Die Nowaweser Industriebetriebe

Wer heute durch Babelsberg läuft, der wird nur noch mit Mühe sehen und erahnen können, dass er in einem ehemaligen industriell geprägten Arbeiter*innenort unterwegs ist. Dort, wo heute sanierte Weber- und Mehrfamilienhäuser, Lofts und schicke Innenhöfe das Bild prägen, waren vor wenigen Jahrzehnten noch rauschende Schornsteine, Werkstätten und große Fabrikgebäude zu sehen. Somit wird klar, dass die Geschichte des Roten Nowawes eng mit der industriellen Geschichte des Ortes und seiner Bewohner*innen verbunden ist. Wir versuchen einen kleinen Überblick, über die großen Industriestandorte zu geben. Es folgt eine chronologische Anordnung nach den Straßennamen.

Ahornstr. 28 – 32

Lokfabrik Orenstein & Koppel, MBA, Karl-Marx-Werk

Der aus Posen stammende Jude Benno Orenstein und der aus Dresden stammende Jude Arthur Koppel gründen am 1.4.1876 in Berlin eine offene Handelsgesellschaft zum Vertrieb von Eisenwaren und Eisenbahnmaterial. Nach dem Ausstieg von Koppel, der eine eigene Handelsgesellschaft gründete, holt Benno Orenstein u.a. auch seinen Bruder Max in die Berliner Firma. Da Max, der Ingenieur ist, in die Lokomotivproduktion einsteigen will, Benno sich als Kaufmann jedoch eher dem Handel verschrieben hat, trennen sich die Wege der Brüder und Max gründet in Schlachtensee weit vor den Toren Berlins „im märkischen Sand“ eine kleine Lokfabrik, die „Märkische Lokomotivfabrik“, die ausschließlich für Schmalspurbahnen produziert. Zwischenzeitlich wandelt Benno Orenstein seine Handelsgesellschaft 1897 mit erheblicher finanzieller Unterstützung der Dresdener Bank, die auch Hauptaktionär wird, in eine Aktiengesellschaft um. Die neue kapitalkräftige Gesellschaft errichtet noch vor der Jahrtausendwende Waggonfabriken in Spandau bei Berlin und Dorstfeld bei Dortmund. Die von Max Orenstein erwünschten flächenmäßigen Erweiterungsabsichten in Schlachtensee scheitern an der zunehmenden Parzellierung des Berliner Vorortes für den Villenneubau. Auf der Suche nach einem neuen Standort für seine Lokfabrik erwirbt er 1898 von Neuendorfer und Drewitzer Bauern Felder und Wiesen am damaligen Bahnhof Drewitz und errichtet dort seine neue Fabrik. Nur wenige Monate später verkauft er die schon errichteten Gebäude an die „AG für Klein- und Feldbahnbedarf, vormals Orenstein & Koppel“, deren Generaldirektor weiterhin sein Bruder Benno ist. Mit dem „Drewitzer“ Werk, dass eigentlich auf der Gemarkung von Neuendorf, später Nowawes bzw. Babelsberg liegt, verschiebt sich die Industriestruktur in Nowawes weg von der Textilindustrie hin zur Metallverarbeitung. In der Fabrik wurden in 70 Jahren u.a. 35.000 Lokomotiven gebaut. Hinzu kamen dann in der DDR noch der Bau von ca. 11.524 Autodrehkräne. In wirtschaftlich erfolgreichen Phasen arbeiteten bis zu 4.000 Erwerbstätige im Werk. In der Zeit des Faschismus wurden im Werk zeitweilig über 2600 Zwangsarbeiter ausgebeutet. Das Werk wurde über mehrere Stationen „arisiert“. Der damalige Vorstandsvorsitzende Alfred Orenstein, Sohn des Firmengründers wurde noch 1933 in „Schutzhaft“ genommen, kam wieder frei und emigrierte dann nach Südafrika. Der jüdisch klingende Name der Firma wurde über die Schritte „Maschinenbau und Bahnbedarf Aktiengesellschaft, ehemals Orenstein und Koppel“ und ab 1940 nur noch „Maschinenbau und Bahnbedarf“ getilgt. Während des 2. Weltkrieg war die Fabrik einer der Hauptlieferanten von Kriegsloks der Baureihe 52 zur logistischen Unterstützung des Vernichtungskrieges gegen die Sowjetunion. Im Werk wurden nach der Befreiung von der Roten Armee alle Maschinen demontiert. Es wurden Kleinkonsumgüter in leeren Hallen hergestellt. Nach der Wiederorganisation aller notwendigen Maschinen wurde die Lokomotivproduktion wieder aufgenommen. 1948 wurde das Werk in einen VEB umgewandelt, 1976 wurde auf Beschluss des RGWs die Lokomotivproduktion eingestellt. Danach wurden Klimaanlagen und Autodrehkräne produziert. Das Werk wurde durch die Treuhand 1990 in eine GmbH umgewandelt und 1993 abgewickelt.

