Walter Junker

Walter (Karl, Albert) Junker wird am 27. November 1910 als viertes Kind einer Arbeiterfamilie in Berlin-Wannsee geboren. Während der Vater als Bauarbeiter tätig ist, arbeitet die Mutter als Waschfrau. 1925 beendet Walter Junker seine schulische Ausbildung an der Volksschule. Um die Lebenslage der Familie zu verbessern, muss er mehreren schlecht bezahlten Nebenbeschäftigungen nachgehen. So arbeitet er bei einem Einzelhändler und außerdem als Balljunge auf den Tennisplätzen der damals schon zahlreichen gutsituierten Wannseer:innen. In seiner spärlichen Freizeit widmet er sich so oft wie möglich dem Arbeitersport im selben Stadtteil. Politisch prägen ihn die Erlebnisse in der wirtschaftlich schwierigen Zeit der Weimarer Republik sowie sein Vater und zwei seiner Schwestern, die alle Mitglieder der SPD sind.

1925 beginnt er eine Lehre zum Werkzeugmacher im Dynamowerk bei Siemens-Schuckert in Berlin-Siemensstadt. Das 1907 am Nonnendamm eröffnete Dynamowerk gilt zu dieser Zeit als einer der größten und modernsten Fabriken in Europa; der gesamte Siemens-Komplex ist ein riesiges Industrieareal. Die politischen und sozialen Kämpfe der Weimarer Republik, besonders unter der Arbeiterschaft, machen auch vor Walter Junker nicht halt. In dieser Zeit wird er Mitglied der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ), aus der er jedoch 1928 wegen der reaktionären und aufrüstenden Politik der SPD wieder austritt. Während seiner Lehrzeit engagiert er sich gewerkschaftlich in der Metallarbeiterjugend. Neues politisches Betätigungsfeld findet Walter Junker ab 1928 gemeinsam mit einigen Freunden im KJVD (Kommunistischer Jugendverband Deutschlands). Im Dynamowerk gründen sie eine Betriebszelle des KJVD und bringen Zeitungen und Artikel für die KPD-Betriebszeitung Siemens-Lautsprecher sowie die Jugendzeitung Siemens-Jungprolet heraus.

Sein politisches Engagement führt ihn 1928 als Leiter in die KJVD-Ortsgruppe nach Nowawes, dem heutigen Babelsberg. Seine politische Tätigkeit bleibt seinem Arbeitgeber Siemens nicht verborgen. Es ist anzunehmen, dass sowohl die wirtschaftliche Situation in jener Zeit als auch seine politische Betätigung dazu führen, dass er acht Monate nach seinem erfolgreichen Ausbildungsabschluss im Dezember 1929 entlassen wird. Einer historisch-biografischen Arbeit über Walter Junker ist zu entnehmen, dass er um den Jahreswechsel 1930/31 noch Wohlfahrts-Notstandsarbeiten beim Gartenbauamt Berlin-Zehlendorf ausführt und daher weiterhin bei seinen Eltern in Berlin-Wannsee gemeldet sein muss.

Walter Junker wird Mitglied der KPD und übernimmt ab 1931/1932 die Rolle des Politischen Leiters der Ortsgruppe Nowawes. Als Teil der Straßenzelle 6 der KPD liegt sein politischer Arbeitsschwerpunkt entlang der Großbeerenstraße, als Politischer Leiter ist er jedoch überall präsent. In der damaligen Lützowstraße 5, der heutigen Dieselstraße, ist er mit einer Wohnadresse gemeldet. Die KPD schafft ab Mitte der 1920er Jahre mit den Betriebszellen und dort, wo keine großen Betriebe existieren, durch die Straßenzellen eine Organisationsstruktur, die die innerparteiliche Demokratie und Massenarbeit fördert. Durch seine Zeit in der SAJ kann Walter Junker die Zusammenarbeit mit der SPD intensivieren – kein gewöhnlicher Vorgang in einer Zeit, in der die KPD die Sozialdemokratie als Gegner betrachtet. Wichtig sind ihm auch die Verbindungen in den ländlichen Raum sowie die Herausgabe der Nowaweser KPD-Ortsgruppenzeitung Roter Pionier.

Mit der Machtübertragung an die Nationalsozialisten 1933 und dem Verbot der KPD sowie ihrer Organisationen versucht Walter Junker gemeinsam mit anderen antifaschistischen Widerstandskämpfern wie Alfred Lehnert, Walter Klausch und Albert Klink, die politische Arbeit illegal fortzusetzen. Im März 1933 wird er zusammen mit anderen Personen in seiner Nowaweser Wohnung verhaftet. Die Polizei bringt ihn in das Potsdamer Gefängnis in der damaligen Bauhofstraße (heute Henning-von-Tresckow-Straße). Quellen zufolge spricht er nach seiner Entlassung am 1. Mai 1933 ein letztes Mal bei einem illegalen Treffen am Griebnitzsee zu seinen Genossen. Schließlich muss er, um einer erneuten Verhaftung zu entgehen, in die Tschechoslowakei emigrieren.

