Paul Neumann – Ein Kampf für Gleichheit, Freiheit und Sozialismus.

Paul Neumann – Ein Kampf für Gleichheit, Freiheit und Sozialismus.

von:

Uwe Klett und Frank Reich (Geschichtswerkstatt Rotes Nowawes e.V.)

in:

Sozialdemokratie in Brandenburg (1868–1933): Lebenswege zwischen Aufbruch, Aufstieg und Abgrund; von Willi Carl (Herausgeber), Martin Gorholt (Herausgeber), Sabine Hering (Herausgeber); Dietz, J.H.W., Nachf., 2021

Ein unbehauener Findling auf dem Babelsberger (Nowaweser) Goethefriedhof, vielleicht gar in der Sandscholle nebenan geborgen und hier zu Ehren des Sozialisten aufgestellt. Die Grabinschrift, selten genug in damaliger Zeit, ohne Daten, nur in Handschrift sein Name und den seiner Frau Helene eingraviert. Nichts weiter. Selbst hier also: der große Modernisierer in einer Zeit, wo eher Grabkreuze und monumentale Erbbegräbnisse den Friedhof schmückten. Beide Söhne: Arno, der stadtbekannte Architekt und Kurt, der Gärtner, werden sicherlich entscheidend die Grabstätte gestaltet haben.

Die Neumanns: Eine jener Nowaweser Arbeiterfamilie, die die Geschichte des Ortes in der vor- und nachrevolutionären Zeit prägten. Und wie! Freund wie Feind, und davon hatten die Neumanns unter den Arbeitern einerseits und den »Bürgerlichen« und Monarchisten anderseits unzählige. »Viel Feind’, viel Ehr’!« schien fast so eine Art Lebensmotto von Paul Neumann gewesen zu sein. In der kämpferischen Tradition des Gewerkschafters, Sozialdemokraten, Gemeindepolitikers und Gastwirtes Karl Gruhl (1862–1911) politisch gereift, wird man ihn bald den »Roten Zaren von Nowawes« nennen und seinen Sohn Arno den »Zarewitsch«.

In beengten, gedrückten Verhältnissen, dem Weberelend des 19. Jahrhunderts kaum entronnen, hat Paul Neumann am 20. Juli 1865 früh um 6.00 Uhr in der Kreuzstraße Nr. 4 das Licht der Welt erblickt. Pauls Vater, der Webermeister Josef Neumann und seine Mutter Emilie, eine geborene Sotschek, stammen beide aus altem Nowaweser »Adel«. Insofern verwundert es nicht, dass auch Sohn Paul das Weberhandwerk erlernt, wie so viele seiner damaligen Altersgenossen. Noch als Webergesell heiratet er mit 23 Jahren am 15. März 1889 die 19-jährige Helene Noack, eine Nachbarstochter, in der Friedrichskirche im alten Herzen von Nowawes. Es wird das letzte Mal sein, dass sie vor »Gottes Thron« treten. Als Anhänger einer zunehmend freidenkerischen Bewegung innerhalb der örtlichen Sozialdemokratie werden ihre Kinder Arno (1892–1946), Erna (1897–1962) und Kurt (1899–1985) nicht mehr getauft.

Erste politische Schritte

Aus dem Dunkel der Geschichte tritt Paul Neumann erstmalig in das Rampenlicht der Öffentlichkeit, als der Vorwärts in seiner Ausgabe vom 14. Oktober 1894 titelte: »Etwas von der Heiligkeit des Eigentums, der Staatsanwaltschaft und der Polizei«. Anlass war eine Rechtsauseinandersetzung zur Wiedererlangung beschlagnahmter Bücher Neumanns am 2. Juni 1893 durch die Polizei. Der Aufrührer ist nicht einmal 28 Jahre und schon so ein aufmüpfiger Geist – und ein belesener dazu! Vertrauensmann und Agitator ergreift er erstmalig auf der sozialdemokratischen Versammlung des Wahlkreises Teltow-Beeskow, zu dem Nowawes gehört, am 22. September 1895 in Rixdorf in einer Debatte über die Diäten sozialdemokratischer Reichstagsabgeordneter das Wort. Auch fordert er, nicht nur den 1. Mai als Feiertag einzuführen, sondern gleich das gesamte Arbeitsschutzrecht zu verändern. Viel Freunde macht er sich damit bei seinen Genossen nicht.

Trotzdem wird er schon 1896 beim Gothaer SPD-Parteitag als direkter Delegierter aus Teltow-Beeskow gewählt. Am 8. März 1896 ist es dann so weit: Im Beisein von Wilhelm Liebknecht, der unter großem Beifall zu den Nowaweser Arbeitern spricht, wird Paul Neumann mit nur 31 Jahren für die Gemeinderatswahlen aufgestellt. Er kandidiert für seinen sozialdemokratischen Wahlverein in der 3. Klasse des preußischen Wahlrechtes, also für die »Unterschicht«, die weitestgehend Besitzlosen, die zwar die große Mehrheit in der Weberkolonie ausmachen, denen aber nur ein Drittel der Sitze in der Gemeindevertretung zustehen.