Alt Nowawes (vormals Wilhelmstraße) 2, 4, 6, 8

Deutsche Jutespinnerei und Weberei

1862 gründeten die Brüder Julius und Lucas Robert Arntz (beide Berlin) zusammen mit Carl Mathias (Neuendorf) und Carl Otto Busch (Berlin) auf der Gemarkung Neuendorf die erste industrielle Spinnerei auf dem Gebiet des heutigen Babelsbergs. Ab 1863 erfolgte der große Ausbau der Spinnerei. Es entstanden unter anderem das burgenartige Klinkergebäude der Fabrikhalle, eine Anlegestelle mit Kaianlagen an der Nuthe und die Fabrikantenvilla in dem heute noch existieren Gebäude in der Friedrich-List-Straße 8. Als die Arntz-Brüder ab 1865 den Betrieb allein weiterführten, wandelten sie das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft um. Die Firma wurde weiter ausgebaut. Die Ballen mit Roh-Jute wurden aus Amerika, Indien und Russland importiert und kamen in Lastkähne die Elbe, die Oder und die Havel entlang, wo sie an der hauseigenen Anlegestelle gelöscht wurden. Und auf demselben Weg wurden die meisten Produkte der Fabrik, Säcke, Garne und Textilgewebe, wieder exportiert. Nach einem Großbrand übernahm im Jahr 1881 die Deutsche Jutespinnerei und Weberei AG Meißen die Firma. Es begann ein weiterer Ausbau des Betriebes. Neben Fabrikanlagen und Sozialgebäuden wurden auch acht Angestellten- und Arbeiterwohnhäuser erbaut sowie ein Wohnheim für weibliche Mitarbeiter. Das Werksgelände umfasste nun 45.289 Quadratmeter. 1887 wurde der Betrieb zur zweitgrößten Jutespinnerei des Deutschen Reiches. Die Wirtschaftskrise Ende der 1920er Jahre verschonte auch die Jutespinnerei nicht. 1932 wurde das Unternehmen an die Braunschweigische Aktiengesellschaft für Jute- und Flachs-Industrie verkauft. Während der Bombardierung Potsdam durch die Royal Air Force am 14. April 1945 wurde auch den größten Teil des Werksgeländes zerstört. Die alte Fabrikhalle und die Fabrikantenvilla sowie einige Nebengebäude blieben aber erhalten. Während der DDR-Zeit diente die einstige Fabrik als Lager für “Waren des täglichen Bedarfs”. Der langjährige Direktor des Unternehmens, Richard Döring, war viele Jahre Mitglied der Gemeindevertretung von Nowawes und Vorsitzender des Arbeiter-Bau-Vereins. 2018 wurde ein Teil des Geländes und die Spinnerei zu „Jute – Lofts“ im Jute Kiez umgebaut. 1905: Neuendorf, Potsdamer Str. 3-4

Q: www.potsdam-wiki.de/index.php/Deutsche_Jutespinnerei_und_Weberei_AG_Meißen

Alt Nowawes (vormals Wilhelmstraße) 3, 5, 7, 9

Berlin-Neuendorfer Smyrna Teppichfabrik (Inh.: Karl Hozak)

Die Firma Karl Hozák wurde im Jahr 1884 als Heuveldop & Hozak OHG gegründet. Sie produzierte hauptsächlich Teppiche. Die Firma trug den Titel eines königlichen und kaiserlichen Hoflieferanten und versorgte unter anderem die Potsdamer Schlösser, das Berliner Stadtschloss, das Reichstaggebäude und den preußischen Landtag mit seinen handgeknüpften Smyrna-Teppichen. 1905: Neuendorf, Potsdamer Str. 8

Q: www.potsdam-wiki.de/index.php?title=Teppichfabrik_Karl_Hozák

Alt Nowawes (vormals Wilhelmstraße) 10, 14, 16, 18

Norddeutsche Wollkämmerei & Kammgarnspinnerei

Im Jahr 1865 wurde die „Berlin-Neuendorfer Aktienspinnerei“ gegründet. In dem sich schnell wachsenden Unternehmen arbeiteten Spinnerei-, Zwirnerei-, Kämmerei- und Webmaschinen. 1907 wurde die Spinnerei von der Norddeutsche Wollkämmerei & Kammgarnspinnerei übernommen, die bereits seit 1899 eine Aktienmehrheit des Unternehmens besaß. Für den Betrieb wurde der Kurzname Nordwolle von der Bevölkerung vom Mutterkonzern mit übernommen. Es folgten weitere Aus- und Neubauten, sodass die Betriebsfläche auf über 43.000 Quadratmeter anwuchs. Unter anderem wurden Färbereien errichtet, wodurch Garne mit vielfältigen Farben hergestellt werden konnten. Die NWK entwickelte sich zum Marktführer seiner Branche und war in den 1920er Jahren eines der größten Textilunternehmen der Welt. Es hatte in Nowawes bis zu 500 Erwerbstätige. 32040 Feinspindeln, 3500 Zwirnspindeln, 214 Spinnerei- Zwirnerei-, Kämmerei und Webmaschinen produzierten und verarbeiteten Garn. 1927 firmierten Franz Meyer und Ernst Schulz als Direktoren der Fabrik. Ende der 1920er Jahre stellte der Betrieb seine Produktion ein. Das Gelände und seine Gebäude wurden fortan von Kleinbetrieben als Produktionshallen und Lager genutzt. Durch die Bombardierung der Stadt am 14. April 1945, wurde ein Großteil der Gebäude zerstört. Nach dem Krieg wurden lediglich die Trümmer und Reste der Gebäude beseitigt. Das Gelände blieb eine Brache. Das Gelände wird heute im Wesentlichen durch die Nuthe – Schnellstraße durchquert. 1905: Neuendorf, Potsdamer Str. 1-2

