Tatorte markieren – Menschen gedenken 2025

Seit dem 7. April findet die vom Landesjugendring Brandenburg in Kooperation mit der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten und dem Museumsverband Brandenburg organisierte Aktion „Tatorte markieren – Menschen gedenken 2025“ statt. Mit Flatterband werden Orte nationalsozialistischer Verbrechen in der lokalen Umgebung markiert. Wir als Geschichtswerkstatt Rotes Nowawes e.V. haben mit dem FK Böhmisches Dorf Nowawes und Neuendorf e. V. den Sportplatz Sandscholle in Potsdam-Babelsberg markiert. Zum 80. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus wollen wir hiermit an das Lager für Zwangsarbeitende der Universum-Film AG (UFA) erinnern, welches hier zwischen dem Sportplatz Sandscholle und der Rosenstraße ab 1942 für über 600 Menschen errichtet wurde. Bereits im Dezember 2024 berichtete der RBB über das Lager und interviewte Christian Raschke von der Geschichtswerkstatt Rotes Nowawes e.V. Eine weitere Aufarbeitung und Kenntlichmachung sind mit den beiden nutzenden Sportvereinen Babelsberg 03 und Concordia Nowawes geplant.

Veranstaltungen zum 80. Jahrestag der Befreiung und Kriegsendes in der LHP

Die Geschichtswerkstatt Rotes Nowawes e.V. ist mit eigenen Programmpunkten ein wesentlicher Bestandteil im vielfältigen Veranstaltungsprogramm der Landeshauptstadt Potsdam (LHP) zum 80. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus und zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Der Fokus der Geschichtswerkstatt liegt auf die Befreiung von Babelsberg sowie dem gesellschaftlichen und politischen Neuanfang in Babelsberg. In der Pressemitteilung der LHP wird die Geschichtswerkstatt als Akteur benannt und die Radtour zur Befreiung von Babelsberg in der Lokaltageszeitung Potsdamer Neueste Nachrichten vom 26.03.25 erwähnt. Dies symbolisiert die Wertschätzung der lokalen Geschichtsarbeit in Babelsberg.

Das komplette Veranstaltungsprogramm und die Broschüre „besiegt und befreit – 80 Jahre Kriegsende“ gibt es unter: www.potsdam.de/80-jahre-kriegsende

Die Pressemitteilung Nr. 116 der LHP zum Veranstaltungsprogramm 80 Jahre Ende des Zweiten Weltkrieges gibt es unter: https://www.potsdam.de/de/116-80-jahre-ende-des-zweiten-weltkrieges

Screenshots zur Broschüre „besiegt und befreit“ der LHP, https://www.potsdam.de/system/files/document/Bros-80-Jahre-Kriegsende-print%20%281%29.pdf

Tag der Geschichtswerkstätten

Am Sonntag, den 13.04.25, wird die Geschichtswerkstatt Rotes Nowawes e.V. das erste Mal beim Tag der Geschichtswerkstätten dabei sein. Der vor allem in Hamburg mit seinen zahlreichen Geschichtswerkstätten in den unterschiedlichen Stadtteilen präsente Tag nutzen wir, um auch hier in Babelsberg unsere Tür zu öffnen und unsere Arbeit zu präsentieren. Es gibt Snacks und Getränke, Gespräche und Informationen zu unserer lokalen Geschichtsarbeit. Kommt am Sonntag, den 13.04.25, zwischen 14 und 16 Uhr zu unserer Heimstatt, dem Babelsberger Heidehaus in der Großbeerenstraße 98a am Findling. Wir freuen uns auf euch!

Drei Frauen werden gewürdigt

Was lange währt, wird endlich gut – zumindest teilweise. Die Potsdamer Stadtverordnetenversammlung hat nach längerer Zeit im März zumindest einen Teil unserer Idee beschlossen, Frauen aus der Nowaweser Arbeiterinnenbewegung zu würdigen. Nun sollen erstmal drei Plätze in Babelsberg nach Frauen benannt werden. Das haben die Stadtverordneten auf Antrag von SPD, Die Andere, Linke und Grüne/Volt/Die Partei beschlossen. Es handelt sich größtenteils um umbenannte Grünflächen in zentraler Lage.

Bereits seit 2020 verfolgt die Geschichtswerkstatt Rotes Nowawes e.V. in Kooperation mit dem Autonomen Frauenzentrum Potsdam e.V., dem AWO Bezirksverband Potsdam e.V. und der Volkssolidarität Verbandsbereich Mittelmark der Landeshauptstadt Potsdam das Ziel zur Benennung von Plätzen als Würdigung von Frauen aus der Nowaweser Arbeiterinnenbewegung. Ein offizieller Akt der Einweihung soll zum Tag der Befreiung am 8. Mai geschehen.