Mit 27 Jahren wird er Redakteur des Vorwärts – Berliner Volkszeitung, Central-Organ der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, später wechselt er dann in die Buchhandlung des Vorwärts in der Berliner Lindenstraße 2-4, bis er dann von »seinen« Genossen Mitte 1917 wegen seiner USPD-Mitgliedschaft hinausgeworfen wird. Bis zu diesem Bruch werden aber noch viele Jahre vergehen. Seine Tätigkeit beim Berliner Vorwärts wird ihn auch materiell so weit absichern, dass die junge Familie Neumann das Haus seiner verwitweten Mutter Emelie in der Kreuzstraße verlassen kann und nunmehr in die gar nicht mehr so proletarische Gegend, in die Heinestraße 26, zieht.

Hier in der Heinestraße herrscht nicht mehr die Enge und Armut aus den alten Nowaweser Weberquartieren. Neue Nachbarn sind solche Herrschaften wie Königliche Kreissekretäre, Gärtnereibesitzer, Fabrik- und Bankdirektoren, aber auch in Nr. 10 Alwine Gruhl, die Frau des 1911 verstorbenen Karl Gruhl, dem »Nestor« der Nowaweser Linken. Der Verbundenheit von Paul Neumann zur Nowaweser Arbeiterschaft, sein Kampf für Gleichheit, Freiheit und Sozialismus tut der Wohnortswechsel keinen Abbruch.

Neue Aufgaben in der »Landgemeinde Nowawes«

1907 dann eine Art Zeitenwende in der ehemaligen »Weberkolonie Friedrich II.«. Mit seinen zumeist verarmten 19.000 Einwohnern vereinigt sich Nowawes mit dem eher bäuerlich geprägten Neuendorf mit seinen 7.000 Einwohnern zur neuen »Landgemeinde Nowawes«. Auch für die organisierte Arbeiterbewegung ist dies eine neue Herausforderung. Zwar trägt der SPD-Wahlverein schon Jahre vorher den Namen Nowawes-Neuendorf, aber während die Sozialdemokratie im Nowaweser Gemeinderat schon Jahrzehnte für die Interessen der Arbeitenden kämpfen kann, war ihr der Einzug in das Neuendorfer Gemeindeparlament bisher nicht gelungen. 1907 ist nun die Situation eine völlig andere. Die Kommunalpolitik für gut 26.000 Einwohner mitzugestalten, ruft auch Paul Neumann wieder auf den Plan. Trotz seiner aufreibenden Tätigkeit in der Berliner Lindenstraße stellt er sich seinem örtlichen Wahlverein zur Verfügung.

Nicht etwa am Wochenende, sondern werktags am Montag, den 21. und Dienstag, den 22. Januar 1907 findet die Gemeinderatswahl der III. Abteilung für die fusionierte Gebietskörperschaft statt. Mit 1.255 gegen 255 Stimmen fährt die Sozialdemokratie einen glänzenden Sieg ein. Dies sind auch 314 Stimmen mehr als bei den vorherigen Gemeinderatswahlen.

Paul Neumann, jetzt 42 Jahre alt, ist neben seinen Genossen Karl Gruhl, Paul Fesser, Richard Frenzel, Karl Gomoll, Otto Hiemke und Ernst Zöllner nunmehr Gemeindevertreter. Er wird in der Kommunalvertretung seines Ortes bis zu seinem Tode 1923 aktiv sein. Auch wenn die Bäume Pauls nicht gleich in den Gemeindehimmel wachsen, dauert es dennoch nicht lange, dass er sich für die sozialen Belange der Nowaweser Arbeiter lauthals artikuliert.

So kritisiert er zusammen mit Karl Gruhl schon im Juli 1907 die hohen Wasserpreise in der Gemeinde. Unter den Gemeindevertretern immer noch ein »junger Hase«, widmet er sich in seiner beschränkten Freizeit auch der Arbeit mit der Jugend der Gemeinde. Bei einer der ersten Arbeiter-Jugendversammlungen in Nowawes in Singers Volksgarten ist er dabei. Daher ist es nur konsequent, dass er sich für die Ausbildung der Weberjugend in der Fortbildungsschule am Weberplatz bemüht. Aber was nutzt die Schule, wenn man sie nicht nutzen kann? Als im April 1909 dazu die Debatte in der Gemeindevertretung geführt wird, greift Paul Neumann die Arbeitgeber scharf an, die es ihren Gesellen nicht ausreichend ermöglichen, die Fortbildungsschule zu besuchen. So stellt er fest, dass so mancher Schüler fast die Hälfte seiner Unterrichtsstunden versäumt, da er keine Freigabe von seinem Arbeitgeber erhält.

