{"id":3210,"date":"2023-07-09T09:29:43","date_gmt":"2023-07-09T07:29:43","guid":{"rendered":"https:\/\/rotes-nowawes.de\/?page_id=3210"},"modified":"2023-07-09T09:29:43","modified_gmt":"2023-07-09T07:29:43","slug":"100-jahre-teuerungsunruhen-von-nowawes","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/rotes-nowawes.de\/?page_id=3210","title":{"rendered":"100 Jahre Teuerungsunruhen von Nowawes"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Anf\u00e4nge der Demokratie in Deutschland, so auch in Nowawes und Umgebung, waren gepr\u00e4gt von Aufbruch und Ver\u00e4nderung, aber auch politischer Gewalt und wirtschaftlicher Unsicherheit. Am 15.&nbsp;Januar 1919 waren Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, Gr\u00fcndungsmitglieder der KPD, ermordet worden, am 21.&nbsp;Februar 1919 fiel der bayerische Ministerpr\u00e4sident Kurt Eisner einem Attentat zum Opfer. Am 10.&nbsp;M\u00e4rz wurde auch Leo Jogiches ermordet, der nach dem Tod von Liebknecht und Luxemburg den Vorsitz der KPD \u00fcbernommen hatte. Die Gewaltwelle setzte sich \u00fcber die Jahre fort. Es traf prominente Politiker wie den Zentrumspolitiker Matthias Erzberger, den Sozialdemokraten Philipp Scheidemann und auch den Reichsau\u00dfenminister Walther Rathenau. Deren M\u00f6rder wie auch die Gewaltt\u00e4ter auf den Stra\u00dfen waren zumeist nationale und rechtsradikale Personen, oftmals in Gruppen, Freikorps oder anderen Verb\u00e4nden organisiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotz der massiven Gewalt gab es auch Solidarit\u00e4tsbekundungen mit der noch jungen Republik.&nbsp; Es versammelten sich Millionen Menschen in den St\u00e4dten bei den Trauerkundgebungen f\u00fcr die Opfer. Viele sahen die Republik mit Hoffnungen verbunden. Doch der Anfang war schwer, nicht nur politisch, sondern auch wirtschaftlich. Die Weimarer Republik sah sich Krisen von innen und au\u00dfen ausgesetzt, hinzu kamen die Beschr\u00e4nkungen aus dem Versailler Vertrag von 1919, eine prek\u00e4re Versorgungslage und permanente Arbeitsk\u00e4mpfe und Streiks. Zu diesen Faktoren kam der Einmarsch von franz\u00f6sischen und belgischen Truppen in das Ruhrgebiet, vor allem als Reaktion auf die Nichteinhaltung der vertraglich vereinbarten Reparationsverpflichtungen seitens Deutschlands. Vor allem in den Gro\u00dfst\u00e4dten herrschte Hunger und Not an Wohnraum.<\/p>\n\n\n\n<p>Infolgedessen entschied sich die Regierung unter dem parteilosen Reichskanzler Wilhelm Cuno zum passiven Widerstand. Dieser wurde von der Bev\u00f6lkerung unterst\u00fctzt, aber er brachte die Republik in eine enorme wirtschaftliche Schieflage. Die Inflation stieg ungebremst, Kapitalanlagen \u2013 vor allem die der Mittelschicht \u2013 gingen verloren und die Ersparnisse der Bev\u00f6lkerung \u2013 wenn \u00fcberhaupt vorhanden \u2013 l\u00f6sten sich in Luft auf. Deutschland konnte die Reparationszahlungen nicht bedienen, Schulden mussten aufgenommen werden, was die Inflation und wirtschaftliche Krise noch einmal ankurbelte. Millionen von Menschen waren von Armut betroffen, der Reallohn sank, w\u00e4hrend die Lebensunterhaltungskosten stiegen. Diese prek\u00e4re Lage fand sich \u00fcberall wieder, so auch hier in Nowawes. In diese Zeit der Krise und sozialen K\u00e4mpfe