Q: www.potsdam-wiki.de/index.php/Norddeutsche_Wollkämmerei_%26_Kammgarnspinnerei

Alt Nowawes (vormals Wilhelmstraße) 28

Bürgerliches Brauhaus GmbH

Das Brauereigebäude besteht aus mehreren Gebäudeteilen, die in kurz aufeinander folgenden Zeitabständen entstanden sein müssen. Mit dem Bau des ältesten Gebäudes, dem Kühlturm, wurde vermutlich schon zwischen 1860 und 1875 begonnen. Angrenzend an den Kühlturm wurden die Lager- und Gärkeller errichtet. 1885 erfolgte der Bau des Hauptgebäudes der Brauerei. Dieser viergeschossige Klinkerbau bildet mit seiner zur Straße Alt Nowawes gerichteten attraktiven Fassade den repräsentativen Teil der Brauerei. Neben dem Sudhaus und einem Raum für An- und Ablieferung enthielt das Hauptgebäude auch Lager- und Büroräume. Einige Nebengebäude, wie z.B. die an der nordöstlichen Grundstücksgrenze gelegenen Pferdeställe, sind ebenfalls in der Zeit um 1885 entstanden. Bereits im Jahr 1882 werden als Grundstückseigentümer Louis Hildebrandt und als Bauherr die Bürgerliche BrauhausGmbH Nowawes benannt. Die Hauptniederlassung befand sich seit 1871 in der Berliner Hauptstraße, der späteren Kindl-Brauerei, und braute das Bier der Marke „Schlossbräu“. Die Nutzung für die Produktion und Lagerung von Getränken ist bis 1939 nachgewiesen. Während des 2. Weltkrieges dienten die Gewölbekeller der Brauerei als Luftschutzkeller für die Babelsberger. Die unzerstörten Gebäude wurden nach 1945 mehrfach umgenutzt. Die Tischlerei Staberock verblieb bis 1955 in den ehemaligen Pferdeställen. Die seit 1920 auf dem Gelände ansässige Werkstatt für Werkzeug- und Maschinenbau „Holubars & Kosch” zog in das Brauereigebäude. Darüber hinaus dienten die gutisolierten Räume der Brauerei einem Nahrungsmittelgroßhandels Lager. Im Jahre 1959 wurden beide Betriebe verstaatlicht und die Gebäude bis 1990 gemeinschaftlich von der PGH Metallhandwerk Babelsberg und der HO für Waren des täglichen Bedarfs genutzt.

Q: www.stadtkontor.de/wp-content/uploads/2013/02/bab_buergerinfo_12.pdf

Alt Nowawes (vormals Wilhelmstraße) 29 – 33

Mechanische Jute- und Hanfweberei (Inh. Louis Nathan)

Die Weberei wurde von Louis Nathan im Jahr 1866 gegründet. Hier wurden hauptsächlich so genannte Rupfen produziert. Dieser Stoff besteht aus Hanf und Jute und wurde vor allem als Wandbespannung genutzt. Diese wurden unter anderem an die königlichen Schlösser und Gärten von Potsdam geliefert. Außerdem wurden Gurte hergestellt und es existierte eine eigene Färberei für Jute- und Hanfwaren. Der Besitzer Louis Nathan (1856 – 1925) gehörte seit 1896 dem Vorstand der Synagogengemeinde Potsdam an und war viele Jahre Gemeindevertreter in Nowawes. Als Kreistagsabgeordneter in Teltow unterstütze er den Bau des Teltowkanals.

1905: Adresse Wilhelmstr. 1

Alt Nowawes (vormals Wilhelmstraße) 29 – 33

NOWA-Werk (Inh. Fritz Nathan)

Fritz Nathan, der zuvor bei Lindcar tätig war, gründete das Unternehmen am 24. Mai 1923. Im gleichen Jahr begann die Produktion von Automobilen. Der Markenname lautete Nawa. 1924 wurde zusammen mit einem neuen Partner die Nowa-Werke AG gegründet. Auf der Berliner Automobilausstellung 1925 wurden fünf Fahrzeuge ausgestellt. Insgesamt entstanden in den beiden Unternehmen zusammen etwa 200 Fahrzeuge. Hier wurden 2 offene Autotypen, die zwei oder viersitzig waren gebaut und jeweils über 12 oder 18 PS Motoren verfügten. Die geschlossene Limousine mit 25 PS, 1926, wurde nicht mehr realisiert. Die Motoren kamen von den Steudel Werken. Es gab zwischen 20 und 50 Beschäftigte. 10 Autos wurden im Monat gebaut mit der Absicht auf 30 gefertigte (und dann auch verkaufte) Autos zu erhöhen. 1925 kostete ein Nowa-Wagen ca. 5.500 Reichsmark. Die Autoproduktion war nur durch den parallelen Reparaturbetrieb „rentabel“. Am 31. August 1926 schloss das Werk wegen Unwirtschaftlichkeit. Fritz Nathans Spur verliert sich im Hafen von Genua (letztes Lebenszeichen) auf der Flucht vor den Nationalsozialisten.