Nach dem viel zu frühen Tod des »Nestors« der Nowaweser Arbeiterbewegung, Karl Gruhl, im Jahre 1911 mit nur 49 Jahren, fällt es Paul Neumann zu, die Lücke zu schließen. Nach seinen ersten sechs Jahren als Gemeindevertreter stehen 1913 Kommunalwahlen an. Er kandidiert erneut und wird gewählt. Dennoch ist die Freude nicht ungetrübt. Wegen der geringen Wahlbeteiligung der Nowaweser Arbeiterschaft kommt im Wahlverein zu Auseinandersetzungen. So kritisiert Paul Neumann den mangelhaften Besuch der Veranstaltungen des Wahlvereins durch seine Mitglieder. Der Vereinsvorsitzende Karl Krohnberg hält ihm entgegen, dass eine Vielzahl der Sozialdemokraten durch örtliche Vereine zu sehr in Anspruch genommen sei. Paul Neumann gibt zu Protokoll, dass die Laubenkolonisten mehr mit ihren Lauben beschäftigt seien als mit ihrem Engagement in der Partei oder den Gewerkschaften. Freunde werden Neumann und Krohnberg nun nicht mehr werden.

Im Vorfeld des Jenaer Parteitages 1913 kommt es erneut zu heftigen Debatten über den Sinn der alljährlichen Maifeier. Paul Neumann beklagt, dass das Abflauen des Interesses an der Maifeier Schuld einiger Gewerkschaftsfunktionäre sei, die für eine einheitliche Durchführung der Arbeitsruhe bisher keinen Finger gekrümmt hätten und dass die Verlegung der Maifeier auf einen Sonntag das Unsinnigste wäre, was jemals beschlossen worden sei.

Krieg oder Frieden – Paul Neumann bei den Linkssozialisten

Angesichts der heraufziehenden Kriegsgefahr versammelt sich am Donnerstag, dem 29. Juli 1914, die Nowaweser Arbeiterschaft zu einer ihrer bisher größten Massenveranstaltungen. Da der große Saal bei Singer nicht ausreicht, verlegt man die Veranstaltung in den Garten des Arbeiterlokals. Kurt Heinig (1886–1956) spricht in bedrückender Stimmung über die herannahende Kriegskatastrophe: »Die Sozialdemokratie aller Länder will keinen Krieg.« Die imposante Versammlung reagiert mit einem tausendfachen Hoch auf dem Völkerfrieden. Drei Tage später ist das alles vergessen. Noch im Januar 1915 erklärt sich die SPD Nowawes nach einem Referat von Fritz Zubeil mit der Zustimmung der Reichstagsfraktion für die Kriegskredite einverstanden. Es wird die letzte kriegsbejahende, einheitliche Verlautbarung der Nowaweser Genossen sein.

Gegen die »Bewilligungspolitik« der SPD im Reichstag formulieren am 9. Juni 1915 Karl Liebknecht und Georg Ledebour ein Protestschreiben in Form eines Flugblattes an den Parteivorstand, das mehr als 1.000 oppositionelle Parteimitglieder unterzeichneten, darunter auch als einziger Nowaweser der Gemeindevertreter Paul Neumann:

»Keinem, der noch länger zögert, kann fürderhin Gutgläubigkeit und Unkenntnis zugebilligt werden. Der Tatbestand liegt unzweideutig; die Situation ist vom letzten Nebel geklärt. Die Alternative lautet schlechthin: Parteirettung oder Parteizerstörung. […] Wir fordern, dass Fraktion und Parteivorstand endlich ohne Zaudern dem Parteiverderben Einhalt tun, den Burgfrieden aufsagen und auf der ganzen Linie den Klassenkampf nach den Grundsätzen des Programms und den Parteibeschlüssen, den sozialistischen Kampf für den Frieden eröffnen. Die Verantwortung für alles, was sonst kommt, fällt denen zu, die die Partei auf die abschüssige Bahn getrieben haben und ferner darauf erhalten wollen.« (Dokumente und Materialien zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, Berlin 1958, S. 174.)

Dass er zu den Unterzeichnern, von denen ca. 40 Prozent aus den Berliner Parteiorganisationen kamen, gehört, ist sicherlich auch darauf zurückzuführen, dass er als Vorwärts-Mitarbeiter in Berlin direkt im Zentrum der Auseinandersetzungen tätig ist und damit weit mehr als andere Oppositionelle der »Provinz« Zugang zu den innerparteilichen Kritikern der SPD-Kriegspolitik hat.

Nur gut zwei Monate später kommt es zum endgültigen Bruch: Fritz Zubeil, der Abgeordnete für Nowawes stimmt mit weiteren 17 Genossen der Reichstagsfraktion gegen die Bewilligung neuer Kriegskredite. Die Mehrheit im Parteivorstand und der Reichstagsfraktion geht mit großer Entschiedenheit gegen diese innerparteiliche Opposition vor und schließt am 24. März 1916 unter anderem Hugo Haase und Fritz Zubeil aus der Fraktion aus. Die Ausgeschlossenen bilden umgehend eine »Sozialdemokratische Arbeitsgemeinschaft« – die Keimzelle der künftigen USPD.