Zu den drei Frauen zitieren wir hierzu einen Artikel aus den Potsdamer Neueste Nachrichten (PNN), der es kurz und knapp auf den Punkt bringt. Infos zu den Biografien der Frauen gibt es hier:

„Der Platz an der Kreuzung der Großbeerenstraße und der Ahornstraße wird nach Wally Lehnert benannt. Sie trat ab 1923 der KPD Nowawes bei, wo sie für die Frauenarbeit zuständig war, und versteckte gemeinsam mit ihrem Mann in ihrer Laube kurz vor der Befreiung sowjetische Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter.

Der Platz zwischen Großbeerenstraße und Grünstraße erhält den Namen von Anna Müller. Sie war die einzige Frau in der Geschichte des freigewählten Stadtparlamentes von Nowawes, die Beisitzerin im Vorstand der Stadtverordnetenversammlung wurde.

Der Platz zwischen Paul-Neumann-Straße und Blumenweg wird nach Olga Bathe benannt. Sie trat öffentlich für Frauenrechte und das Frauenwahlrecht ein, organisierte ab 1926 eine Suppenküche für Kinder und Arbeitslose und war im SPD-Ortsvorstand aktiv.“

Screenshot des Artikels aus der PNN, abgerufen am 14.03.2025, https://www.tagesspiegel.de/potsdam/landeshauptstadt/neue-namen-in-babelsberg-drei-platze-werden-nach-frauen-aus-nowawes-benannt-13325515.html

Gedenken an NS-Opfer in Babelsberg

Mitglieder der Geschichtswerkstatt Rotes Nowawes e.V. haben am städtischen Gedenken der Landeshauptstadt Potsdam zum 80. Jahrestag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz erinnert. Neben den „Omas gegen Rechts Potsdam“ sprachen auch der Oberbürgermeister Mike Schubert, Matthias Haß als stellvertretender Direktor der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannseekonferenz sowie einige Schüler:innen des Bertha-von-Suttner-Gymnasiums. Im Fokus der Redebeiträge stand der Holocaustüberlebende Willi Frohwein, an deren Platz Am Findling, die Gedenkveranstaltung stattfand. Willi Frohwein überlebte Auschwitz, Mittelbau-Dora und schließlich Bergen-Belsen, wohnte nach der Befreiung vom Nationalsozialismus kurzzeitig in Berlin-Spandau und zog schließlich nach Babelsberg.

Veranstaltung zu 100 Jahre Stadtrecht von Nowawes

Am Sonntag, den 15.12.2024, fand im ehemaligen Rathaus Babelsberg die Veranstaltung zu 100 Jahre Stadtrecht von Nowawes, dem heutigen Babelsberg statt. Über 80 interessierte Personen fanden sich im historischen Ratssaal ein, darunter auch derzeitige Potsdamer Stadtverordnete. Nach einer Begrüßung durch Vorstandsmitglied Christian Raschke (Geschichtswerkstatt Rotes Nowawes) gab es einen kurzen Input zur Geschichte der Kolonie Nowawes durch Maren Kozcott (Förderkreis Böhmisches Dorf Nowawes und Neuendorf) sowie zur Stadtwerdung von Dr. Uwe Klett (Geschichtswerkstatt Rotes Nowawes). Es folgte die Vorführung des 30-minütigen Dokumentarfilms „Geschichten aus dem Roten Nowawes“ der Produktionsgruppe „forum“ aus den DEFA-Dok-Film-Studios von 1985. Der Nachmittag endete mit Sekt und Schnittchen sowie zahlreichen Gesprächen und Diskussionen.

Einen Artikel zur Stadtwerdung gibt es hier: https://rotes-nowawes.de/?page_id=3664

Christian Raschke (links), Maren Koczott und Dr. Uwe Klett (rechts)
Dr. Uwe Klett referiert zur Stadtwerdung von Nowawes
Am Ende der Veranstaltung wird angestoßen und geredet

Einweihung von Karl-Liebknecht-Relief

Am Donnerstag, den 12.12.2024, weihten der SV Babelsberg 03 mit der Geschichtswerkstatt Rotes Nowawes e.V., viele weitere Beteiligte wie die Stadtwerke Potsdam oder der Restaurator Pohlmann sowie Einzelpersonen als Helfer bei der Umsetzung des Vorhabens, das Relief von Karl Liebknecht im gleichnamigen Stadion ein. Damit konnten die Sicherung des Karl-Liebknecht-Reliefs und die Umsetzung feierlich abgeschlossen werden.
Das Relief von Karl Liebknecht stand zuvor auf dem Gelände des Seestützpunkt der Gesellschaft für Sport und Technik (GST) und später auf dem Gelände des Seesportclubs Potsdam. Als im Februar 1976 das maritime Ausbildungszentrum der Ehrenname „Karl Liebknecht“ verliehen wurde, wird das Relief höchstwahrscheinlich dort aufgestellt worden sein.
Auf unserer Sonderwebseite gibt es weitere Informationen und historische Hintergründe zu Karl Liebknecht, aber auch zum Relief und zum neuen Standort, dem Karl-Liebknecht-Stadion.

