Sie Jüdin – er Kommunist. In einem Vortrag widmen sich Christian Raschke und Uwe Klett von der Geschichtswerkstatt Rotes Nowawes den Lebenswelten von Erika Lövin und Walter Junker – beide in Berlin geboren – die sich Anfang der 30er Jahre im gemeinsamen antifaschistischen Widerstand in Nowawes kreuzten.
Die Jüdin Erika Lövin und der Arbeiter Walter Junker lernten sich im Kommunistischen Jugendverband kennen. Mit Gleichgesinnten gaben sie den „Roten Pionier“ heraus, organisierten Widerstandsaktionen gegen die Nazis, flohen nach Prag. Walter ging nach Spanien und fiel in der Schlacht am Ebro 1938, Erika konnte nach Schweden entkommen.
Den 81. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus nehmen wir zum Anlass, um in Potsdam-Babelsberg den im letzten Jahr provisorisch benannten Wally-Lehnert-Platz öffentlich mit der Landeshauptstadt Potsdam (LHP) durch ein Straßenschild einzuweihen. Der Platz an der Kreuzung Großbeerenstraße/Ahornstraße wird nach einem Beschluss der Stadtverordneten und einer Veröffentlichung im Amtsblatt der LHP im Jahr 2025 nun offiziell nach Wally Lehnert benannt. Die Antifaschistin und Widerstandskämpferin war Teil einer lokalen Widerstandsgruppe, in der Zwangsarbeitende mitwirkten und zur Befreiung von Potsdam-Babelsberg beitrugen.
Am Sonntag, den 19.04.26, wird die Geschichtswerkstatt Rotes Nowawes e.V. wieder beim Tag der Geschichtswerkstätten dabei sein. Den vor allem in Hamburg mit seinen zahlreichen Geschichtswerkstätten in den unterschiedlichen Stadtteilen präsenten Tag nutzen wir, um auch hier in Babelsberg unsere Tür zu öffnen und unsere Arbeit zu präsentieren. Es gibt Snacks und Getränke, Gespräche und Informationen zu unserer lokalen Geschichtsarbeit. Kommt am Sonntag, den 19.04.26, zwischen 14 und 16 Uhr zu unserer Heimstatt, dem Babelsberger Heidehaus in der Großbeerenstraße 98a am Findling. Wir freuen uns auf euch!
Am Mittwoch, den 11.03.2026, werden die Geschichtswerkstatt Rotes Nowawes e.V. in Kooperation mit der Landeshauptstadt Potsdam und dem Künstler Gunter Demnig um 9 Uhr vor dem Haus in der Paul-Neumann-Str. 64, 14482 Potsdam-Babelsberg, einen Stolperstein für Charlotte Zade verlegen. Dazu laden wir alle interessierten Personen herzlich ein.
Charlotte Zade, später verheiratete Lewin, war Genossenschaftsmitglied in der Paul-Neumann-Straße ansässigen Gewoba Babelsberg, Lehrerin am Nowaweser Mädchen-Lyzeum, Jüdin und Sozialdemokratin. Sie wurde am 22.12.1895 in Stettin (Szczecin) geboren und kam 1930 nach Nowawes, dem heutigen Babelsberg. 1933 wurde sie denunziert, erhielt Berufsverbot und war gezwungen, unter bescheidenen Umständen in Berlin bis zu ihrer Deportation nach Auschwitz, wo sie dann am 20.02.1943 ermordet wurde, zu leben.
Darüber hinaus gibt es am Tag davor, den 10.03.2026, um 18:00 Uhr im Kashmir-Haus (ehemals Café Babelsberg) einem Vortrag aus dem Leben von Charlotte Zade. Der Eintritt ist frei.
Am 15. Januar 1919 wurden der Namensgeber unseres Stadions, Karl Liebknecht, und Rosa Luxemburg in Berlin verhaftet und von Freikorpstruppen ermordet. Die Hinrichtung der prominenten Wortführer des Sozialismus nach dem Ersten Weltkrieg rief breite Empörung hervor, die bis heute in wiederkehrendes Gedenken und Erinnern mündet. Knapp 100 Jahre später mahnt uns ihr Schicksal, wachsam zu bleiben – wenn wir in Deutschland sehen, dass rechtsextreme und menschenfeindlich motivierte Gewalt genauso zunehmen wie sich radikalisierende Politiker und Parteien mit ihren demokratie- und verfassungsfeindlichen Bestrebungen. Damals wie heute sind Demokratie und Frieden keine Selbstverständlichkeit.