Q: wikipedia.org/wiki/Nathan-Wagen

Alt Nowawes (vormals Wilhelmstraße) 30 – 32

Delepper & Kosch, Werkzeug- und Maschinenbau

1927, zog dann in die Kaiser-Wilhelm-Str. 34

Alt Nowawes (vormals Wilhelmstraße) 89

Mechanische Schuhfabrik Jakob Filip (Ballschuhe)

1914

Benzstr. (vormals Retzowstr.) 8 – 9

Schuhfabrik Haase & Ruß

1905: Adresse Lindenstr. 5

Benzstr. (vormals Retzowstr.) 12 – 14a

Teppichfabrik Michaelis & Behrend

ab 1905, vorher: Wilhelmstr./Friedrichstr. Michaelis & Behrend 1900 gegründet, begann in der Friedrichstraße, heute Garnstraße, mit der Herstellung von einfachen Juteteppichen. Nach dem Umzug 1905 in die Retzowstraße, heute Benzstraße 11 wurde die Produktion auf Woll – Perser – Teppiche umgestellt. In der DDR konnte man dort Zelte zur Reparatur abgeben.

Benzstr. (vormals Retzowstr.) 22

Sack-, Plan- und Zeltefabrik D.R.Halemeyer AG

1927 gegr. 1820 in Potsdam, 1914 in Nowawes

Friedrich-Engels-Str. 21a (vormals Kaiser-Wilhelm-Str. 1/3)

Seidenwarenfabrik Michels & Co.

1914

Elektrola Gesellschaft mbH Schallplatten und Musikinstrumente

1925 – 1934 Friedrich-Engels-Str. 21a (vormals Kaiser-Wilhelm-Str. 1/3)

ARADO Flugzeugwerke GmbH

1938

Friedrich-Engels-Str. 38 (vormals Kaiser-Wilhelm-Str. 17)

Karl Middendorf Malzbierbrauerei

1938 – 1949

Friedrich-Engels-Str. 43 (vormals Kaiser-Wilhelm-Str. 22)

Mineralwasser-Fabrik und Bierverlag „Zum Eisbären“ (Inh. Richard Schneiderchen)

1914 – 1949

Friedrich-Engels-Str. 55 (vormals Kaiser-Wilhelm-Str. 34)

Dekepper & Kosch, Werkzeug- und Maschinenbau

1934 – 1938

Friedrich-Engels-Str. 56 (vormals Kaiser-Wilhelm-Str. 29/30)

Schultheiß-Brauerei

1905 Brauerei 1927 DRG

Friesenstr. 1 – 3

„Apag“ Präzisionsguß AG

1927 1949: Kfm. Georg Peter verstorben (bisher Vorstand); neuer Vorstand: Richard Seel und Hans Bruno Greiff

DDR: APAG Aluminium-Präzisionsarmaturen-Guß Potsdam-Babelsberg

Fritz-Zubeil-Str. (vormals Husarenstr.) 17

Wollmershäuser & Gurth Mechanische Werkstätten (Inh. Hermann Gurth und Hugo Wollmershäuser)

1914 – 1927

Wollmershäuser & Gurth Maschinen und Apparatebau

1934 – 1938 Jacob Walcher: 1916 Spitzendreher in einer Pulverfabrik (Inhaber Wollmershäuser & Gurth) in Nowawes bei Potsdam

Garnstr. (vormals Friedrichstr.) 29

Mineralwasserfabrik Marie Kißler / Selterwasserfabrik Bernhard Kalbhen

1914 – 1919

Gartenstr. 2, 4, 6, 8, 10

Caprano GmbH Fabrik farbiger Leder und Bakteriochemisches Institut „Ciba“ der Gesellschaft für Chemische Industrie (Basel)

1914 – 1919

Gartenstr. 2, 4, 6, 8, 10 Reifengesellschaft der Firma Gollert

Glissa Garn GmbH Fabrikation kunstseidener Handarbeitsgarne

1927 – 1938

1936: Geschäftsführer: Kaufmann Wilhelm Wuppermann u. Dr.-Ing. Hans Fikentscher

Gartenstr. 26

Lackfabrik (Inh. Ferdinand Hagen)

1914 – 1919

Glasmeisterstr. (vormals Charlottenstr.) 2-3

Continental Gasanstalt Dessau

Das Unternehmen wurde 1855 in Dessau gegründet und errichtete 1866 eine Filiale in Neuendorf. Ab 1929 sind die Teltower Kreiswerke GmbH Besitzer.