Artikel auf der Webseite vom SV Babelsberg 03

Artikel in der PNN (Bezahlschranke)

Artikel zu 100 Jahre Stadtrecht Nowawes

Nowawes, das heutige Babelsberg, erhielt vor 100 Jahren das Stadtrecht. Neben einer Festveranstaltung im ehemaligen Ratssaal des Kulturhauses Babelsberg am Sonntag, den 15.12.2024, hat die Geschichtswerkstatt Rotes Nowawes auch einen Artikel zu den damaligen Ereignissen veröffentlicht.

In der Landgemeinde Nowawes gab es schon seit Anfang der zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts ein großes Interesse, das Stadtrecht zu erlangen. Der Ort zählte inzwischen über 26.000 Einwohner, war mit teilweise großen Industriebetrieben ausgestattet und wies einen städtischen Charakter auf.

Nachdem sich die Gemeindevertretung Nowawes verpflichtet hatte, nicht aus dem Kreis Teltow auszutreten, beschloss am 13. Dezember 1924 das Preußische Staatsministerium die Stadtwerdung, nachdem es zuvor reichlich Widerstand gab.

Zum Fachartikel: https://rotes-nowawes.de/?page_id=3664

Bildquelle: Potsdamer Tageszeitung vom 06.01.1925 aus dem Stadtarchiv Potsdam, Bestand: G-XII_0003_Bl._33

Kein Weihnachtsmärchen: Suppenküchen – Hungerrevolten – antifaschistischer Widerstand

Die Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg e.V. lädt ein zu einem Stadtspaziergang mit Uwe Klett (Geschichtswerkstatt Rotes Nowawes e.V.) auf den Spuren der Arbeiterinnen und Arbeiter des Roten Nowawes in den 20er und 30er Jahren ein.

Treffpunkt: 15.12.2024, 13.00 Uhr, AWO-Kulturhaus, Karl-Liebknecht-Str. 135, Potsdam-Babelsberg

Im Anschluss an den Stadtspaziergang besteht ab 15.00 Uhr die Möglichkeit, im Kulturhaus den DEFA-Dokumentarfilm aus dem Jahre 1985 „Geschichten aus dem Roten Nowawes“ zu sehen.

Enkel Nowaweser Sozialdemokraten zu Besuch bei der Geschichtswerkstatt

Carl und Hilde Landauer, vor 1920

Letzten Monat haben uns Marius Landauer und seine Frau Janmarie aus Kalifornien besucht, um mehr über das Leben von Marius‘ Familie im Roten Nowawes zu erfahren. Seine Großeltern, Hilde und Carl Landauer, waren beide engagierte Sozialdemokraten (SPD). Sie waren 1929 aus München nach Nowawes gezogen, da Carl eine Stelle als Wirtschaftsprofessor an der Handelshochschule Berlin angenommen hatte, wohin er vermutlich täglich vom Bahnhof Neubabelsberg (heute S-Bahnhof Griebnitzsee) pendelte. Hilde war u.a. im Bildungsausschuss der Nowaweser SPD-Ortsgruppe aktiv. Als Carl im Jahr 1933 aufgrund des durch die Nationalsozialisten erlassenen sogenannten „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ seine Stelle verlor, sah die sechsköpfige Familie sich zur Emigration gezwungen. Als Juden und Sozialdemokraten erfüllten sie ein doppeltes Feindbild und konnten durch ihre Emigration in die USA einer weiteren Verfolgung entgehen.

Wir haben Marius und Janmarie die Wohngegend seiner Familie gezeigt und dabei das Haus wiederentdeckt, vor dem seine Tante Ilse fast 100 Jahre zuvor fotografiert wurde. Wir waren mit ihnen im Rathaus Babelsberg, wo sich vermutlich auch der Bildungsausschuss getroffen hat, in dem Marius‘ Großmutter Hilde engagiert war. Außerdem haben wir den beiden die weltliche Schule (heute Grundschule Bruno H. Bürgel) in der heutigen Karl-Liebknecht-Straße zeigen können, die Marius‘ Onkel Walter und seine Tanten Ilse und Gertrud wahrscheinlich besucht haben. Marius‘ Vater Ernst war das vierte und jüngste Kind der Familie Landauer und wurde erst in den USA eingeschult, wo Carl eine Stelle an der University of California, Berkeley antreten konnte.

Die Geschichtswerkstatt hat sich sehr über den sympathischen Besuch gefreut. Es war interessant, etwas über die Erinnerungen von Marius‘ Familie an das Rote Nowawes zu erfahren. Wir bedanken uns auch für die Bereitstellung der Fotos und freuen uns auf weiteren Austausch über die Geschichte der Familie Landauer.

Alle Fotos in diesem Beitrag: Privatsammlung der Familie Landauer.