Auch die Nowaweser SPD erreichen die innerparteilichen Auseinandersetzungen um »Krieg und Frieden«. Viele Genossen sind zum Militär eingezogen. Dadurch und durch die strikte Pressezensur ist die Handlungsfähigkeit der örtlichen Sozialdemokratie stark eingeschränkt. Die Daheimgebliebenen versammeln sich am 4. Juni 1916 zur Mitgliederversammlung des Wahlvereins, unter ihnen auch Paul Neumann. Er stellt den Antrag, »bei etwaigen Entschließungen im Sinne der Bestrebungen der (sozialdemokratischen) Arbeitsgemeinschaft und des Genossen Zubeil zu stimmen«. Der Antrag wird mit 18 zu 14 Stimmen beschlossen.

Die Gründung der »Unabhängigen«

Dabei sollte es an diesem Tage nicht bleiben. Eine Woche zuvor,am 1. Mai 1916, tritt Karl Liebknecht auf einer Antikriegsdemonstration am Potsdamer Platz unter der Losung »Nieder mit demKrieg! Nieder mit der Regierung!« vor Tausenden Arbeitern auf.Der Militärstaat zaudert nicht lange. Liebknecht wird von derPolizei verhaftet und angeklagt. Dieses Vorgehen gegen den Radikalen nimmt Paul Neumann zum Anlass, in der Wahlvereinsversammlung eine Sympathieresolution für Karl Liebknecht vorzulegen, die dann auch einstimmig (!) verabschiedet wird.

Die Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern der »Sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft« einerseits und der Ebert-Scheidemann-Mehrheit andererseits spitzen sich sowohl im Wahlkreis Teltow-Beeskow als auch vor Ort in Nowawes weiter zu. Neben grundsätzlich unterschiedlichen Haltungen zur Kriegs- und Friedensfrage überhäufen sich die Genossen mit Geschäftsordnungsfragen und auch persönlichen Angriffen. Dabei muss auch berücksichtigt werden, dass gerade der Wahlkreis Teltow-Beeskow von Fritz Zubeil, der nunmehr ja der USPD angehört, als besonders oppositionell galt, zumal er neben Nowawes auch die großen Berliner Vororte Neukölln, Charlottenburg und Schöneberg umfasst.

Mit Adolph Hoffmann (später USPD, KPD, SPD) wird ein ausgewiesener Linker und Kriegsgegner Vorsitzender der sozialdemokratischen Wahlvereine von Berlin und Umgebung. Damit stellt sich eine Mehrheit der Berliner Parteiorganisationen gegen die Partei im Reich. Noch wird von der Opposition die Einheit der Partei beschworen. Dennoch machen die Auseinandersetzungen auch nicht mehr halt vor dem Parteiblatt Vorwärts, das in seiner Zwitterstellung sowohl Sprachrohr des Vorstandes (Ebert) als auch mit dem Untertitel Berliner Volksblatt der – nunmehr oppositionellen – Berliner Parteiorganisation ist. Es erfolgt der »Vorwärts-Raub« – so die Unterstellung des Parteiblattes unter dem neuen Ebert-konformen Chefredakteur Friedrich Stampfer. Die damit verbundenen Konflikte werden auch am Arbeitsplatz von Paul Neumann eine politische Atmosphäre schaffen, die ein halbes Jahr später sein berufliches Ende bei der Parteipresse bedeuten.

Mit einer von den Anhängern der »Sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft« scharf kritisierten Einladungspolitik versucht am 4. August 1916 der bisherige Nowaweser SPD-Vorstand auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung das Blatt noch zugunsten der Reichstagsfraktion zu wenden. Paul Neumann – an diesem Tage in der Minderheit – wirft dem Vorstand unter Karl Krohnberg vor, Beschlüsse des Vereins gröblich missachtet zu haben. Nur wenige Tage später, am 11. August, kommt es dann im Nowaweser Wahlverein zum »Showdown«: Für die »Linken« berichtet Fritz Frenken und für die »Rechten« Dr. Paul Lensch. Mit 82 zu 42 Stimmen siegen die Linken, die nunmehr auch stärker unter den Genossen mobilisiert hatten. Das wirkt sich auch auf den Ortsvorstand aus. Mit Karl Gruhl jun. und Fritz Frenken rücken ausgewiesene Linke in den Vorstand auf.

Am 10. September ist es Gewissheit: Die Nowaweser SPD bezahlt ihre Beiträge an den neuen (linken) Kreisvorstand. Am 4. Oktober 1916 treffen sich die unterlegenden »Mehrheits-Sozialdemokraten« (Ebert-Scheidemann) von Nowawes und konstituieren aus Sicht der örtlichen linken Mehrheit eine »Sonderorganisation«. Die Ereignisse überschlagen sich. Nicht einmal drei Wochen später, am 25. Oktober, versammelt sich die linke Mehrheit und beschließt, den Kreisvorstand in seiner oppositionellen Haltung zu unterstützen. Fritz Frenken und Paul Neumann werden Kreisdelegierte. Nach der Reichskonferenz der SAG am 9. Januar 1917 in Berlin, die sich »als unumgängliches Abwehrmittel gegen statutenwidrige und parteischädigende Handlungen des Parteivorstandes« versteht, erklärt der SPD-Parteivorstand im Reich am 18. Januar 1917, dass sich die Mitglieder der SAG von der Partei getrennt hätten. Damit ist der endgültige Bruch vollzogen.

