{"id":1575,"date":"2021-01-15T22:11:04","date_gmt":"2021-01-15T20:11:04","guid":{"rendered":"http:\/\/rotes-nowawes.de\/?p=1575"},"modified":"2021-01-16T09:32:24","modified_gmt":"2021-01-16T07:32:24","slug":"15-januar-2021-81-todestag-von-albert-klink","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rotes-nowawes.de\/?p=1575","title":{"rendered":"15. Januar 2021 \u2013 81. Todestag von Albert Klink"},"content":{"rendered":"\n<p>Am 15.01.1940 wurde der Antifaschist und Kommunist Albert Klink von den Nationalsozialisten im Konzentrationslager Sachsenhausen ermordet. Zudem hat Albert Klink am 03.03. dieses Jahr seinen 110. Geburtstag. Grund genug, um sein Grab auf dem Friedhof in der Goethestra\u00dfe aufzusuchen und seiner Person zu gedenken.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 03. M\u00e4rz 1911 wurde Albert Klink in Tiefwerder\/Spandau geboren. Sein Vater, ein alter Mitstreiter Karl Liebknechts, war Schmied und nahm aktiv am Kampf der revolution\u00e4ren Arbeiterbewegung teil. Er wurde wegen seines aufrechten Kampfes gegen den deutschen Militarismus im ersten Weltkrieg von der Reaktion ermordet. Alberts Mutter war eine der ersten Mitglieder der KPD in Nowawes und Mitglied des Arbeiter-Samariter-Bundes. In dieser Eigenschaft begleitete sie Demonstrationen, Kundgebungen und Versammlungen der Arbeiterbewegung. Sie ging stets in Schwesternkleidung und war daher in Nowawes vor 1933 gut bekannt und angesehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Albert Klink besuchte in Nowawes die Volksschule. Wie seine zwei \u00e4lteren Geschwister, Willi und Maria Klink, half er mit, die Familie zu ern\u00e4hren. Jeden Morgen um 5 Uhr, noch vor dem Schulunterricht, mussten die Kinder Zeitungen austragen und verkaufen, da die alleinstehende Mutter in der Fabrik nicht genug Geld verdiente. Albert wurde Mitglied der Kindergruppe der Arbeiterjugend, des Jung-Spartakus-Bundes.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Abschluss der Volksschule erlernte er den Beruf eines Tapezierers und Dekorateurs. Bereits als Lehrling beteiligte er sich an den Aktionen des Kommunistischen Jugendverbandes Deutschlands in Nowawes und wurde 1925 in den Verband aufgenommen. Albert lernte das ganze Elend der Arbeiterjugend der Weimarer Republik in jenen Jahren kennen. Nach seiner Lehrzeit war er arbeitslos, jedoch nicht unt\u00e4tig. Er tapezierte bei Genossen, klebte Plakate f\u00fcr die KPD und verteilte Agitationsmaterial. Gemeinsam mit vielen jungen Arbeitern wie Ida B\u00f6cklinger, Else Graening, Paul Schmidt, Erna Schuster, Erna und Paul Thiele u. a. Nowawesern organisierte er sich im Touristikverein \u201eDie Naturfreunde\u201c. Dieser weit verbreitete Arbeiterwanderverein hatte im Statut eine marxistische Zielstellung. Besonders in der Chorgruppe des Wandervereins engagierte sich Albert Klink. Neben der Kunst widmete sich der Verein auch der Aufkl\u00e4rungsarbeit \u00fcber die Sowjetunion. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Albert Klink geh\u00f6rte zu den aktivsten Jungkommunisten. Sein besonderes Interesse galt dem Aufbau einer eigenen revolution\u00e4ren Agitpropgruppe des KJVD in Nowawes, den \u201eRoten Funkern\u201c, deren Leiter er wurde. Weit \u00fcber Nowawes hinaus trugen sie ihre Songs, ihre Sketche, ihre Losungen und Sprechch\u00f6re vor.<\/p>\n\n\n\n<p>Ende der zwanziger Jahre wurde Albert Klink Mitglied der KPD in Nowawes und leistete hier eine umfangreiche Parteiarbeit. 