In diesem Bewusstsein laden wir, der SV Babelsberg 03, auch in diesem Jahr gemeinsam mit der Geschichtswerkstatt Rotes Nowawes zu einer Gedenkveranstaltung für Luxemburg und Liebknecht ein:
Wann? Donnerstag, 15. Januar 2026, 18 Uhr Wo? Karl-Liebknecht-Stadion, am Liebknecht-Relief (Karl-Liebknecht-Straße 90, 14482 Potsdam-Babelsberg)
Zum Jahrestreffen des Vereins Kämpfer und Freunde der Spanischen Republik 1936–1939 e. V. (KFSR) mit der Ehrung von Walter Junker im Wald der Erinnerung (siehe Beitrag vom 15.09.25) wurde auch das Grab von Walter Junker gefunden. Christian Raschke nahm als Mitglied der Geschichtswerkstatt Rotes Nowawes e.V. und dem Verein KFSR am Jahrestreffen teil. Mitglieder des KFSR entdeckten dann das Massengrab, wo auch Walter Junker beerdigt wurde, in Els Guiamets auf dem Friedhof. Weitere Recherchen förderten außerdem sein tatsächliches Sterbedatum in dem Lazarettzug zutage und zeigten, dass diese Informationen an verschiedenen Stellen in Katalonien/Spanien bekannt waren, jedoch leider bisher den Weg nicht bis zu uns gefunden hatten. Während der Schlacht am Ebro, vom 29. Juli bis zum 7. August 1938, wurde an der Eisenbahnstation von Guiamets ein Sanitätsposten des XV. Armeekorps eingerichtet, bestehend aus Lazarettzügen und Operationswagen. So starb Walter Junker nicht, wie bisher laut DDR-Quellen, am 28.07.1938 bei Corbera d’Ebre/Gandesa, sondern am 02.08.1938 aufgrund seiner Verletzungen in Els Guiamets. Dorthin wurde Walter Junker in den Lazarettzug aus dem Krankenhaus von Móra d’Ebre evakuiert. Anbei die Tafel des Massengrabs, die Sterbeurkunde und ein aktueller Artikel aus dem ND.
Ausstellung im Haupttreppenhaus – in der Regel zugänglich Montag bis Samstag 9 – 22 Uhr
Der Eintritt ist frei. Das AWO Kulturhaus Babelsberg befindet sich in der Karl-Liebknecht-Straße 135 in 14482 Potsdam-Babelsberg.
Im ehemaligen Nowawes wurden im Jahr 2010 die ersten Stolpersteine für Familie Kauf, die Eheleute Rosenbaum, Kurt Samter, Margot Falkenburg (geb. Brauer) und die Eheleute Dornbusch verlegt. Seit 2025 erinnern und mahnen nunmehr insgesamt 37 Stolpersteine im Stadtteil. Die meisten Stolpersteine gedenken Menschen, die aufgrund ihrer Zugehörigkeit zum Judentum verfolgt wurden, aber auch politischen Gegnerinnen und Gegnern, Menschen mit Behinderung und Andersdenkenden. In Potsdam wurde meist auf Initiative von Lehrerinnen und Lehrern mit ihren Schulklassen, Familienangehörigen der Verfolgten, Vereinen und Initiativen, oder Einzelpersonen, die Beteiligung am europäischen „KunstDenkmal“ Stolpersteine vorangetrieben. Mittlerweile sind in Europa circa 116.000 Steine verlegt.
Mit dieser Ausstellung wird den Nowaweserinnen und Nowawesern gedacht, die von den Nationalsozialisten vor oder während des Zweiten Weltkriegs verfolgt, vertrieben, deportiert und ermordet wurden. Redebeiträge vom Vorstand des AWO Bezirksverbands Potsdam e.V. und der Geschichtswerkstatt Rotes Nowawes e.V. eröffnen die Ausstellung im Haupttreppenhaus des Kulturhauses.