Glasmeisterstr. (vormals Charlottenstr.) 5

Fabrik seidener und wollender Schals und Tücher H. Ch. Lattermann (Inh. Oskar Reinhold)

1914

Grenzstr. 14 – 15

Mitteldeutsche Gamaschenfabrik MIGAM (Inh. Edmund Brasch und N. Abraham) 1927 – 1938

1919 in Nowawes, davor in Driesen (Drezdenko), 1927 Edmund Brasch (… – 1932), 1934 -1938 Herta Brasch N. Abraham (… – 1940)

1898 Franz Müller, Metall-Gewebe-Fabrik

Großbeerenstr. 105 – 119

Romeylowerk Gesellschaft für drahtlose Telegraphie vorm. Backhaus & Gebr. Rothe mbH

Friesecke & Höpfner, Spezialwerk für Flugfunktechnik

In den Jahren von 1910 bis 1913 entstand für die Firma Wollmershäusser und Gurth in der Großbeerenstraße 105 bis 119 ein Industriekomplex. Anfang der 1930er Jahre wurde von den Unternehmern Karl Roth und Heinrich Meyer-Lomax die Firma „Romeylowerk“, gegründet, die in diesen Gebäuden einzog. Wenige Jahre später, im Jahr 1939, wurden Roth und Meyer-Lomax enteignet und die Firma in „Frieseke & Höpfner“ umbenannt. Produziert wurden feinmechanische Geräte der drahtlosen Nachrichtentechnik. Hauptauftraggeber war in erster Linie die Reichspost. Das florierende Unternehmen wurde schon in den Anfangsjahren extrem erweitert. In den Jahren von 1934 bis 1936 musste die Belegschaft – auf 370 Mitarbeiter – mehr als verfünffacht werden. Auch die Entwicklungsabteilung des Werkes leistete seinen Beitrag zum Erfolg des Betriebes. Durch viele neuartige Patente wurde das Luftfahrtministerium auf das Nowaweser Unternehmen aufmerksam. Es dauerte nicht lange, und das Reichsluftfahrtministerium wurde neuer Hauptauftraggeber. Das Jahr 1936 brachte einschneidende Änderungen für den Betrieb. Unter dem Vorwurf die Produkte zu teuer zu verkaufen und somit das Deutsche Reich zu schädigen wurden die Gesellschafter Roth und Meyer-Lomax verhaftet und zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Das Unternehmen wurde mittels Konkursverfahren enteignet und ging in der Auffanggesellschaft, „Gerätebau GmbH Babelsberg“, auf. Hans Frieseke und Friedrich Höpfner – beide aus der Führungselite der Dessauer Junkerwerke – erhielten im Jahr 1939 den Auftrag die Gerätebau GmbH Babelsberg zu erwerben und zu führen. Die Produktion umfasste Notsender, Antennenanlagen, Peilanlagen und weitere Technik für den Funkverkehr in der Luft. Um die Aufträge des Reichsluftfahrtministeriums erfüllen zu können, wurde ein zweites Werk in Breslau (später Wroclaw/Polen) errichtet. Die Zahl der Mitarbeiter stieg bis zum Jahr 1943 auf 2.350 in Babelsberg und 1.775 in Breslau an. Die meisten Beschäftigten waren aber Zwangsarbeiter aus Osteuropa. Diese wurden in werkseigene Zwangsarbeiterlager untergebracht, welche sich unter anderem in der Großbeerenstraße 237, in der 215 bis 219 und in der Straße Konsumhof befanden. Im Frühjahr 1945 setzten sich Frieseke und Höpfner nach Erlangen, in den Westen Deutschlands, ab und gründeten – ungeschoren wegen der Ausnutzung der Sklavenarbeit – eine neue Firma. Das Betriebsgelände in Babelsberg wurde nach dem Zweiten Weltkrieg als Karl-Marx-Werk II weitergenutzt.

Q: www.potsdam-wiki.de/index.php/Frieseke_&_H%F6pfner

Johannsenstr. (vormals Bismarckstr.) 5    

Mechanische Stickerei und Weberei Max Iden sen.

1934   

Johannsenstr. (vormals Bismarckstr.) 13 – 17     

Wollwarenfabrik Adolf Pitsch

Der jüdische Unternehmer Adolf Pitsch (7.12.1851 Berlin – 29.10.1904 Berlin) betrieb schon 1880 in der Berliner Brüderstraße 22 – 23, später in der Kurstr. 38 eine Fabrik für Trikot- und Konfektionsstoffen, Federbesätze, Plüsch und Krimmer. Pitsch errichtete im Jahr 1890 eine Textilfabrik in Neuendorf, wobei die Vermarktung seiner Stoffe weiterhin in der Berliner Kurstr. erfolgte und er in der Berliner Linkstr, 3 wohnte. 1900 befand sich das Geschäftsbüro in der Mohrenstr. 38 und zu Adolf Pitsch traten Ernst Julius Lehrs (25.4.1863 – 8.10.1918 Berlin) und sein Schwager Hugo Levy als weitere Eigentümer. 1905 befindet sich das Verkaufsbüro in der Oberwallstraße 9. Nach dem Tod von Adolf Pitsch werden Hugo Levy, die Tochter des Firmengründers Charlotte Mayer und seine Witwe Anna Pitsch aus der Berliner Linkstr. 3 als Firmeninhaber geführt. Das Firmenbüro befindet sich am Hausvogteiplatz 6/7. Es wurde vom einfachen Urstoff bis zum nähfertigen Tuch alles produziert. Das Werk besaß eine eigene Großkesselanlage und verfügte über ein eigenes Kraftwerk zur Herstellung der notwendigen Elektroenergie. 1910 Direktor in Berlin: Paul Eisner