1931\/32 nahm er an Kursen \u00fcber Marxismus-Leninismus teil, die von Walter Junker gehalten wurden. Walter Junker, Leiter der Ortsgruppe des KJVD und ab 1932 Politischer Leiter der KPD-Ortsgruppe Nowawes, vermittelte notwendige marxistisch-leninistische Kenntnisse, um die jungen Genossen zu bef\u00e4higen, die politische Arbeit in den Zellen konkreter und zielstrebiger zu f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>Verhaftet wurde er unter anderem kurz nach der Demonstration im Zuge der Ermordung von Herbert Ritter am 12. November 1931. Gerade einmal 20 Jahre alt, wird er von der Polizei wegen angeblich \u201eungesetzlichen Waffenbesitz\u201c verhaftet und zu einer Gef\u00e4ngnisstrafe zu dreieinhalb Monaten verurteilt. Er wohnte bei seiner Mutter.<\/p>\n\n\n\n<p>Die engsten Kampfgef\u00e4hrten Albert Klinks in der Stra\u00dfenzelle 6 der KPD in Nowawes waren Walter Junker, Walter Klausch u.a. Die jungen Genossen suchten und fanden unter der Leitung von Walter Junker die richtigen Formen und Methoden der Agitation und Propaganda. So waren sie zum Beispiel h\u00e4ufig auf dem Land unterwegs, um dort die sogenannte Landagitation zu betrieben. Nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten organisierte er sich im antifaschistischen Widerstandskampf.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Wohnung seiner Mutter vervielf\u00e4ltigte er mit seinen Kampfgef\u00e4hrten auf einer handbetriebenen Druckpresse antifaschistische Flugbl\u00e4tter, die dann von ihnen verteilt wurden. Spitzel der Nazis verrieten Albert Klink an die Gestapo. Nach der ersten gro\u00dfen Verhaftungswelle im Zusammenhang mit dem von den Nazis initiierten Reichstagsbrand, die besonders gegen die Funktion\u00e4re der KPD gerichtet war, emigrierte Albert Klink im Auftrag der Partei nach Prag, um sich seiner drohenden Verhaftung zu entziehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch auch im Ausland lie\u00df er seine politische T\u00e4tigkeit nicht ruhen. Gemeinsam mit anderen Emigranten k\u00e4mpfte er gegen den Faschismus in Deutschland. Er war in der antifaschistischen Grenzarbeit der Partei eingesetzt und traf auch hier mit seinem Kampfgef\u00e4hrten Walter Junker zusammen. In Prag hatte Albert Klink Arbeit bei einem Tapeziermeister gefunden, was unter den damaligen Verh\u00e4ltnissen sehr viel wert war, da die meisten Emigranten arbeitslos waren. Auch in der Tschechoslowakei geh\u00f6rte viel Mut dazu, sich als deutscher Kommunist politisch zu bet\u00e4tigen, da st\u00e4ndig die Gefahr bestand, von den b\u00fcrgerlichen Beh\u00f6rden nach Deutschland ausgewiesen zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Als die deutsche Wehrmacht im Oktober 1938 im Zuge des M\u00fcnchner Abkommens in die Tschechoslowakei einmarschierte, musste Albert Klink jederzeit mit seiner Verhaftung rechnen. Bei einer der vielen Polizeiaktionen, die nach der Besetzung von der Gestapo durchgef\u00fchrt wurden, geriet er in die F\u00e4nge der Gestapo.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach seiner Verhaftung im M\u00e4rz 1939 wurde er von der Gestapo zun\u00e4chst nach Dresden und anschlie\u00dfend nach Potsdam \u0131n Untersuchungshaft verschleppt. Albert Klink wurde monatelang vernommen, grausam geschlagen und misshandelt. Die Gestapo konnte ihm seine illegale T\u00e4tigkeit in der Emigration nicht nachweisen, deshalb bekam er kein Gerichtsverfahren. Im Oktober 1939 wurde er dann als \u201eSchutzh\u00e4ftling\u201c in das ber\u00fcchtigte Konzentrationslager Sachsenhausen bei Oranienburg eingeliefert.