In den kommenden Monaten soll weiter recherchiert und die zusammengetragenen Informationen in einer Begleitbroschüre veröffentlicht werden. Die Ausstellung wird bis ins kommende Frühjahr gezeigt und in diesem Rahmen werden zahlreiche Veranstaltungen zu dem Thema im Kulturhaus Babelsberg stattfinden.
Ein Projekt von der Geschichtswerkstatt Rotes Nowawes e.V. und dem AWO Kulturhaus Babelsberg.
Die Eröffnungsveranstaltung findet in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg statt.
Ausstellungseröffnung: Stolpersteine in Babelsberg
Freitag, den 07.11.2025, 18:00 Uhr im AWO Kulturhaus Babelsberg (Saal)
Am Samstag, den 11.10.2025, findet im Potsdamer Treffpunkt Freizeit die 2. Antifaschistische Konferenz der VVN-BdA im Land Brandenburg statt. Mit dabei ist die Geschichtswerkstatt Rotes Nowawes e.V. im Themenblock der erinnerungspolitischen Initiativen im Land Brandenburg. Vorgestellt wird die Arbeit der Geschichtswerkstatt und Beispiele der erinnerungspolitischen Arbeit.
Zum 87. Jahrestag der Beendigung der Ebro-Schlacht sowie zum Treffen der Vereine der Internationalen Brigaden in Katalonien wird im November erstmals auch die Geschichtswerkstatt Rotes Nowawes e.V. teilnehmen. Ziel der Teilnahme ist die Ehrung an den Nowaweser Antifaschisten und Spanienkämpfer Walter Junker, der im Ehrenhain von La Fatarella durch Christian Raschke als Mitglied der Geschichtswerkstatt Rotes Nowawes e.V. und ebenso Mitglied im organisierenden Verein „Kämpfer und Freunde der Spanischen Republik 1936–1939 e. V. (KFSR)“ mit einer Plakette geehrt wird. Der Nowaweser KPD-Funktionär Walter Junker starb am 28. Juli 1938 bei Corbera d’Ebre.
Zum weiteren Programm des Treffens vom 14. bis zum 16. November 2025 gehören die Begrüßung der internationalen Gäste im Museum von Lo Riu am Freitag, die Gedenkveranstaltung zu Ehren der Mitglieder der Internationalen Brigaden und die Einweihung neuer Plaketten im Ehrenhain, eine Führung durch den Ausstellungen „Die Bombardierung von La Fatarella“ und „Der letzte republikanische Widerstand am Ebro“ sowie eine Fahrt zu Geschichtsorten des Endes der Ebro-Schlacht. Die Ebro-Schlacht tobte vom 25. Juli bis zum 16. November 1938 und war die letzte große Offensive der republikanischen Einheiten gegen die zu dem Zeitpunkt bereits überlegenen faschistischen Truppen während des Spanischen Bürgerkriegs.
Zum bundesweiten Tag des offenen Denkmals am 14.09.2025 bieten das AWO Kulturhaus Babelsberg und die Geschichtswerkstatt Rotes Nowawes e.V. Führungen um 11:00 Uhr und 15:00 Uhr im alten Rathaus an.
Anmeldung: Bis 12.09.2025 per Mail an kulturhaus@awo-potsdam.de oder unter TEL: 0331 7049264
In der ca. 1 stündigen Führung erhalten die Besucher*innen einen Einblick in die verschiedenen Räumlichkeiten des Hauses. Das von Julius Otto Kerwien entworfene Gebäude wurde 1899 als Rathaus Nowawes eingeweiht. Erfahren Sie Hintergründe, Details und Anekdoten zu seiner Historie und Entwicklung zum Kiez-Kulturstandort in Babelsberg.
Treffpunkt ist am Haupteingang.
Nowawes 1932/1933: eine Liebe ohne Zukunft – Erika Lövin und Walter Junker, Mi 22.04., 18 Uhr Kulturhaus Babelsberg
Mehr Info