Doch auch in Prag ist er nicht sicher. Durch seine fortgesetzte politische Tätigkeit ist er ständig von der Ausweisung bedroht und verlässt Ende August 1935 die Tschechoslowakei in Richtung Österreich. Fast ein Jahr später reist Walter Junker im Juni 1936 mit einem legalen Pass in die Schweiz ein und wohnt zunächst in Zürich bei einem Kommunisten, dessen Schwester in Berlin lebt. Es ist anzunehmen, dass politische Strukturen ihn zu dieser Adresse führen. Hier beantragt er politisches Asyl. Die Polizei vermutet jedoch, dass Junker aus politischen Gründen in der Schweiz ist. Bei einer Vorladung gibt er falsche Daten an und verschweigt unter anderem seine Mitgliedschaft in der KPD. Auch die Jahre des Exils in Prag lässt er unerwähnt; er behauptet, nach wenigen Tagen in Prag direkt in die Schweiz weitergereist zu sein. Die Schweizer Polizei setzt daraufhin einen Detektiv auf ihn an und verweigert ihm das politische Asyl wegen der Einreise über ein Drittland. Seine Odyssee dauert noch einige Monate an, seine Widersprüche gegen den Bescheid werden abgewiesen. In Winterthur kommt er in Wohnungen von bekennenden Linken unter, doch erhält er eine Ausreisefrist bis Ende Oktober bzw. Mitte November 1936.

Über seine Zeit in Österreich und nach seiner Ausweisung aus der Schweiz gibt es keine weiteren Hinweise. Sicher ist, dass sein Status als politischer Flüchtling ein Hauptgrund für die Lücken in den Quellen ist. Es ist anzunehmen, dass er durch seine Parteiarbeit in der KPD und durch bestehende Strukturen im Ausland Unterstützung für politische Geflüchtete erhält. Als er im Oktober/November 1936 die Schweiz verlässt, vergehen anderthalb Jahre, bis er Anfang Juni 1938 erneut in Dokumenten auftaucht – diesmal im Bereitstellungsraum der XI. Internationalen Brigade in Spanien. Über seine Fluchtroute aus der Schweiz nach Frankreich und dann nach Spanien ist nichts bekannt, doch die Rote Hilfe und die Kommunistische Partei Frankreichs unterstützen zu dieser Zeit Antifaschisten und Kommunisten auf ihrem Weg nach Spanien.

Im Juni 1938 erreicht Walter Junker den Bereitstellungsraum der XI. Internationalen Brigade in Falset im Südwesten Kataloniens und wird dem Bataillon „12. Februar“ zugeteilt. Die XI. Brigade ist seit Juli 1937 der 35. Division der spanischen Volksarmee unterstellt. Im Bataillon „12. Februar“ wird er Maschinengewehr-Führer in der Maschinengewehrkompanie. Ziel der republikanischen Kräfte ist es, mit einer Entlastungsoffensive am Ebro den Vormarsch der Faschisten auf Valencia – zu diesem Zeitpunkt Hauptstadt der spanischen Republik – zu stoppen. Die Ebro-Offensive ist die letzte große Schlacht im Spanischen Bürgerkrieg. Am 25. Juli 1938 beginnt sie, und nach einigen Tagen müssen die Faschisten ihre Angriffe auf Valencia einstellen. Ein Brückenkopf am Ebro wird gebildet, schließlich wird der Fluss überschritten. Mit dabei sind aus Nowawes Kapitän Kurt Vogel (Operationschef des 4. Bataillons „12. Februar“), Kurt Laube (Politkommissar im Bataillon „Edgar André“), Paul Kühne (Führer einer Sanitätswagenkolonne in der 35. Division) und Walter Junker.

Seit zwei Tagen befindet sich die spanische Volksarmee mit ihren Internationalen Brigaden in der Vorwärtsbewegung. Die Faschisten ziehen sich nach Gandesa zurück, um dort eine neue Kampflinie aufzubauen. Die Internationalen Brigaden rücken schnell nach. Es ist der 28. Juli, am Mittag wird die Höhe gegenüber der Stadt Gandesa besetzt; der Sturm auf die Stadt soll um 15:00 Uhr beginnen. Doch die franquistischen Truppen eröffnen vorher das Feuer mit Artillerie und Fliegerbomben. Gegen 14:00 Uhr kommt ein Melder von einem benachbarten Bataillon und bittet Kurt Laube mitzukommen, da ein Freund von ihm schwer verwundet sei. Dann sieht Kurt Laube dort Walter Junker liegen. Kurt Laube erinnert sich in einem Zeitungsbericht der Märkische Volksstimme aus dem Jahr 1955: „Er liegt unter Bäumen auf einer Zeltbahn. Explosivgeschoss in die Brust zum Rücken hinaus, es gibt keine Rettung mehr. Aber er liegt ruhig, die Augen geschlossen, atmet noch ganz schwach. Der anwesende Sanitäter gibt mir ein Zeichen, dass es bald zu Ende sein muss. Ich fasse seine Hand: `Walter, Walter hörst du mich?´ Die Augen öffnet er nicht mehr, aber ich spüre einen ganz schwachen Druck seiner Finger. So halte ich seine Finger einige Minuten. Dann ist kein Druck mehr zu spüren, das letzte schwache Atmen hat aufgehört. Er ist eingeschlafen – für immer.“

In einer Kampfpause wird Walter Junker am 28. Juli 1938 bei Corbera d´Ebre, 10 km westlich des Ebros und ganz in der Nähe von Gandesa, begraben.

Quellen:

Kommission zur Erforschung der Geschichte der örtlichen Arbeiterbewegung: Mitgestalter der Geschichte – Wegbereiter unserer Zeit; Potsdam; 1980

Wolf Gerhardt: WalterJunker – Sein Vermächtnis lebt durch unsere Tat; Potsdam 1988

Leben und Wirken des Revolutionärs und Internationalisten Walter Junker; Potsdam; 1969

Brandenburgische Neueste Nachrichten; Jg. 30; Nr. 186 vom 08.08.1980

Märkische Volksstimme; Jg. 10; Nr. 183 vom 07.08.1955

Märkische Volksstimme; Jg. 33; Nr. 170 vom 21.07.1978

Märkische Volksstimme; Jg. 38; Nr. 176 vom 28.07.1983