f\u00e4llt der Gro\u00dfe Berliner Metallarbeiterstreik und auch der sogenannte Nowaweser Kartoffelkrieg, wie die Teuerungsunruhen auch bezeichnet wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>In Nowawes lag der Kapp-Putsch, der durch das Wirken eines Aktionsausschusses der Arbeiterparteien, vor allem von SPD und USPD, und durch einen Generalstreik hier im Ort keine Chance hatte, einige Jahre zur\u00fcck. Die soziale Lage bestimmte die Nowaweser Kommunalpolitik, die haupts\u00e4chlich durch die Arbeiterparteien getragen wurde. Zu knabbern hatten die Gemeindevorsteher mit den horrenden Kosten im sozialen Bereich, und sie wurden nicht m\u00fcde, die Regierungsstellen um Erh\u00f6hung der staatlichen Beihilfe infolge der sozialen Situation zu bitten. Dies betraf unter anderem die Erwerbslosenf\u00fcrsorge. Ein weiteres gro\u00dfes Problem war die Wohnungsnot, eine kommunale F\u00fcrsorge bzw. ein Wohnungsbauprogramm war hier erst im Entstehen. Im Januar 1922 erfolgte ein Aufruf des Gemeindevorstandes von Nowawes, den alten, hungernden und darbenden Leuten zu helfen. Der Stadtarzt berichtete \u00fcber die prek\u00e4re Gesundheitslage. Suppenk\u00fcchen f\u00fcr arme Menschen und eine Mittagsversorgung der Wohlfahrtspflege f\u00fcr Schulkinder wurden etabliert In den gro\u00dfen Betrieben waren Demonstrationen und Streiks an der Tagesordnung.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"746\" src=\"https:\/\/rotes-nowawes.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/wochenmarkt-priesterstrasse-1024x746.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3211\" srcset=\"https:\/\/rotes-nowawes.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/wochenmarkt-priesterstrasse-1024x746.jpg 1024w, https:\/\/rotes-nowawes.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/wochenmarkt-priesterstrasse-300x219.jpg 300w, https:\/\/rotes-nowawes.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/wochenmarkt-priesterstrasse-768x560.jpg 768w, https:\/\/rotes-nowawes.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/wochenmarkt-priesterstrasse-1536x1119.jpg 1536w, https:\/\/rotes-nowawes.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/wochenmarkt-priesterstrasse-2048x1493.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Wochenmarkt auf der Priesterstra\u00dfe (heute Karl-Liebknecht-Stra\u00dfe), Q: Sammlung Geschichtswerkstatt<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Am 6. Juli 1923 begann in Berlin der Metallarbeiterstreik. Fast alle Gro\u00dfbetriebe waren vom Ausstand betroffen, nur AEG noch nicht. Dazu die Abendausgabe des Berliner Tageblatt vom 6. Juli 1923: <em>\u201eDie Streikleitung der Berliner Metallarbeiter hat in ihrer gestrigen Sitzung f\u00fcr heute die Streikparole f\u00fcr 60 Berliner Metallbetriebe beschlossen, nachdem die Urabstimmung 120.444 Stimmen f\u00fcr Streik und 9049 f\u00fcr Annahme des Schiedsspruchs ergeben hatte.