1914 Th. May Spinnereileiter

1920 werden bei Adolf Pitsch in Nowawes auch Möbel hergestellt. Ab 1921 wird als Inhaber der Firma nur noch der persönlich haftenden Gesellschafter Hugo Levy aus der Nowaweser Domstr. 7 erwähnt.

1930    Adolf Pitsch AG Nowawes, Kronenstr. 33

1934    Adolf Pitsch AG Nowawes, Dir. J. Lazarowicz; kein Verkauf mehr in Berlin

Am Ende der 1920er Jahre musste wegen der Wirtschaftskrise die Produktion eingestellt werden. Die Gebäude blieben jahrelang ungenutzt. Der Wirtschaftsaufschwung während der Zeit der Nationalsozialisten brachte nur minimale Ausnutzung der Gebäude. Verschiedene kleine Firmen mieteten einzelne Gebäude, die immer noch der Adolf Pietsch AG gehörten. Die antisemitischen Gesetze zwangen die jüdischen Gesellschafter der Aktiengesellschaft das gesamte Gelände zu veräußern. In den leerstehenden Fabrikhallen wurden nun hauptsächlich Kundgebungen abgehalten oder militärische Verbände untergebracht, die in Potsdam bei Aufmärschen dabei waren. Während des Zweiten Weltkrieges wurde hier die Reichsreserve an Getreide gelagert.

Gebäude wurden an Militärzulieferer verpachtet. Auch die Firma Stollenwerk siedelte sich hier 1935 an und produzierte u.a. mobile Operationseinrichtungen für Frontlazarette und Krankentransportgeräte. 1936 brach in der Fabrik ein Großbrand aus der fast die gesamten Einrichtungen vernichteten. Nach den Aufräumungsarbeiten siedelten sich erneut kleinere Unternehmungen wie, Schirmbeck & Seven, Helm & Co, Malinowski & Cound Heinis Knäckebrotfabrik an.

1965 wurde auf dem geräumten „Gelände der ehemaligen Bäckerei“ der Betriebshof des „VEB Personenkraftverkehr Potsdam – Babelsberg“ gegründet und als solches bis zum heutigen Tag (VIP)genutzt.

Q: www.potsdam-wiki.de/index.php/Adolf_Pitsch_Aktiengesellschaft

Karl-Liebknecht-Str. 36 (vormals Priesterstr. 31)

Metallwarenfabrik Nowawes GmbH

1927

Plüsch- und Krümmerfabrik (Inh. Hugo Ivers)

1927

„Nowa“ Metallwaren Thurmann & Co.

1934 – 1938

Karl-Liebknecht-Str. 125 (vormals Priesterstr. 72)         

Steppdeckenfabrik Oskar Allner & Co. (Inh. Gustav Goldstein)

1914

Lessingstr. 20 (vormals Feldstr. 16)           

Spezialfabrik für Geldschränke (Inh. Karl Schleiff)

gegr. 1866

1927: Geldschrankfabrik und Sicherheitsschlösser

Otto-Erich-Str. (vormals Schillerstr.) 9/15

Buchdruckerei Imberg & Lefson

1878 gegr.

So findet sich in dem Archiv die seltene Originalausgabe des „Berichts über die Lage des armenischen Volkes in der Türkei“, in dem Lepsius zum ersten Mal Details über den Genozid in Deutschland öffentlich bekannt machte, bei dem zwischen 1915 und 1917 über eine Million Menschen umgebracht wurden. 20000 Exemplare des Buchs konnte Lepsius versenden, bevor seine Schrift von der deutschen Militärzensur verboten wurde. „Da Deutschland und das Osmanische Reich im 1. Weltkrieg zusammen kämpften, sollte der Völkermord nicht thematisiert werden“, erklärt Goltz. Ebenso ist im Lepsius-Archiv das 1919 erschienene Buch „Der Todesgang des armenischen Volkes“ enthalten, das wegen politischer Bedenken erst nicht gedruckt werden konnte. Schließlich trauten sich die Druckereien der jüdischen Firma Imberg & Lefson in Babelsberg und der christlichen Zeitung „Der Reichsbote“ in Berlin das Buch herzustellen. „Den großen Verlagen der Zeit war das Thema zu heiß, niemand wollte Lepsius drucken“, sagt Goltz.

Q: www.pnn.de/potsdam/im-archiv-papiere-zum-massenmord/22405166.html

Buchdruckerei Imberg & Lefson GmbH

1914 – 1919

Imberg & Lefson GmbH i.L.

BUTAG Buntpapierfabrikation

1927

Imberg & Lefson GmbH i.L.