Am 11. Februar 1917 beschließt die linke Berliner Generalversammlung, sich mit allen oppositionellen Organisationen reichsweit zusammenzuschließen. Im Gegensatz dazu gründet der Ebert-Parteivorstand überall dort neue Wahlvereine, wo die Linken die Mehrheit haben. In Nowawes ist dieser Prozess schon im Gange. Der alte Vereinsvorsitzende Karl Krohnberg übernimmt wieder den Vorsitz der Nowaweser Mehrheitssozialdemokraten, die im Ort aber in der Minderheit bleiben.

Paul Neumann und Genossen machen sich auf den Weg zur Konstituierung einer neuen sozialistischen Partei. Am 6. April 1917 wird sie dann in Gotha gegründet – die USPD. Paul Neumann ist gleich bei den »Unabhängigen«. Doch die werden beim »geraubten« Berliner Vorwärts der Mehrheitssozialdemokraten (MSPD) nicht mehr geduldet. Nach 25 Jahren Arbeit für das Flaggschiff der sozialdemokratischen Presse in Berlin wird er Mitte 1917 aus der Vorwärts-Buchhandlung entlassen. Begründen die einen dies mit fehlender Arbeit, vermuten andere eine klare Maßregelung wegen seiner USPD-Mitgliedschaft.

Auch in der Gemeindefraktion überstürzen sich im August 1917 die Ereignisse. Paul Neumann und Otto Hiemke erklären ihren Austritt aus der Fraktion. Zurück bleiben Dietrich Osmer, Ernst Zöllner und Hermann Hähnchen. Auch privat verändert sich so manches. Die Neumanns verkaufen im Juli 1917 ihr Haus in der Heinestraße und erwerben ein Grundstück in der Großbeerenstraße 184. Ob die Arbeitslosigkeit Paul Neumanns der Grund für den Hausverkauf ist, kann vermutet werden. Hinzu kommt sicherlich auch, dass der Sohn Arno sich selbstständig macht und aus der elterlichen Wohnung auszieht und Kurt als Gärtner nun eine eigene Gärtnerei an der Großbeerenstraße betreibt.

Trotz der breiten Unterstützung der »Unabhängigen« unter dem Nowaweser Industrieproletariat sind die unter Kriegsbedingungen durchgeführten Gemeindewahlen am 10. März 1918 eine Ernüchterung. Noch scheinen die Mehrheitssozialdemokraten auch durch ihr persönliches Ansehen für viele Arbeiter der beste Garant ihrer Interessenvertretung zu sein:

Der »Rote« Paul Neumann macht Revolution in Nowawes

Mit der Revolution am Samstag, dem 9. November 1918, ändert sich die Situation schlagartig. In Berlin wird von Philipp Scheidemann die »deutsche Republik« und einige Stunden später von Karl Liebknecht die »sozialistische Republik« ausgerufen. Die Nachrichten verbreiten sich wie ein Lauffeuer in Nowawes. In der Lokfabrik von Orenstein & Koppel werden umgehend aus den Reihen der Arbeiter revolutionäre Obleute gewählt, an der Spitze Emil Treptow (USPD). Um 11.00 Uhr stehen dann alle Räder still. Nachmittags treffen sich Nowaweser USPDler im Lokal von Otto Hiemke in der Wallstraße. Gegen 20 Uhr kommen auch Paul und Arno Neumann, Emil Treptow und andere Parteifunktionäre der USPD zu Hiemke und man beschließt, das Rathaus zu besetzen. Bis zu 70 Demonstranten mit Unterstützung revolutionärer Soldaten des 3. Potsdamer Garde-Ulanen Regiments gelingt unter Mitnahme des alten sozialdemokratischen Banners und roter Fahnen die Besetzung ohne Zwischenfälle.

Unter der auf dem Rathaus gehissten roten Fahne konstituiert sich am Sonntag, dem 10. November 1918 im großen Gemeindesaal der »Nowaweser Arbeiter- und Soldatenrat«. Die Wahl beweist den Führungsanspruch der »Unabhängigen«. Paul Neumann und sein Sohn Arno, Karl Dürre und Emil Treptow – alle für die USPD und Paul Singer für die MSPD sind die Hauptakteure. Der bisherige Bürgermeister Winkelmann wird abgesetzt und eine rote Sicherheitswehr aufgestellt. Der neue Rat übernimmt die Aufgaben der Gemeindeverwaltung, Paul Neumann wird »kommissarischer Gemeindevorsteher« oder richtiger »kommissarischer Bürgermeister«.