\u201c<\/em> Der Metallarbeiterverband forderte mit diesem Streik die Regierung auf, in die Lohnbewegung einzugreifen. Ein gerechter Lohn m\u00fcsse f\u00fcr die geleistete Arbeit gezahlt werden. Doch nicht nur der Streik der Metallarbeiter fand regionale Beachtung, denn auch die Preissteigerungen waren politisches Thema. So fand am 7. Juli unter dem Berliner Vorsitz eine Tagung von Vertretern der Preispr\u00fcfungsstellen von Berlin, Potsdam und Frankfurt\/Oder statt, an dem sich auch Polizei, Landwirtschaftskammer und der Markthallendirektion beteiligten. Vor allem die Butterpreise wurden als preistreibend gebrandmarkt. Eine Arbeitsgemeinschaft wurde gegr\u00fcndet. [1]<\/p>\n\n\n\n<p>Schon einen Tag sp\u00e4ter berichtete die Presse \u00fcber Lebensmittelkrawalle in Nowawes:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eLebensmittelkrawalle in Nowawes. Erzwungene Preisherabsenkungen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Zu ernsten Lebensmittelunruhen kam es heute in Nowawes. Schon in den ersten Stunden des Vormittags zogen Tausende von M\u00e4nnern und Frauen auf den Wochenmarkt, st\u00fcrmten die Fleischerl\u00e4den und zwangen die Inhaber, das Fleisch billiger zu verkaufen. Unter dem Druck der Menge mussten die Fleischer ihre Waren, die urspr\u00fcnglich 40 000 Mk. das Pfund kosten sollten, f\u00fcr 10 000 Mark abgeben. Um halb 12 Uhr wurde von Potsdam polizeiliche Hilfe erbeten. Bald darauf trafen zwei Hundertschaften ein und versuchten die Ruhe wiederherzustellen. Die Menge hingegen zog von Gesch\u00e4ft zu Gesch\u00e4ft und setzte die Preise f\u00fcr alle Lebensmittel bedeutend herunter. Zu den gewaltsam verbilligten Preisen fanden sich nat\u00fcrlich viele K\u00e4ufer. So wurde die Lebensmittelhandlung Presto vollkommen ausverkauft. Das Gesch\u00e4ft musste unter anderem die Butter mit 10 000 Mark pro Pfund wahllos an alle K\u00e4ufer abgeben.\u201c<\/em> [2]<\/p>\n\n\n\n<p>Tags darauf berichtete das Berliner Tageblatt:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eDie Lebensmittelunruhen in Nowawes. Nachpr\u00fcfung der Preise.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Lage in Nowawes hat sich in den Abendstunden des gestrigen Montags doch noch so zugespitzt, dass in einer gemeinsamen Sitzung der Vertreter der Polizei, der Gewerkschaften, des Handels und Gewerbes, sowie der Preispr\u00fcfungsstelle die Gewerkschaftsf\u00fchrer offen erkl\u00e4rten, dass sie f\u00fcr heute kaum die Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung garantieren k\u00f6nnten (&#8230;). F\u00fcr heute fr\u00fch 7 Uhr war ein Demonstrationszug der Erwerbslosen zum Rathaus Nowawes vorgesehen, wo Forderungen, wie unentgeltliche Abgabe von Lebensmitteln und Auszahlung gr\u00f6\u00dferer Geldbetr\u00e4ge aufgestellt und im Anschluss daran nach der zu erwartenden Ablehnung die Arbeiterschaft aus den Betrieben geholt werden sollten.\u201c<\/em> [3] Auch andere regionale Zeitungen berichteten, darunter die Potsdamer Tageszeitung, der sozialdemokratische Vorw\u00e4rts oder auch die Berliner B\u00f6rsenzeitung. Auf Druck der Bev\u00f6lkerung wurden Lebensmittel und andere Sachen weit unter dem \u201eNormalpreis\u201c verkauft. Zudem bildeten sich im Laufe des Tages f\u00fcnf Preispr\u00fcfungskommissionen f\u00fcr verschiedene Branchen.