Die Geschichtswerkstatt in der Schule – Projektwoche zum Thema Erinnerungskultur

Kurz vor den Sommerferien fand im Schulzentrum am Stern eine Projektwoche statt. Eines der Projekte des 6. Jahrgangs war, sich mit dem großen Themenkomplex „Erinnerungskultur“ auseinanderzusetzen. Die Lehrerinnen und Leiterinnen dieser Projektwoche entschieden sich dafür, den Schulkindern das Thema Verfolgung im Nationalsozialismus mittels eines biografischen Ansatzes, in Verbindung mit Lokalgeschichte, näher zu bringen.

Wir wurden als Geschichtswerkstatt eingeladen, die Gruppe an ihrem ersten Projekttag zu begleiten und etwas über Stolpersteine zu erzählen: was der Hintergrund dieses Erinnerungs- und Kunstprojektes ist, an wen die Steine erinnern und wie wir uns als Geschichtswerkstatt als eine von vielen Initiativen an dem Projekt beteiligen. Die Kinder brachten unterschiedliches Vorwissen über den deutschen Faschismus mit und auch wenn einige eher zurückhaltend waren, kamen von vielen sehr interessierte Fragen, vor allem die Verfolgung betreffend.

Falls Sie an einer Schule arbeiten und das Thema Stolpersteine mit Ihrer Klasse thematisieren wollen, oder sich mit Ihren Schüler:innen sogar direkt am Projekt beteiligen und ggf. eine neue Stolpersteinverlegung initiieren wollen, können Sie uns gerne kontaktieren. Wir können ggf. im Unterricht darüber berichten, bei der Recherche und Umsetzung unterstützen oder auch Stolpersteinführungen in Babelsberg (Nowawes) für Ihre Klasse anbieten.

Wir wünschen allen Schulkindern und dem Kollegium einen guten Start ins neue Schuljahr!

Enkel Nowaweser Sozialdemokraten zu Besuch bei der Geschichtswerkstatt

Carl und Hilde Landauer, vor 1920

Letzten Monat haben uns Marius Landauer und seine Frau Janmarie aus Kalifornien besucht, um mehr über das Leben von Marius‘ Familie im Roten Nowawes zu erfahren. Seine Großeltern, Hilde und Carl Landauer, waren beide engagierte Sozialdemokraten (SPD). Sie waren 1929 aus München nach Nowawes gezogen, da Carl eine Stelle als Wirtschaftsprofessor an der Handelshochschule Berlin angenommen hatte, wohin er vermutlich täglich vom Bahnhof Neubabelsberg (heute S-Bahnhof Griebnitzsee) pendelte. Hilde war u.a. im Bildungsausschuss der Nowaweser SPD-Ortsgruppe aktiv. Als Carl im Jahr 1933 aufgrund des durch die Nationalsozialisten erlassenen sogenannten „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ seine Stelle verlor, sah die sechsköpfige Familie sich zur Emigration gezwungen. Als Juden und Sozialdemokraten erfüllten sie ein doppeltes Feindbild und konnten durch ihre Emigration in die USA einer weiteren Verfolgung entgehen.

Wir haben Marius und Janmarie die Wohngegend seiner Familie gezeigt und dabei das Haus wiederentdeckt, vor dem seine Tante Ilse fast 100 Jahre zuvor fotografiert wurde. Wir waren mit ihnen im Rathaus Babelsberg, wo sich vermutlich auch der Bildungsausschuss getroffen hat, in dem Marius‘ Großmutter Hilde engagiert war. Außerdem haben wir den beiden die weltliche Schule (heute Grundschule Bruno H. Bürgel) in der heutigen Karl-Liebknecht-Straße zeigen können, die Marius‘ Onkel Walter und seine Tanten Ilse und Gertrud wahrscheinlich besucht haben. Marius‘ Vater Ernst war das vierte und jüngste Kind der Familie Landauer und wurde erst in den USA eingeschult, wo Carl eine Stelle an der University of California, Berkeley antreten konnte.

Die Geschichtswerkstatt hat sich sehr über den sympathischen Besuch gefreut. Es war interessant, etwas über die Erinnerungen von Marius‘ Familie an das Rote Nowawes zu erfahren. Wir bedanken uns auch für die Bereitstellung der Fotos und freuen uns auf weiteren Austausch über die Geschichte der Familie Landauer.

Alle Fotos in diesem Beitrag: Privatsammlung der Familie Landauer.