Durch das Auseinanderbrechen der paritätisch besetzten Regierung der Volksbeauftragten aus MSPD und USPD am 29. Dezember 1918 nimmt auch in der politisch organisierten Arbeiterbewegung in Nowawes die Auseinandersetzung an Schärfe zu. Am 3. Januar 1919 versammeln sich die Anhänger der USPD zu einer öffentlichen Volksversammlung in Singers Volksgarten mit dem 71-jährigen Reichstagsabgeordneten Fritz Zubeil, der »in einer wuchtigen Rede das Regierungs- und Unterdrückungssystem der Volksmassen« anklagt und mit den »bisherigen Machthabern« abrechnet.« (Zit. in: Freiheit – Zeitschrift der USPD.)

Mit großem Optimismus hoffen die Anwesenden, aus den kommenden Wahlen als Sieger hervorzugehen. Auf Reichsebene wird dies eine Illusion bleiben, in Nowawes hingegen werden die Uhren anders ticken. Doch schon an diesem Abend folgen nicht alle USPDler dem Kurs von Paul Neumann. Eine kleine Minderheit trifft sich an diesem Abend sowohl im Arbeiterlokal von Pelz in der Mühlenstraße 7 als auch von Hiemke in der Wallstraße 55 und folgen dem Aufruf der drei Tage zuvor in Berlin gegründeten KPD und bilden erste, wenn auch für die nächsten Jahre in Nowawes noch relativ unbedeutende Ortsgruppen.

Am 8. Januar 1919 setzen sich die Nowaweser USPD-Mitglieder mit der Trennung von USPD und »Spartakus« auseinander. Schon auf der Kreisgeneralversammlung der USPD Teltow-Beeskow am 1. Januar 1919 ist Paul Neumann einer der energischsten Gegner der aus seiner Sicht sektiererischen Gründung der KPD. So stritt er für den Ausschluss all jener aus der USPD, die sich der neugegründeten Partei angeschlossen haben, da sie nunmehr Gegner der USPD seien.

Bei den Wahlen zur Nationalversammlung am 19. Januar 1919 – die KPD boykottiert diese – erreicht die USPD in Nowawes entgegen dem Reichstrend 38,0 Prozent der Stimmen, die MSPD nur 30,4 Prozent. Fritz Zubeil bleibt auch für die Nowaweser Arbeiter ihr Reichstagsabgeordneter, einer von jedoch nur 22 USPD-Abgeordneten in Weimar. Doch die Wahl hat im »Bruderkampf« der beiden sozialistischen Parteien noch ein Nachspiel: Im Vorwärts wird der Nowaweser USPD vorgeworfen, mit der »Androhung von Handgranaten, Arbeiter am Wahltag zum Streik genötigt zu haben«. Besonders hat man es auf Paul Neumann abgesehen. Er hätte zusammen mit Franz Güth »schnoddrige Reden mit üblichen Gebrüll« gegen Ebert und Scheidemann vom Balkon des Rathauses aus gehalten. Zwar distanzieren sich eine Woche später Funktionäre der Nowaweser MSPD von einigen Übertreibungen und Unrichtigkeiten in der Berichterstattung. Dennoch: Persönliche Verletzungen werden auf beiden Seiten bleiben.

Reformbestrebungen

Die am 23. März 1919 abgehaltenen Kommunalwahlen festigen weiterhin den Ruf des »Roten Nowawes« als Hochburg der »Unabhängigen«, der Linkssozialisten. Dabei treten nicht einmal erkennbare Parteilisten an, sondern Namenslisten. Doch sind die Personen bereits so in aller Munde, dass beim Nennen der Namen schon deren politische Orientierung stadtweit bekannt ist. Es muss für Paul Neumann und Genossen mehr als eine Genugtuung gewesen sein, nach Jahrzehnten der wahlrechtlichen Unterdrückung nunmehr im »Roten Nowawes« den Ton angeben zu können – und zusammen mit der MSPD unter dem Nowaweser Arbeitsamtsdirektor und späteren Herforder Oberbürgermeister Dietrich Osmer (1883–1944) eine satte Mehrheit von 66 Prozent der Stimmen der Nowaweser errungen zu haben. Nie wieder werden die Linken in Nowawes einen solchen grandiosen Sieg feiern können. Aber jetzt, im März 1919 scheint die sozialistische Revolution so nah – zumindest in Nowawes. Gestützt auf die Arbeitermassen aus den großen Betrieben des Maschinenbaus und der Textilindustrie, Anführern der großen, kampfstarken Metall- und Textilgewerkschaften, der Konsumgenossenschaft, des Mietervereins und der neuen sozialen Einrichtungen, ist Paul Neumann als »kommissarischer« Gemeindevorsteher bemüht, mit der neuen »sozialistischen« Mehrheit grundlegende kommunalpolitische Reformen im Wohnungs-, Gesundheits- und Bildungsbereich anzugehen.

