00f6\u00dfte Steuerleistung erbrachten, bis ein weiteres Drittel des Gesamtaufkommens erreicht war. Die \u00fcbrigen Wahlberechtigten bildeten die 3. Abteilung. Wechsel innerhalb der Abteilungen waren m\u00f6glich. Aufgrund ihres undemokratischen Ansatzes wurde es vor allem aus der Sozialdemokratie bek\u00e4mpft.<\/p>\n\n\n\n<p>(4) Singers Volksgarten<br>Das bekannte Arbeiterlokal \u201eVolksgarten\u201c in der Priesterstr. 31 war eines der gr\u00f6\u00dften Versammlungsorte der Nowaweser Arbeiter:innenbewegung. Eine erste politische Maiversammlung ist aus dem Jahr 1899 datiert. Max Singer als Inhaber des Lokals war Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrates in Nowawes und von 1919 bis 1933 sozialdemokratischer Gemeindevertreter bzw. Stadtverordneter in Nowawes.<\/p>\n\n\n\n<p>(5) Kriegskredite<br>Als Kriegskredite wird das am 4. August 1914 vom Reichstag beschlossene \u201eGesetz, betreffend die Feststellung eines Nachtrags zum Reichshaushaltsetat f\u00fcr das Rechnungsjahr 1914\u201c bezeichnet, dass von allen Parteien des Reichstags zugestimmt wird. Als Burgfrieden gilt, f\u00fcr die Zeit des Kriegs den politischen Streit ruhen zu lassen und sich vollends auf den Krieg zu konzentrieren.<\/p>\n\n\n\n<p>(6) Viktoria-Garten<br>Der ehemalige Viktoria-Garten (oder auch \u201eVictoria-Garten-Restaurant\u201c oder Viktoriagarten geschrieben) befand sich im Potsdamer Viertel Brandenburger Vorstadt in der Zeppelinstra\u00dfe 37, direkt gegen\u00fcber dem Bahnhof Potsdam-Charlottenhof. Sp\u00e4ter errichtete man auch ein Geb\u00e4ude in dem im Jahr 1934 ein Filmtheater eingerichtet wurde. Es war die gr\u00f6\u00dfte Versammlungsst\u00e4tte der Potsdamer Arbeiter:innenbewegung von 1890 bis zur Novemberrevolution und dar\u00fcber hinaus. Die Bedeutung dieses Ortes war \u00e4hnlich gro\u00df und wichtig f\u00fcr die Arbeiter:innenbewegung wie Singers Volksgarten in Nowawes.<\/p>\n\n\n\n<p>(7) Gewerkschaftshaus<br>In der Hegelallee 38 (ehem. Parteilokal Glaser) war das Potsdamer Gewerkschaftshaus und bei einer Versammlung erhielt Karl Liebknecht die Zustimmung seiner Potsdamer Genossen f\u00fcr die Ablehnung der Kriegskredite.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Quellen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>B\u00fccher<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>1000 Jahre Potsdam, Bl\u00e4tter aus der Stadtgeschichte Teil II, Potsdam 1989<\/p>\n\n\n\n<p>Geschichte der Arbeiterbewegung im Reichstagswahlkreis Karl Liebknechts 1871-1917 Teil 2, Potsdam 1965<\/p>\n\n\n\n<p>USPD \u2013 Zur Geschichte der Unabh\u00e4ngigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, Frankfurt\/Main 1975<\/p>\n\n\n\n<p>Mitgestalter der Geschichte \u2013 Wegbereiter unserer Zeit, Potsdam 1980<\/p>\n\n\n\n<p><em>Zeitung<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Schlegel: KPD-Betriebsgruppe im Raw, M\u00e4rkische Volksstimme vom 12.01.1989<\/p>\n\n\n\n<p>Laube: Das rote Nowawes lebt!, M\u00e4rkische Volksstimme vom 04.01.1959<\/p>\n\n\n\n<p><em>Kalender<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>60 Jahre Kampf der deutschen Arbeiterklasse 1918 &#8211; 1978, Potsdam<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einf\u00fchrung Die Geschichte Karl Liebknechts, einem der wohl bedeutendsten Pers\u00f6nlichkeiten der deutschen und internationalen Arbeiter:innenbewegung, ist eng mit Potsdam und auch Nowawes verkn\u00fcpft. 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