<\/p>\n\n\n\n<p>In jener Zeit gab es in Nowawes rund 35 Schl\u00e4chtereien, 40 B\u00e4ckereien und rund 50 Kolonial- und Materialwarenhandlungen, die Wein, Delikatessen, Kaffee und K\u00e4se verkauften, so das Adressbuch aus dem Jahr 1922. Man kann nur erahnen, wie gegens\u00e4tzlich auf der einen Seite die H\u00e4ndler agierten und auf der anderen Seite die verarmte Bev\u00f6lkerung hungerte. Eine Preispr\u00fcfungskommission aus Vertretern der Polizei, der Gewerkschaften sowie der H\u00e4ndler, die im Rahmen ihrer T\u00e4tigkeit von Gesch\u00e4ft zu Gesch\u00e4ft gingen und die Preise auf ihre Berechtigung nachpr\u00fcften, entstand. Aus dem Vorw\u00e4rts vom 10. Juli ist deutlich erkennbar, dass sich die sozialdemokratische Partei und die Gewerkschaften darum bem\u00fchten, f\u00fcr Ruhe auf den Stra\u00dfen zu sorgen. Interessant ist auch der Fakt, dass die Menschen die aus Potsdam herbeigeschaffte Polizei loswerden wollten. Hierzu der Vorw\u00e4rts: <em>\u201eIn der f\u00fcnften Nachmittagsstunde versammelte sich abermals eine f\u00fcnfhundertk\u00f6pfige Menschenmenge vor dem Rathause an, die die Zur\u00fcckziehung der Potsdamer Schupo [Schutzpolizei] aus dem Rathause forderte.\u201c<\/em> [4] \u00a0<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"558\" src=\"https:\/\/rotes-nowawes.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Artikel-im-Vorwaerts-09.07.23-1024x558.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3212\" srcset=\"https:\/\/rotes-nowawes.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Artikel-im-Vorwaerts-09.07.23-1024x558.jpg 1024w, https:\/\/rotes-nowawes.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Artikel-im-Vorwaerts-09.07.23-300x163.jpg 300w, https:\/\/rotes-nowawes.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Artikel-im-Vorwaerts-09.07.23-768x418.jpg 768w, https:\/\/rotes-nowawes.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Artikel-im-Vorwaerts-09.07.23.jpg 1529w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Artikel aus dem Vorw\u00e4rts vom 09.07.1923<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Potsdamer Schupo, die \u00fcberaus harsch auf die Proteste agierte und mehrere Personen festnahm, war im proletarisch gepr\u00e4gten Nowawes nicht gern gesehen. Seit dem Juni 1921 wurde jedoch dem langj\u00e4hrigen Plan von Potsdams Polizeipr\u00e4sident von Zitzewitz zugestimmt, dass Nowawes nun der Potsdamer Polizei unterstellt werden sollte, obwohl Nowawes zum Kreis Teltow geh\u00f6rte. Damit konnte eine bessere \u00dcberwachung und Repression gegen die Arbeiter:innen des Roten Nowawes erfolgen, die den meist gutb\u00fcrgerlichen Potsdamer:innen und seinem preu\u00dfischen Beamtentum ein Dorn im Auge waren. In ihrem Sinne nicht ganz zu Unrecht, so nutzen auch Kommunisten die Situation rund um die Teuerungsunruhen aus und mobilisierten Erwerbslose und politische Aktivisten auf die Stra\u00dfen. So fand eine Erwerbslosenversammlung statt und anschlie\u00dfend ein Demonstrationszug. Hier der Bericht des Vorw\u00e4rts vom 11.07.1923:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eAm Vormittag fand die von linksradikaler Seite einberufene Erwerbslosenversammlung statt, in der die Gewerkschaftsf\u00fchrer von Nowawes beruhigend auf die Arbeitslosen einzuwirken suchten. Die Versammlung verlief ziemlich st\u00fcrmisch und nach ihrer Beendigung marschierten die Erwerblosen im geschlossenen Zuge zu der Fabrik von Pietsch und einem anderen Werk, wo man aber schleunigst die Fabriktore geschlossen hatte, so dass die Demonstranten nicht eindringen konnten. Den Gewerkschaftsf\u00fchrern und Betriebsr\u00e4ten gelang es schlie\u00dflich nach l\u00e4ngeren Verhandlungen, die Erwerbslosen wieder zum Abzug zu bewegen.