Linkssozialistische Bildungspolitik in den Fokus Nowaweser Gemeindepolitik gerückt zu haben, ist ein Verdienst des Mitstreiters von Paul Neumann, des Nowaweser Lehrers und preußischen Staatsrats der USPD, später wieder SPD, Bruno La Grange (1882–1932). Schon im Juni 1921 bietet er mit Unterstützung der Gewerkschaften und der Freireligiösen Gemeinde in einem Klassenraum der 4. Gemeindeschule in der Scharnhorststraße Lebenskundeunterricht für Kinder, die vom Religionsunterricht abgemeldet sind, an. Der Weimarer Schulkompromiss vom August 1919 ermöglichte jedoch, noch einen Schritt weiterzugehen, um alle nichtkonfessionellen Kinder in einer eigenen Schule – einer »Sammelschule« – zusammenzuführen. Nach dem Beispiel der Berliner pädagogischen Reformbewegung in den dortigen Arbeiterbezirken wird auf Initiative der örtlichen Arbeiterparteien am 23. April 1922 die erste (!) weltliche Sammelschule der Provinz Brandenburg in der Priesterstraße (heute Bruno-H.-Bürgel-Schule) gegründet. Erst die Nazis stellen den Schulbetrieb im April 1933 ein und lösen die Schule auf.

Ein weiteres Ergebnis des nachrevolutionären Aufbruchs unter der Ägide von Paul Neumann ist auch die Bestellung eines ausgewiesenen sozialreformerischen Gemeindearztes. 1919 begann der Sozialmediziner und spätere leitende Stadtarzt von Berlin-Kreuzberg, Curt Bejach (1889–1944), seine Arbeit als »Stadtarzt« von Nowawes. Ihm folgte das USPD-Mitglied und spätere leitende Stadtarzt von Berlin-Reinickendorf, Max Hodann (1894–1946), ein Pionier der marxistischen Sexualpädagogik. Sein Büro hatte er im Rathaus. 1922 folgte ihm dann in Nowawes der Sozialhygieniker Georg Löwenstein (1890–1998), der spätere leitende Stadtarzt von Berlin-Lichtenberg wurde.

Genauso wegweisend war das Engagement Paul Neumanns, neue reformerische Ideen anzugehen und umzusetzen, um die Wohnungsnot der arbeitenden Bevölkerung zu lindern. Gegen den Widerstand der bürgerlichen Parteien setzte er durch, dass große Teile der unbebauten Sandscholle in der Neuendorfer Gemarkung südöstlich der Eisenbahnlinie vom Fiskus gleich nach der Revolution erworben und somit kommunales Bauland wurden. Im Auftrage der Gemeinde wurden die ersten 20 kommunalen Häuser entlang der Stahnsdorfer Straße im Stil einer Gartenstadt errichtet. Die »Neumannsche« Sandscholle war dann auch in den nächsten Jahrzehnten jenes Areal der Stadt Nowawes, wo kommunaler und genossenschaftlicher Wohnungsbau in großen Stil realisiert werden konnte. So baute die Stadt ab 1925 entlang der Großbeerenstraße und die 1928 von Gewerkschaftern gegründete GEWOBA entlang des Schützendamms (heute Paul-Neumann-Straße). Auch das von Paul Neumann verfochtene »Bauen zum Eigenbedarf« und nicht als Renditeobjekt wurde von vielen Arbeitern und Angestellten entlang der Rosenstraße und des Blumenweges realisiert. Ohne den mutigen Schritt von Neumann und Genossen im Jahre 1918 wäre der soziale Wohnungsbau in Nowawes nicht möglich gewesen.

Der Kapp-Putsch und die Folgen

Als am 13. März 1920 in Berlin General Walther von Lüttwitz und der Königsberger Generallandschaftsdirektor Wolfgang Kapp mit Unterstützung von Erich Ludendorff gegen die Reichsregierung putschte und auch die Potsdamer Garnison sich hinter die Putschisten stellte, folgten die Nowaweser Arbeiter umgehend dem Aufruf der Arbeiterparteien und Gewerkschaften zum Generalstreik. Unverzüglich bildete sich im Gebäude des Konsums in der Katzbachstraße (heute Fritz-Zubeil-Straße) ein 15er-Ausschuss aus den drei Arbeiterparteien USPD, SPD und KPD, der während des Streiks dafür Sorge trug, dass Notstandsarbeiten ausgeführt, Lebensmittel verteilt und Schulen mit Kohlen versorgt wurden. Trotz der überwältigenden Streikbereitschaft der Arbeiter bestand die Gefahr des Einmarsches putschender Reichswehreinheiten aus Potsdam. Unter dem Vorwand, ein angebliches Waffenlager der Arbeiter, das es aber gar nicht gibt, zu beschlagnahmen, entsandte der Kommandant der Garnison Potsdam, Generalmajor Walter von der Hardt, Militär nach Nowawes, um eine »bewaffnete Räterepublik« (Polizeibericht) niederzuschlagen. Dem Militär gelingt es jedoch nicht, Mitglieder des 15er-Komitees, insbesondere die bekannten USPD-Arbeiterführer Emil Treptow und Paul Neumann, zu verhaften. Das Militär fahndet insbesondere nach dem »Führer und Hetzer der kommunistischen (!) Gewaltbewegung«, dem Sohn von Paul Neumann, Arno Neumann, der zu dieser Zeit in der USPD ist, später wieder zur SPD zurückkehrt und nach der Befreiung vom Hitler-Faschismus erster Potsdamer Baustadtrat wird.