Buntpapierfabrik Herbert Sulzbach & Co.

1934

Leydechrom GmbH Farbfilmgesellschaft

1938

Plantagenstr. 10       

Brauerei (Inh. Paul Herrmann)

1914: Gambrinus-Brauerei (Inh. Georg Bislich)

Rudolf-Breitscheid-Str. 19 (vormals Lindenstr. 84)        

Fortuna Apparatebau

1927

Rudolf-Breitscheid-Str. 33 (vormals Lindenstr. 90)        

Seidenweberei Kunze & Kraberg

1885 gegr. Nd 1905 L 79

Die Fabrikanten Kunze und Kraberg waren in Potsdam ansässig.

seit 1914: L 90

1927 ist Inhaber der Mechanischen Jacquardweberei Kunze & Kraberg Albert Basch aus der Charlottenburger Droysenstr. 6. 1934 lebt Basch am Kurfürstendamm 74. 1949 befindet sich in Nr. 90 die Krawattenweberei Wollram.

Rudolf-Breitscheid-Str. 57/58 (vormals Lindenstr. 27/28)          

Fabrik für elektrische Apparate (Inh. Dr. Richard Heilbrun)   

1919

Milliwatt GmbH, Fabrik elektrische Apparate (Inh. Richard Heilbrun)

1927 – 1934    Dr. Richard Heilbrunn, Nbbg, Friedrich-Wilhelm-Str. 2

Witwe Jenny Heilbrun

Dr. Richard Heilbrun hatte seine Firma, die Milliwatt GmbH, im Jahre 1902 gegründet. Er war ein außerordentlich verdienstvoller Elektrotechniker. Noch heute ist sein Buch “Elementare Vorlesungen über Telegraphie und Telephonie” als Nachdruck erhältlich. Bereits vor dem 1. Weltkrieg beschäftigte Richard Heilbrun sich mit medizinischen Anwendungen elektrischer Geräte. Im ersten Weltkrieg stellte er elektrisch beheizte Handschuhe für Militärflieger her. Seine elektrischen Heizkissen wurden nach dem ersten Weltkrieg nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern Europas, z.B. in Spanien, verkauft. Richard Heilbrun führte Anfang der 1930er Jahre einen Prozess gegen den Verein Deutscher Elektrotechniker (VDE), in dem er die Rechtsgrundlage der VDE-Kennzeichnung in Frage stellte. Seit der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahre 1933 wurde seine Situation wahrscheinlich schwierig, da er Jude war. 1936 musste die Milliwatt GmbH aufgeben, das Vermögen ging danach an die „Fabrik elektrischer Apparate Typ H Mollenhauer und Kemper“ über, bei der Friedrich Mollenhauer geschäftsführender Gesellschafter und Christian Kemper gleichberechtigter Teilhaber waren. Die genauen Umstände des Inhaberwechsels sind heute nicht mehr nachzuvollziehen, sie können heute nur in Analogie zu den vielen anderen Fällen von “Arisierung” betrachtet werden. Richard Heilbrun musste emigrieren (wahrscheinlich nach Großbritannien). Sein Mobiliar und Hausrat konnte er zunächst noch bei Friedrich Mollenhauer lagern, es wurde ihm später nachgeschickt. Seine weiteren Spuren verlieren sich im Dunkel.

Q: lager-muehlberg.de/content/FriedrichMollenhauer.pdf

Mollenhauer & Kemper

1938   

Rudolf-Breitscheid-Str. 74 – 75 (vormals Lindenstr. 10 – 11)      

Möbelfabrik Paul Vetter

1927 – 1934, erweitert 1912; 1938 nur noch Möbelkaufhaus

Rudolf-Breitscheid-Str. 150 (vormals Berliner Str. 48/50)          

Chemische Fabrik Dr. Graf & Co.

1914 – 1938

1914 – 1919 Fabrikbesitzer Rudolf Lender, Kapitän a.D. (8.3.1860 – 4.12.1923)

1927 Inhaberin Witwe Gertrud Lender

1934 Fabrikbesitzerin Gertrud von Baehr

1938 Ulrich von Baehr Major a.D., Potsdam

Rudolf-Breitscheid-Str. 162 – 164 (vormals Berliner Str. 78/80)            

Mechanische Netzfabrik (Inh. Franz Klinder)

1914

Berliner Mechanische Netzfabrik und Baumwollzwirnerei (Inh. Franz     Klinder)

1927 – 1938

             

Rudolf-Breitscheid-Str. 19 (vormals Lindenstr.84)

Seidenweberei Curt Wollram Fabrik handgewerbliche Krawatten

1938

Stahnsdorfer Str. 111          

Fabrik für Innenanstrich- und Rostschutzfarben (Inh. Fritz Röhren)

1914

Tuchmacherstr. 45 (vormals Auguststr.)   