<\/p>\n\n\n\n<p>Schon nach einem knappen Vierteljahr bekam seine Mutter einen Brief vom Konzentrationslager, in dem lakonisch mitgeteilt wurde, ihr Sohn sei an einer \u201eLungenentz\u00fcndung\u201c gestorben. Franz Guggenberger, der selbst jahrelang H\u00e4ftling in Sachsenhausen war, berichtete sp\u00e4ter, dass er auf sadistische, unvorstellbare grausame Art ermordet wurde. \u201eAm 15. Januar 1940, nach dem Morgenappell, wurde Genosse Klink in das ber\u00fcchtigte Vernehmungszimmer im SS-Block gef\u00fchrt. Unmenschliche Folterungen musste er dort \u00fcber sich ergehen lassen. Nach einer Stunde war er so zugerichtet, dass er sich nur noch mit M\u00fche auf seinen Beinen halten konnte. Anschlie\u00dfend schleppte man den Halbtoten in den Duschraum, wo er mit dem t\u00f6dlich wirkenden \u00dcberdruckwasserstrahl bearbeitet wurde. Als auch diese Qu\u00e4lerei noch nicht den beabsichtigten Erfolg hatte, musste Albert Klink in v\u00f6llig ersch\u00f6pftem Zustand mit durchn\u00e4sster Kleidung bei 15 Grad K\u00e4lte am Lagertor vor der SS-Wache im Freien stehen. Er durfte sich dabei nicht bewegen. Das war das ber\u00fcchtigte Torstehen unter erschwerten Bedingungen. Nach einigen Stunden brach Albert Klink zusammen, er war nur noch ein Eisklumpen, v\u00f6llig starr gefroren. Er war sofort tot.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der Text wurde leicht gek\u00fcrzt und zusammengefasst und beruht auf das Kapitel \u201eIm Konzentrationslager Sachsenhausen zu Tode gequ\u00e4lt \u2013 der Jungkommunist Albert Klink\u201c in \u201eMitgestalter der Geschichte \u2013 Wegbereiter unserer Zeit\u201c (Potsdam 1980).<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"747\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/rotes-nowawes.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Albert-Klink-747x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1576\" srcset=\"https:\/\/rotes-nowawes.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Albert-Klink-747x1024.jpg 747w, https:\/\/rotes-nowawes.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Albert-Klink-219x300.jpg 219w, https:\/\/rotes-nowawes.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Albert-Klink-768x1053.jpg 768w, https:\/\/rotes-nowawes.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Albert-Klink-1120x1536.jpg 1120w, https:\/\/rotes-nowawes.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Albert-Klink-1493x2048.jpg 1493w, https:\/\/rotes-nowawes.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Albert-Klink.jpg 1854w\" sizes=\"auto, (max-width: 706px) 89vw, (max-width: 767px) 82vw, 740px\" \/><figcaption>Foto: Albert Klink. Aus: Mitgestalter der Geschichte \u2013 Wegbereiter unserer Zeit (Potsdam 1980)<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 15.01.1940 wurde der Antifaschist und Kommunist Albert Klink von den Nationalsozialisten im Konzentrationslager Sachsenhausen ermordet. Zudem hat Albert Klink am 03.03. dieses Jahr seinen 110. Geburtstag. Grund genug, um sein Grab auf dem Friedhof in der Goethestra\u00dfe aufzusuchen und seiner Person zu gedenken. Am 03. M\u00e4rz 1911 wurde Albert Klink in Tiefwerder\/Spandau geboren. Sein &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/rotes-nowawes.de\/?p=1575\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201e15. Januar 2021 \u2013 81. 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