\u201c<\/em> [5] Sowohl die Kommission zur \u00dcberwachung der Lebensmittelpreise als auch die beschriebenen Aktivit\u00e4ten des Gewerkschaftskartells und die in Nowawes stationierte Polizei sorgten letztendlich f\u00fcr ruhige Tage nach den Montagskrawallen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Agieren der Nowaweser Bev\u00f6lkerung, haupts\u00e4chlich jedoch der Frauen, auf dem Wochenmarkt in der Priesterstra\u00dfe (heutige Karl-Liebknecht-Stra\u00dfe), wo dreimal in der Woche der Markt stattfand, war kein Nowaweser Alleinstellungsmerkmal. Der Erfolg der Proteste, die sicherlich nicht ganz friedlich verlaufen waren, aber die Not und den Hunger der Menschen verdeutlichten, vollzog sich auch in anderen Landesteilen. Man kann nur erahnen, wie hilflos die armen Bev\u00f6lkerungsschichten der Inflation, den teilweise willk\u00fcrlichen Preissteigerungen und der allgemeinen wirtschaftlichen Lage ausgesetzt waren. So ist es nicht verwunderlich, dass die Teuerungsunruhen in Nowawes ihre Nachahmung selbst im konservativen Potsdam fanden.<\/p>\n\n\n\n<p>Hierzu berichtet das Berliner Tageblatt vom Mittwoch, dem 11. Juli, unter der \u00dcberschrift `Demonstration auf dem Potsdamer Wochenmarkt\u00b4. <em>\u201e\u00c4hnlich wie in Nowawes ereignete sich heute Vormittag auf dem Potsdamer Wochenmarkt Lebensmittelunruhen. Zahlreiche Arbeitslose, streikende Metallarbeiter und Frauen st\u00fcrmten die St\u00e4nde der Lebensmittelh\u00e4ndler und verlangten die Abgabe der Waren zu erm\u00e4\u00dfigten Preisen. Im Anschluss daran zogen einzelne Trupps durch die Stra\u00dfen und wollten die Herabsetzung der Preise in den einzelnen Gesch\u00e4ften erzwingen. Daraufhin sind zahlreiche L\u00e4den geschlossen worden.\u201c<\/em> [6] Eine Normalisierung der Lebensmittelversorgung und ein B\u00e4ndigen der Inflation setzte nur langsam ein. Doch die Teuerungsunruhen waren ein radikales Mittel, um nicht nur der bitterlichen Not Ausdruck zu verleihen, sondern auch um Ver\u00e4nderungen zu erk\u00e4mpfen. Erst die Einf\u00fchrung der Rentenmark im November 1923 leitete eine Stabilisierung von W\u00e4hrung und finanzieller Lage ein.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>[1] Berliner Tageblatt, Morgenausgabe vom 08.07.1923<\/p>\n\n\n\n<p>[2] Berliner Tageblatt, Abendausgabe vom 09.07.1923<\/p>\n\n\n\n<p>[3] Berliner Tageblatt, Abendausgabe vom 10.07.1923<\/p>\n\n\n\n<p>[4] Vorw\u00e4rts vom 10.07.1923<\/p>\n\n\n\n<p>[5] Vorw\u00e4rts vom 11.07.1923<\/p>\n\n\n\n<p>[6] Berliner Tageblatt, Abendausgabe vom 11.07.1923<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Anf\u00e4nge der Demokratie in Deutschland, so auch in Nowawes und Umgebung, waren gepr\u00e4gt von Aufbruch und Ver\u00e4nderung, aber auch politischer Gewalt und wirtschaftlicher Unsicherheit. Am 15.&nbsp;Januar 1919 waren Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, Gr\u00fcndungsmitglieder der KPD, ermordet worden, am 21.&nbsp;Februar 1919 fiel der bayerische Ministerpr\u00e4sident Kurt Eisner einem Attentat zum Opfer. 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