Nach der Niederschlagung des Kapp-Putsches durch den Widerstand aller Arbeiter ungeachtet ihrer politischen Orientierung hoffen viele auf eine Neubelebung bisher unvollendet gebliebener revolutionärer Forderungen wie der nach Sozialisierung und Entmilitarisierung. Die neue Regierung der »Weimarer Koalition« aus MSPD, DDP und Zentrum unter Führung des Sozialdemokraten Hermann Müller enttäuscht jedoch viele Arbeiter, die gemeinsam gegen Kapp und die Reaktion Front gemacht hatten. Bei den Reichstagswahlen am 6. Juni 1920 erleidet die MSPD eine heftige Niederlage. Viele Arbeiter wählten jetzt erst recht die Linkssozialisten von der USPD. Die KPD tritt zwar erstmalig zu Wahlen an, blieb aber weiterhin relativ bedeutungslos. Die Entwicklung der USPD zur dominierenden radikalsozialistischen Massenpartei gerade in Berlin und auch in Nowawes führt zu heftigen innerparteilichen Orientierungskämpfen, die auch von angefeuert werden.

Die Trennung

Der 2. Weltkongress, der als Kommunistische Internationale vom 19. Juli bis 7. August 1920 in Moskau stattfindet, beschließt jene »21 Moskauer Bedingungen zur Aufnahme in die KI«, die sowohl darauf abzielen, große linke Teile der deutschen USPD mit der vergleichsweise kleinen KPD zusammenzuführen als auch »zentralistische« Tendenzen von führenden USPDlern auszuschließen. Nun entbrennt in der USPD und auch in ihrer Nowaweser Parteiorganisation ein heftiger Richtungsstreit über den weiteren Weg der Partei, insbesondere ihres Verhältnisses zur 3. (kommunistischen) Internationale. Genossen, die in der Revolution und auch in den Tagen des Kapp Putsches gemeinsam gegen die Reaktion und für eine neue sozialistische Gesellschaft gestritten hatten, finden sich nun auf verschiedenen Seiten der Auseinandersetzung wieder.

Eine Abstimmung soll die Entscheidung bringen. Anführer der »Moskauer« in Nowawes ist der Schuhmacher Gustav Mauritz, der »Gegner« Paul Neumanns. Die Urwahl am 4. Oktober 1920 endet in Nowawes mit einer knappen Niederlage für Paul Neumann und Genossen: Von 624 (!) Abstimmungsteilnehmern votieren 353 für die »Moskauer« und 271 dagegen. Der Riss in der Partei ist unübersehbar. Bisherige Kampfgefährten wie Emil Treptow oder Otto Thiele folgen Neumann nicht mehr.

Der Parteitag der USPD in Halle entscheidet sich bekanntlich mit 237 zu 156 Stimmen für den Anschluss an die Kommunistische Internationale. Paul Neumann bleibt in Nowawes in der (Rest-) USPD, andere schließen sich der VKPD an, viele jedoch ziehen sich resigniert aus den Arbeiterparteien und Gewerkschaften zurück. Von den 14 Gemeindevertretern gehen zwei zur VKPD, der größte Teil bleibt aber in der USPD. Dennoch ist die Hegemonie der Partei in Nowawes erschüttert. Zerrieben zwischen den Regierungssozialdemokraten und den Kommunisten, die nunmehr durch die Vereinigung mit der USPD-Linken erstmals zu einer Massenpartei werden, gingen die Mehrzahl der verbliebenen USPDler nach dem »Vereinigungsparteitag« am 24. September 1922 in Nürnberg in die SPD zurück. Bedeutende »Unabhängige« wie die Gewerkschafter Karl Gruhl jun., Paul Wolter, Albert Rose und Max Schröder und der Lehrer Bruno La Grange bestimmen in den nächsten Jahren die sozialdemokratische Gemeindepolitik in Nowawes entscheidend mit.

Paul Neumann bleibt nach der Entscheidung von Halle weiterhin seiner Partei treu. Zur Kreiswahl in Teltow am 20. Februar 1921 führt er noch einmal die USPD-Liste und wird wieder Kreistagsabgeordneter. Es wird sein letztes Wahlamt sein, was er erringt. Mit der Wahl von Walter Rosenthal im Jahre 1921 zum neuen Gemeindevorsteher tritt Paul Neumann in die zweite Reihe des Gemeindevorstandes, bleibt aber weiterhin gewählter Schöffe. Dennoch wird es still um ihn. Am 4. Juli 1923 stirbt Paul Neumann in seinem Haus in der Großbeerenstraße. Im heutigen Babelsberg ist die Erinnerung an ihn lebendig.

Literatur

Laufende Jahrgänge des Vorwärts, der Freiheit, der Märkischen Volksstimme.

Sonderausgabe des Potsdamer Volksblattes in: Dokumente und Materialien zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, Bd. 2, Karl Dietz, Berlin 1958.