Mechanische Weberei Lange & Jacoby

1914 – 1919

KG Schlottmann & Co. (Berlin, Klosterstr. 69/70)

1914 – 1919

Hannova Gummiwarenfabrik A.C.Plötze, Fabrikant (Charlottenburg, Kaiserdamm 115)

1914

Schirmstockfabrik Bernhard Noa

1934

Berhard Noa, Berlin, Michaelkirchstr. 20

08.06.1859 Dyhernfurth (Brzeg Dolny)

Stefanie Noa, geb. Zilzer (22.10.1880 Wien – 08.1972 London)

Die Tempofabrik stand zwischen der heutigen Tuchmacherstraße und Alt Nowawes – dort, wo sich jetzt der Weberpark befindet. Laut Deinerts Forschungen war die einstige Schirmstockfabrik 1936 nach der Flucht des jüdischen Eigentümers Bernhard Noa verwaist. So kam der Unternehmer Otto Stahmann, der seit 1931 eine Schallplattenfirma in Berlin-Wilmersdorf betrieb, zum Zuge. Ab 1938 fand die Produktion komplett in Babelsberg statt, auch die Musikaufnahmen wurden dort gemacht. Dabei ging Stahmann laut Deinert trickreich vor, um seinen Käufern Tanzmusik mit Jazz-, Swing- oder Blues-Elementen anbieten zu können – gleichzeitig aber die Reichskulturkammer auszubremsen, für die dergleichen als „artfremd“ und „undeutsch“ galt. Der Geschäftsmann verfiel auf eine Art Etikettenschwindel: Auf den Platten wurden etwa bewusst falsche Rhythmusangaben gemacht – da wurde eine „heiße“ Rumba zum „Foxtrott“ um deklariert. Auch besonders langweilige Liedtitel wie „Melodie in Moll“ oder „Studie in F“ gehörten zu dieser Strategie. Mitunter sei auch die Intro-Nummer bewusst „lahm“ gehalten, so Deinert. Bis zum April 1945 sollen bei Tempo noch Platten gepresst worden sein. Die Tradition wurde nach Kriegsende weitergeführt – das Tempo-Werk wurde zum Presswerk der einzigen Schallplattenfirma der DDR. Erst nach dem Mauerfall wurde die Produktion eingestellt.

Q: pnn.de/potsdam/serie-zur-sonderausstellung-im-potsdam-museum-musik-fuer-die-massen/24346746.html

Tempo Schallplatten

Die Marke Tempo ging aus der Tonträgerfirma “Brillant AG” hervor, die 1931 vom Unternehmer Otto Stahmann in Berlin-Wilmersdorf gegründet worden war, um Schallplatten im Niedrigpreisbereich zu produzieren. Die Tempo-Schellack galt schon bald als die Schallplatte für das Volk. Sie kostete nur 1 Reichsmark (RM), während Telefunken ab 2 RM, Odeon und Electrola ab 2,50 RM für ihre Neuerscheinungen verlangten. Außerdem wurden die Tempo-Platten nicht über den herkömmlichen Musikhandel, stattdessen über die Kauf- und Warenhäuser angeboten, waren somit reichsweit in jeder größeren Stadt zu bekommen. Um die Marke möglichst preiswert zu halten, griff die Firma nicht auf weithin bekannte Künstler, sondern auf unbekanntere zurück und zahlte ihnen mit “5 Mark fürs Arrangieren, 5 Mark fürs Dirigieren, 5 Mark fürs Spielen” auch keine hohen Gagen. Dieses Vertriebsmodell wurde im Laufe der 1930er Jahre so erfolgreich, dass der Firmenchef seine Fabrikation schon bald vergrößern wollte. 1936 kaufte Otto Stahmann deshalb die Nowaweser Grundstücke Auguststraße (später Tuchmacherstraße) 45 und Wilhelmstraße (später Alt Nowawes) 67 und verlegte zwei Jahre später seine gesamte Schallplattenproduktion hierher. Auf den zwei aneinandergrenzenden Grundstücken nutzte er alle Gebäude des Vorbesitzers weiter; denn das Gelände der seit 1927 hier ansässig gewesenen Schirmstockfabrik des emigrierten jüdischen Eigentümers Bernhard Noa stand verwaist. (Auch dieser hatte lediglich die Fabrikgebäude von seinem Vorgänger, der “Nowag Märkische Celluloidfabrik GmbH” übernommen.) Also bekam Stahmann keine Probleme mit der Kontingentierung von Baumaterialien: Er hatte schlicht kaum Neues zu bauen. Man würde vermuten, die in Babelsberg ansässigen Plattenfirmen (neben der Tempo war das bis 1932 noch die Electrola) hätten vor Ort gar keine Aufnahmestudios gehabt, sondern ihre Aufnahmen in Berlin durchführen lassen. Für die Electrola stimmt dies auch. Otto Stahmann dagegen strebte mit dem Umzug nach Potsdam einen Repertoirewechsel an. Er wollte sein Musikangebot aufbessern, verjüngen. Und so gab es ab Juli 1938 hier auf Stahmanns Firmengelände eigene Aufnahmeräume unter Leitung eines Tontechnikers namens […]

Q: http://mathias-deinert.de/text_2014_stahmann_tempo.htm

Weberplatz 21 (vormals Friedrichkirchplatz)      

„Oxysana“ Chemisch-pharmazeutische Fabrik GmbH

1927